Schrempp übersteht Kreuzverhör

Foto: Daimler-Chrysler

Beim Kreuzverhör im Milliardenprozess gegen den Autokonzern Daimler-Chrysler hat Vorstandschef Jürgen Schrempp die Linie einer "Fusion unter Gleichen" verteidigt.

Dies gehe aus allen Dokumenten hervor, und sei von ihm weder in vertraulichen Gesprächen noch in Interviews je in Frage gestellt worden, sagte Schrempp am Mittwoch (10.12.) vor dem Bezirksgericht in Wilmington (US-Bundesstaat Delaware).

Der Anwalt der Klägerseite, Terry Christensen, will beweisen, dass der Zusammenschluss nur als Fusion unter Gleichen getarnt, von Anfang an aber als Übernahme durch die Deutschen konzipiert war. Der Kläger, der damalige Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian, will vor Gericht einen Schadenersatz von mindestens 1,2 Milliarden Dollar sowie Strafzahlungen in bislang ungenannter Höhe durchsetzen.

Anwalt Christensen führte Schrempp gleich zu Beginn des Kreuzverhörs zu dem umstrittenen Interview mit der "Financial Times" vom Oktober 2000. Der Text war Auslöser für die Verärgerung von Kerkorian und die anschließende Klage. Nach Angaben der Zeitung räumte Schrempp dabei ein, dass der Zusammenschluss aus psychologischen Gründen als Fusion unter Gleichen deklariert worden sei. Nach Angaben von Schrempp war diese Interpretation nicht korrekt. "Sie waren entsetzt über den Artikel?" fragte Christensen. "Ja, in der Tat", antwortete Schrempp.

Schrempp bleibt standhaft

"Sie haben sicher eine Richtigstellung gefordert?" fuhr der Anwalt dramaturgisch geschickt fort. Das sei auf Rat seiner Kommunikationsspezialisten nicht geschehen, weil solche Richtigstellungen die Dinge oft schlimmer machten als vorher, antwortete Schrempp. In dem Interview sei es um die Struktur des operativen Geschäfts gegangen. Bei Bekanntgabe des Deals hätten beide Seiten zunächst die Tatsache hervorgehoben, dass die Unternehmensführungen als gleichberechtigte Partner zusammengeführt werden. Das sei zu dem Zeitpunkt erfolgreich abgeschlossen gewesen. Ihm habe daran gelegen, nun die von Anfang an geplante Struktur, das operative Geschäft von Chrysler als Sparte zu führen, hervorzuheben.

Der Anwalt versuchte Schrempp mehrfach, mit tendenziösen Fragen auf Glatteis zu führen. Schrempp hielt seine Ungehaltenheit zeitweise nur mühsam unter dem Deckel. "Ich möchte wirklich helfen, aber ich weiß die Antwort einfach nicht", sagte er einmal an Richter Joseph Farnan gewandt. Christensen wollte Schrempp auf Details aus 100 Seiten juristischer Dokumente festnageln.

Daimler-Benz mit der Fusion die Initiative ergriffen

"Ich weiß nicht, auf was Sie sich beziehen, aber wenn Sie möchten, kann ich meine Meinung dazu sagen", sagte Schrempp an anderer Stelle. "Nein, bleiben Sie bei der Beantwortung meiner Frage", erwiderte Christensen. Drei Mal intervenierte Daimler-Chrysler-Anwalt Tom Allingham, weil die Gegenseite aus Dokumenten zitierte, die nicht vorlagen oder Schrempp zu "was wäre, wenn.."-Antworten bringen wollte. Der Richter stimmte in der Regel zu.

Christensen zitierte auch aus einer Rede Schrempps vor Daimler-Chrysler-Mitarbeitern, in der er die geplante Fusion erklärte. Eine Passage, in der Schrempp versicherte, dass Daimler-Benz niemals von anderen bestimmt werde, wollte Christensen als Beweis aufbauen, dass Daimler-Benz in dem neuen Unternehmen von Anfang an das Sagen behalten wollte. Der Zusammenhang war ein anderer, antwortete Schrempp. Damit habe er klar gestellt, dass Daimler-Benz mit der Fusion die Initiative ergriff, um nicht womöglich Opfer einer feindlichen Übernahme zu werden.

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