"Stiller Riese" aus Herzogenaurach greift nach Conti

"Es hat ein kurzes Gespräch gegeben, und es wird möglicherweise noch weitere Gespräche geben." Mehr als ein paar dürre Worte ließ sich die Schaeffler-Gruppe am Montag (14.7.) zunächst nicht zu den Gerüchten um die Übernahme der Continental-Konzerns entlocken.

Verschwiegenheit gehört zur Firmenstrategie des "stillen Riesen" aus Herzogenaurach, wo der Wälzlagerspezialist und Automobilzulieferer in direkter Nachbarschaft zu den Sportartikelkonzernen Adidas und Puma zu Hause ist. 

Erfahrungen mit feindlichen Übernahmen

Obwohl mit fast neun Milliarden Euro Umsatz und 66.000 Mitarbeitern zu einem "Global Player" aufgestiegen, agiert der fränkische Weltkonzern in vielem wie ein scheuer Mittelständler.

Eine feindliche Übernahme haben die Herzogenauracher aber schon einmal nach allen Regeln der Kunst durchgezogen. 2001 griffen sie überraschend den Schweinfurter Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer an und verleibten ihn sich nach kurzer Übernahmeschlacht ein. Schaeffler stieg damit zum weltweit zweitgrößten Wälzlageranbieter hinter der schwedischen SKF-Gruppe auf. Auch als Automobilzulieferer haben sich die Franken eine wichtige Position erarbeitet und beliefern nach eigenen Angaben nahezu alle Hersteller. Durch die Übernahme von Conti könnte der drittgrößte Autozulieferer weltweit hinter Bosch und dem japanischen Ausrüster Denso entstehen, heißt es in einem Branchenblatt.

Scharmützel mit Gewerkschaft

Als "eines der größten europäischen Industrieunternehmen in Familienbesitz" - so lautet die Selbstdarstellung - befindet sich Schaeffler in einer komfortablen Lage. Das Herzogenauracher Unternehmen, das im Alleinbesitz von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg ist, muss nicht nach schnellen Renditen schielen. Dennoch wird knallhart gerechnet: Mehr als einmal lieferte sich der Geschäftsführer Jürgen Geißinger in den vergangenen Jahren Scharmützel mit der IG Metall wegen Kostensenkungsprogrammen und Einschnitten für die Belegschaften.

"Der frühere familiäre Charakter des Unternehmens ist Stück für Stück verschwunden", sagt der Erlanger IG Metall-Chef Wolfgang Niclas, der Schaeffler seit vielen Jahren kennt. Mit harten Bandagen würden Maßnahmen wie etwa Arbeitszeitverlängerung durchgedrückt. Niclas ist überzeugt davon, dass Schaeffler eine Conti-Übernahme stemmen kann: "Das ist keine unabgesicherte und spekulative Strategie. Frau Schaeffler begibt sich bestimmt nicht auf einen Hasardeursritt. "Die Herzogenauracher seien auch auf eine harte Auseinandersetzung vorbereitet, glaubt der Gewerkschafter.

Die elegante blonde Geschäftsfrau Maria-Elisabeth Schaeffler mit einem Milliardenvermögen und an ihrer Seite der ehrgeizige Schwabe Geißinger, der das Unternehmen auf Expansion trimmt - diesem Duo wird auch in der Branche viel zugetraut. Die Schaeffler-Gruppe ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Vor zehn Jahren wurde der Umsatz erst auf rund 1,5 Milliarden Euro beziffert, damals beschäftigte Schaeffler etwa 22.000 Mitarbeiter. Heute arbeiten allein 30.000 Menschen an den deutschen Standorten, darunter 8.500 am Firmensitz in Herzogenaurach. In der Region Nürnberg ist Schaeffler damit hinter Siemens der zweitgrößte Arbeitgeber.

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