Deutsche Gigafactory

Tesla will vielleicht nach Deutschland

Tesla Gigafactory Foto: Tesla

Deutschland könnte etwas abbekommen vom Zukunfts-Hype um Tesla: Elon Musk, Boss des amerikanischen Elektroauto-Bauers, möchte hierzulande eine große Batteriefabrik im Stile der Giga-Factory in Nevada bauen – vielleicht.

Wie so oft kam die überraschende Nachricht direkt von Teslas Chef Elon Musk per Twitter: Deutschland sei sein bevorzugter Standort für eine Batteriefabrik in Europa. Auf Nachfrage eines Fans konkretisierte er, dass die Fabrik vielleicht an der Grenze zu Frankreich und in der Nähe der Benelux-Länder (Belgien, Niederlande, Luxemburg) angesiedelt sein könnte. Anfang Juni hatte Musk auf einer Tesla-Hauptversammlung erklärt, er werde bis Ende 2018 entscheiden, wo eine europäische Batteriefabrik gebaut wird – allerdings sollte so eine Entscheidung auch schon mal 2017 fallen, was aber ausblieb. In Sachen chinesischer Produktionsstandort hat sich Tesla dafür bereits auf Shanghai festgelegt.

Weltweit möchte Musk zehn bis zwölf Fabriken nach dem Vorbild der Tesla Gigafactory 1 im US-Bundesstaat Nevada bauen. Die Gigafactory 1 ließ Elon Musk in Kooperation mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic seit 2014 errichten, 2020 soll der Bau abgeschlossen sein. Die Fabrik produziert bereits während ihrer Bauzeit Batterien. Bei höchster Auslastung soll die Produktionsstätte Akkus mit einer Gesamtspeicherkapazität von 35 Gigawattstunden ausstoßen – dies wäre mehr als eine Verdopplung der aktuell weltweiten Batterieproduktion. Die Herstellung von Batterien gilt momentan als Flaschenhals bei der Serienproduktion von Tesla-Elektroautos.

Deutschland als gefragter Standort

Tesla ist in Deutschland bereits mit einem kleineren Produktionsstandort vertreten: Am 3. Januar 2017 übernahmen die Amerikaner den in Prüm (Rheinland-Pfalz) ansässigen Zulieferer Grohmann Engineering. Der in „Tesla Grohmann Automation“ umbenannte Maschinenbauer betreibt wiederum weitere Standorte im bayerischen Neutraubling, in Chandler im US-Bundesstaat Arizona und in Shanghai. Das Unternehmen hat das Produktionssystem für den Tesla Model 3 erstellt und baut Montagemaschinen zur Fertigung von Batteriezellen und Batteriemodulen. Mit der Übernahme durch Tesla war der Hersteller gezwungen, seine sämtlichen bestehenden Geschäftsbeziehungen zu mit Tesla konkurrierenden Herstellern wie BMW und Daimler abzubrechen.

In Sachen Zulieferer arbeitet Tesla ohnehin schon lange eng mit deutschen Unternehmen zusammen. So kommen wichtige Bauteile von Bosch (Stuttgart), Brose (Coburg), ZF (Friedrichshafen), Continental (Hannover), Elektrobit (Erlangen) und selbst Autobauer Daimler liefert Komponenten an seinen Konkurrenten.

Auch China will in Deutschland Akkus bauen

Laut der Nachrichtenagentur Reuters denkt auch der chinesische Batteriehersteller CATL (Contemporary Amperex Technology/Ningde) über eine Produktion in Deutschland nach. Der als Batteriezellen-Senkrechtstarter gehandelte Hersteller gilt aktuell als extrem finanzstark und machte jüngst Schlagzeilen, indem er sich mit einem Investment in unbekannter Höhe an der neuen Elektroauto-Tochter Byton der chinesischen Future Mobility Corporation (FMC) beteiligte. Das chinesische Unternehmen wurde zwar erst im Dezember 2011 gegründet, hat aber bereits Panasonic als größten Hersteller von Autobatterien verdrängt. Thüringens Landesregierung kämpft darum, CATL in die Landeshauptstadt Erfurt zu locken. Eine Entscheidung der Chinesen dazu wird laut Reuters für Ende Juli erwartet. Mit steigenden Elektroautozahlen steigt auch der Bedarf an Batterien rasant – deutsche Hersteller bauen zwar Batterien aus Modulen zusammen, sträuben sich bisher aber, in die Zellenproduktion einzusteigen. Auch der aktuell weltweit größte Automobilzulieferer Bosch entschied sich jüngst gegen eine eigene Zellenproduktion. Dafür kommt Kritik von der Bundesregierung und von Deutschlands größter Einzelgewerkschaft IG Metall – beide warnen davor, sich bei einer Schlüsseltechnologie von ausländischen Herstellern abhängig zu machen.

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