auto motor und sport Logo
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Tesla-Produktion in Europa

Musk will Giga-Factory in Deutschland

Tesla Gigafactory Foto: Tesla 78 Bilder
Update

Deutschland könnte etwas abbekommen vom Zukunfts-Hype um Tesla: Elon Musk, Boss des amerikanischen Elektroauto-Bauers, möchte hierzulande eine große Batteriefabrik im Stile der Giga-Factory in Nevada bauen – vielleicht.

21.06.2018 Holger Wittich, Gregor Hebermehl

Wie so oft kam die überraschende Nachricht direkt von Teslas Chef Elon Musk per Twitter: Deutschland sei sein bevorzugter Standort für eine Batteriefabrik in Europa. Auf Nachfrage eines Fans konkretisierte er, dass die Fabrik vielleicht an der Grenze zu Frankreich und in der Nähe der Benelux-Länder (Belgien, Niederlande, Luxemburg) angesiedelt sein könnte. Anfang Juni hatte Musk auf einer Tesla-Hauptversammlung erklärt, er werde bis Ende 2018 entscheiden, wo eine europäische Batteriefabrik gebaut wird – allerdings sollte so eine Entscheidung auch schon mal 2017 fallen, was aber ausblieb. In Sachen chinesischer Produktionsstandort hat sich Tesla dafür bereits auf Shanghai festgelegt.

Weltweit möchte Musk zehn bis zwölf Fabriken nach dem Vorbild der Tesla Gigafactory 1 im US-Bundesstaat Nevada bauen. Die Gigafactory 1 ließ Elon Musk in Kooperation mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic seit 2014 errichten, 2020 soll der Bau abgeschlossen sein. Die Fabrik produziert bereits während ihrer Bauzeit Batterien. Bei höchster Auslastung soll die Produktionsstätte Akkus mit einer Gesamtspeicherkapazität von 35 Gigawattstunden ausstoßen – dies wäre mehr als eine Verdopplung der aktuell weltweiten Batterieproduktion. Die Herstellung von Batterien gilt momentan als Flaschenhals bei der Serienproduktion von Tesla-Elektroautos.

Deutschland als gefragter Standort

Tesla ist in Deutschland bereits mit einem kleineren Produktionsstandort vertreten: Am 3. Januar 2017 übernahmen die Amerikaner den in Prüm (Rheinland-Pfalz) ansässigen Zulieferer Grohmann Engineering. Der in „Tesla Grohmann Automation“ umbenannte Maschinenbauer betreibt wiederum weitere Standorte im bayerischen Neutraubling, in Chandler im US-Bundesstaat Arizona und in Shanghai. Das Unternehmen hat das Produktionssystem für den Tesla Model 3 erstellt und baut Montagemaschinen zur Fertigung von Batteriezellen und Batteriemodulen. Mit der Übernahme durch Tesla war der Hersteller gezwungen, seine sämtlichen bestehenden Geschäftsbeziehungen zu mit Tesla konkurrierenden Herstellern wie BMW und Daimler abzubrechen.

In Sachen Zulieferer arbeitet Tesla ohnehin schon lange eng mit deutschen Unternehmen zusammen. So kommen wichtige Bauteile von Bosch (Stuttgart), Brose (Coburg), ZF (Friedrichshafen), Continental (Hannover), Elektrobit (Erlangen) und selbst Autobauer Daimler liefert Komponenten an seinen Konkurrenten.

Auch China will in Deutschland Akkus bauen

Laut der Nachrichtenagentur Reuters denkt auch der chinesische Batteriehersteller CATL (Contemporary Amperex Technology/Ningde) über eine Produktion in Deutschland nach. Der als Batteriezellen-Senkrechtstarter gehandelte Hersteller gilt aktuell als extrem finanzstark und machte jüngst Schlagzeilen, indem er sich mit einem Investment in unbekannter Höhe an der neuen Elektroauto-Tochter Byton der chinesischen Future Mobility Corporation (FMC) beteiligte. Das chinesische Unternehmen wurde zwar erst im Dezember 2011 gegründet, hat aber bereits Panasonic als größten Hersteller von Autobatterien verdrängt. Thüringens Landesregierung kämpft darum, CATL in die Landeshauptstadt Erfurt zu locken. Eine Entscheidung der Chinesen dazu wird laut Reuters für Ende Juli erwartet. Mit steigenden Elektroautozahlen steigt auch der Bedarf an Batterien rasant – deutsche Hersteller bauen zwar Batterien aus Modulen zusammen, sträuben sich bisher aber, in die Zellenproduktion einzusteigen. Auch der aktuell weltweit größte Automobilzulieferer Bosch entschied sich jüngst gegen eine eigene Zellenproduktion. Dafür kommt Kritik von der Bundesregierung und von Deutschlands größter Einzelgewerkschaft IG Metall – beide warnen davor, sich bei einer Schlüsseltechnologie von ausländischen Herstellern abhängig zu machen.

