Produktionsstopp Tata Nano

Ende für das billigste Auto der Welt

Tata Nano Foto: Makarand Baokar 24 Bilder

Ein Preis von knapp über 2.000 Euro bescherte dem Tata Nano den Titel als „das billigste Auto der Welt“. Was ihm der Preis nicht bescherte, war eine große Fangemeinde. Wegen sinkender Nachfrage wird die kleine Sparbüchse jetzt eingestellt.

Wenn unter anderem Bosch, Mahle, ZF und BASF Teile für ein Auto liefern, dann könnte man meinen, die Rede sei von einer neuen Mercedes S-Klasse. In der Tat befinden wir uns aber am exakt anderen Ende der Luxuriösität – beim Tata Nano. 2009 wollte der indische Autohersteller Tata, zu dem aktuell auch Jaguar Land Rover gehört, mit dem 100.000 Rupien (heute ca. 1.250 Euro) teuren Nano den heimischen Markt erobern. Doch die ambitionierte Reise holperte bereits zum Start. Eine Nachfrage von einer Million (!) Nanos pro Jahr hatte man sich bei Tata ausgemalt. Ambitioniert ist das deshalb, weil die monatliche Fertigungskapazität bei etwa 24.000 Einheiten liegt. Nüchterne 70.000 Exemplare wurden es am Ende im Auftaktjahr. Tendenz: fallend. Im Juni 2018 wurde genau ein Nano gebaut.

Die gute Idee Tata Nano

Die Idee indes war eine gute: ein leichtes billiges Auto anzubieten, das den Indern als sichere Alternative zu den gefährlichen Rikschas, Mofas und Motorrädern dienen sollte. Doch mit der Sicherheit ist das so eine Sache. Wenn nämlich mehrere Nanos im laufenden Betrieb in Flammen aufgehen, dann wird selbst der hoffnungsloseste Optimist misstrauisch. Was die Crash-Sicherheit betrifft, gibt es zudem wenig überraschend Luft nach oben. Viel Luft. Doch irgendwo muss der günstige Preis herkommen. Dafür wurden Karosserieteile lieber aus Kunststoff denn aus Blech gefertigt und entsprechend verklebt statt verschweißt. Glücklicherweise dauert es länger als 30 Sekunden, bis man im 38 PS starken Nano Tempo 100 erreicht. Eine rasante Fahrweise kann als Unfallursache also quasi ausgeschlossen werden.

Das indische Billigauto Tata Nano
Der Tata Nano für 1.500 Euro im Fahrbericht

Ein weiteres Problem für den Nano war sein Image, denn er wurde von den Indern auch als Zeichen der Armut gesehen. Deshalb entschieden sich viele für den etwas teureren Maruti Suzuki 800, hierzulande als Suzuki Alto bekannt. Marktbeobachter schätzen die indischen Kunden als Wert-bewusst ein. Ihr Ziel sei es, möglichst viel Ausstattung für ihr Geld zu bekommen. Und mit Ausstattung kann der Tata Nano nur wirklich nicht glänzen, Komfort-Extras wie Funkfernbedienung, Klimaanlage und Servolenkung kamen erst spät. Zu spät offenbar. Fortan darf sich jedenfalls der chinesische Kleinwagen Alto Zotye für umgerechnet rund 2.200 Euro als das billigste Auto der Welt bezeichnen.

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