Spar-Vergleich

Toyota Prius oder VW Golf?

Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

Der VW Golf auf dem Weg zum Alleskönner. Als Diesel hat der Bestseller sogar das Talent zum Spar-König. Diesen Titel beansprucht in der Kompaktklasse allerdings der Hybrid-getriebene Toyota Prius.

Das Selbstbewusstsein des VW Golf scheint grenzenlos. Fünf Sterne im Top-Test. Siegreich über die schärfsten Konkurrenten. Und dann spielt er sich auch noch als Asket in den Vordergrund. Im Vergleichstest genügen ihm auf der auto motor und sport-Normrunde im Schnitt 4,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

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Vergleichstest Toyota Prius, VW Golf 2.0 TDI
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Golf, der Sprit-Knauser

Dabei beansprucht dieses Attribut doch der Toyota Prius, das Hybrid-Sparwunder in der Kompaktklasse. Dessen bestes Resultat auf der Normrunde lag bei 4,4 Litern. Dem neuen Herausforderer stellt sich der Prius deshalb leicht eingeschüchtert. Spezialist trifft auf Generalist. Anders als der Alleskönner Golf verfolgt der Toyota Prius ausschließlich ein Ziel: Sparsamkeit.

Dafür unterstützt er seinen 1,5-Liter-Benzinmotor mit einer Hybrid-Einheit; diese besteht aus Elektromotor, Generator, Stromwandler und Batterie. Der Elektromotor leistet maximal 50 kW, umgerechnet 68 PS, und – wesentlich interessanter – 400 Nm. Diese wuchten bei Vollgas vom Start weg in den Antriebsstrang, lange bevor sich der Vierzylinder zu seinem Maximum von 115 Nm aufschwingt. Über das Verteilergetriebe addieren sich beide Kraftströme auf bis zu 478 Nm. Geballter Schub in einer Kompakt-Limousine. Soweit zur Theorie.

In der Praxis dagegen fühlt sich der Prius nach 78 Verbrennungs-PS und nicht nach 400 Elektro-Nm an. Wer die Nackenmuskulatur nennenswert dehnen will, muss im Golf Gas geben. Dessen TDI wuchtet seine bis zu 320 Nm zwar nicht mehr so reifenraspelnd auf die Kurbelwelle wie frühere Modelle; dennoch beeindruckt der stürmische Übergang vom Saug- in den Laderbereich vor allem in den niedrigen Gängen immer wieder. Bewusst hat auto motor und sport einen Golf von der Stange ausgewählt, einen Highline mit ordentlich Ausstattung und breiten Reifen. Kein verhärmtes Verzichts-Mobil, aber mit lang übersetztem Sechsgang-Getriebe seit der Neueinführung auf niedrigen Verbrauch optimiert. Von einem Blue Motion mit im Rollwiderstand minimierten Reifen und Klappen zur Verbesserung des Luftwiderstands ist der 2.0 TDI weit entfernt. Dieser neue Golf fährt sich so selbstverständlich wie die Generationen davor.

Prius: Exot im deutschen Straßenverkehr

Anders der Prius. Im deutschen Verkehr ist er ein Exot wie ein Liegeradfahrer. Nahezu geräuschlos lässt er sich elektrogetrieben in Bewegung setzen. Das funktioniert in der Stadt über weite Strecken. Zum konzeptionellen Vorteil kommt ein spezieller Spaßfaktor: Ein Display informiert über die beim Bremsen gewonnene Energie, Balken halten einem mahnend den aktuellen Verbrauch vor, belohnen selbstkasteiende Fahrt. Innerstädtisch benötigt der Prius im Schnitt einen halben Liter weniger auf 100 Kilometer als der Golf.

Es geht auf die Landstraße. Hier läuft der Verbrennungsmotor des Prius ständig mit. Zum Überholen oder am Berg, wenn der Fahrer ordentlich Gas geben muss, heult der Vierzylinder angestrengt. Das stufenlose Automatikgetriebe hält den Motor stets im Bereich der optimalen Drehzahl. Bei Vollgas sind es permanent über 5.000/min, die man nicht lange ertragen möchte. Die Geschwindigkeit reduziert sich alleine schon deshalb, der Golf rollt gelangweilt untertourig hinterher – auf dem Verbrauchsniveau des Prius.

Rauf auf die Autobahn

Schon beim Bummeln klettert der Verbrauch des Toyota deutlich, der VW folgt ihm niedertourig. Der langen Übersetzung sei Dank – sie verschafft dem Golf einen Vorteil von im Schnitt 1,7 Litern. Auf zwei Liter wächst er sogar an, wenn sich das Tempo über die Richtgeschwindigkeit hinaus bewegt. Auf der auto motor und sport-Normrunde nähern sich die Verbräuche wieder an, jedoch bleibt stets der Golf vorn, egal ob sie sparbetont oder flott absolviert wird. Dennoch überschreitet der TDI seinen jüngsten Fabelwert von 4,1 Liter auf 100 Kilometer um zwei Zehntel. Änderungen bei Verkehr und Wetter sind der Grund für die Abweichung.

Fehlt noch der Gesamtverbrauch, und der Hybrid ist entzaubert: Einen knappen Liter liegt er über dem des TDI. Das neue Sparmobil kommt aus Wolfsburg, der Hybrid bleibt als teure Technik-Ideologie bis zur Kombination mit einem Euro 5-Diesel fragwürdig. Das Tank-Budget schont der Golf deutlich mehr als der Prius. Doch zur Umwelt ist der Toyota trotzdem etwas netter. Da Diesel und Benziner eine unterschiedliche Energiedichte haben, ist das Verbrauchs-Niveau gleich. Zusätzlich stößt der Diesel mehr Schadstoffe aus. Den triumphalen Sieg gibt der Golf-Testwagen aber erst im Kostenkapitel auf: Seine breiten und damit teureren Reifen machen die Highline-Ausstattung im Unterhalt kostspieliger als den Prius. Anders sähe es mit Comfortline aus: Dann rechnet sich der VW ab 15.000 Kilometer im Jahr.

Fazit: Das größere Talent zum Knausern hat der Golf. Wer seine laufenden Kosten minimieren möchte, bestellt die schmal bereifte Comfortline-Ausstattung. Dann gelingt, was kaum möglich scheint: das Sparen (fast) ohne Verzicht.

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