Gigafactory 1 soll auch Motoren bauen

Aktuell fertigt Tesla in Zusammenarbeit mit Panasonic die „2170“-Batteriezelle für Elektrofahrzeuge und weitere Energie-Produkte, wie den Heimspeicher „Powerwall 2“ oder das Batteriepaket „Powerpack 2“. Im 2. Quartal 2017 wird Tesla dann mit der Batterieproduktion für das Tesla Model 3 beginnen, in der zweiten Jahreshälfte startet die Produktion des Model 3.

Der Gouverneur des Bundesstaates Nevada hat Anfang Januar 2017 angekündigt, dass in der „Gigafactory 1“ künftig auch Elektromotoren und Getrieebkomponenten gefertigt werden. Letzteres ist ungewöhnlich, da E-Autos auch ohne Getriebe auskommen, die Effizienz von Elektrofahrzeugen jedoch mit einer Übersetzung durchaus gesteigert werden kann. Für diese neu angekündigte Produktion investiert Tesla nochmals 350 Millionen US-Dollar und schafft 550 zusätzliche Jobs.

Tesla Gigafactory
So schreitet der Bau voran 19 Sek.

Aktuell ist die Gigafactory noch eine große Baustelle. Erst 30 Prozent des Fabrikgebäudes sind fertiggestellt, das entspricht 175.000 Quadratmeter und 455.000 Quadratmeter auf mehreren Ebenen, darunter ist auch eine Recycling-Fabrik für alte Batterien, deren Ersatzteil in neuen Akkus verwendet werden. Insgesamt wird die Gigafactory mit knapp 530.000 Quadratmetern Fläche das größte Produktions-Gebäude der Welt sein. Die auf dem Dach der Gigafactory installierte 70-Megawatt-Solaranlage soll dafür sorgen, dass die Energiebilanz der Fabrik auf Null sinkt. Auch diese Anlage zählt nach seiner Fertigstellung zur größten Dachsolar-Anlage der Welt. Zudem werden auf den Freiflächen des Geländes weitere Solarpanele aufgestellt. Wenn 2018 die volle Produktion läuft, so spuckt Tesla jährlich Lithium-Ionen-Batterien mit einer Kapazität von 35 Gigawattstunden (GWh) aus. Das entspricht der weltweiten Batterieproduktion des Jahres 2013. Insgesamt 6.500 Mitarbeiter werden in der Fabrik arbeiten, 20.000 bis 30.000 neue Jobs entstehen im Umfeld bei Zulieferen und weiteren Dienstleistern.

Partner bei der Batteriefertigung in der Gigafactory ist Panasonic. Die Japaner haben zunächst 219 Millionen US-Dollar für die Maschinen-Ausstattung der Fabrik zur Herstellung von Batterien investiert.

Panasonic investiert 1,6 Mrd. US-Dollar in Teslas Gigafactory

In einem weiteren Investment sollen zusätzlich 700 Millionen Dollar in das Projekt fließen. Dadurch übernimmt Panasonic rund 20 Prozent des 5 Milliarden teuren Tesla-Projekts. Bisher hatte Panasonic insgesamt 1,6 Mrd für die Batteriefabrik in Nevada zugesagt, aber bereits angekündigt, bei Bedarf Geld nachzuschießen.

Seit Jahren schon ist Panasonic an Tesla beteiligt und fertigt die Batterien für die Tesla-Modelle. In einem Vertrag von 2013 haben die beiden Partner ihre 2011 beschlossene Zusammenarbeit erneut festgeschrieben. Bis 2017 wird Panasonic an Tesla alleine 2 Milliarden Batteriezellen liefern. Die Gigafactory soll bis 2020 jährlich 500.000 Akkus für Elektrofahrzeuge produzieren.

Neues Heft
Gebrauchtwagen Angebote
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden