Shell

Milliarden-Rechenfehler

Nach der Affäre um geschönte Ölreserven steht der Konzern nun wegen einer milliardenschweren Fehlkalkulation in Russland unter Druck. Bei dem Öl- und Gas-Projekt Sachalin-2 wurde plötzlich eine Verdoppelung der Kosten auf 20 Milliarden Dollar (16,7 Milliarden Euro) festgestellt.

Dies werde das Ansehen von Shell wieder belasten, räumte Konzernchef Jeroen van der Veer in der "Financial Times" ein. Shell prüfe nun, ob auch bei anderen Projekten mit zu optimistischen Schätzungen gearbeitet worden sei. Auch trotz der höheren Kosten sei das Großprojekt in Russland noch wirtschaftlich, betonte Shell.

Das Projekt im äußersten Osten Russlands liegt auch um acht Monate hinter dem Zeitplan zurück, musste Shell bekanntgeben. Der Konzern hält derzeit mit 55 Prozent die Führungsrolle bei Sachalin-2. Mit dem russischen Gasriesen Gazprom wurde die Übernahme von 25 Prozent daraus vereinbart, nun ist aber unklar, ob dies noch gilt: Die Kosten bei solchen Projekten werden normalerweise von den Partnern gemäß ihren Anteilen getragen.

Shell will aus den Vorkommen bei der russischen Sachalin-Insel 17,3 Billionen Kubikmeter Erdgas und eine Milliarde Barrel (159 Liter) Rohöl fördern. Aktuell werde ein Produktionspreis von fünf bis sechs Dollar für einen Barrel Öl-Equivalent erwartet. Weitere Teilhaber von Sachalin zwei sind die japanischen Konzerne Mitsui (25 Prozent) und Mitsubishi (20 Prozent).

Shell werde trotz der Probleme in Russland auch weiterhin auf "Mammut-Projekte" setzen, betonte van der Veer. Gründe für die höheren Kosten in Sachalin-2 seien unter anderem gestiegene Rohstoff-Preise und ungünstige Veränderungen der Währungskurse. Die jüngste Affäre um geschönte Reserven - Shell musste fünf Mal die Angaben zu den Beständen senken - hatte den Konzern tief erschüttert und unter anderem zu einem Führungswechsel geführt.

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