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Tesla Model 3 im Fahrbericht

Das kann der angesagte Elektro-Ami

Tesla Model 3 Foto: Dani Heyne 56 Bilder

Noch läuft die Produktion so schleppend, dass Tesla es nicht geschafft hat, das Model 3 in Deutschland anzubieten. Deshalb sind wir nach Amerika geflogen und haben uns von einem Tesla-Fan ein Model 3 geborgt. Was der Wagen kann und was nicht, steht hier im Fahrbericht.

07.05.2018 Holger Wittich, Andreas Of, Gregor Hebermehl, Dani Heyne

Tesla hat laut Medienberichten die Produktion seines Model 3 im Werk Freemont für einige Tage unterbrochen. Für vier bis fünf Tage solle die Produktion gestoppt werden, um Probleme zu lösen. Laut Handelsblatt habe ein Tesla-Sprecher am Montag, 16. April, gesagt, dass die Pause genutzt werde, um „die Automation zu verbessern und Flaschenhälse systematisch anzugehen“. Buzzfeed berichtet, dass die Arbeiter im Werk ohne Vorwarnung nach Hause geschickt worden seien und während der Unterbrechung nicht bezahlt würden oder Urlaub nehmen müssten.

Offizieller Liefertermin: Anfang 2019

Wochenlangen Spekulationen um Lieferzeiten für das Model 3 folgt nun das offizielle Statement von Tesla: Anfang 2019 kämen die ersten Model 3 nach Europa und Deutschland. Das erklärte der Elektroauto-Hersteller auf Nachfrage. Einige Kunden hatten im Februar einen Brief bekommen, der auf eine erneute Lieferverzögerung hinwies.

Aktuell liegen vom Tesla Model 3 rund 400.000 Vorbestellungen vor. Wer als einer der ersten Kunden im April 2016 ein Model 3 reserviert hat, wartet inzwischen fast zwei Jahre auf sein Auto. Kunden bekommen auf der Firmenwebsite lediglich einen ungefähren Zeitraum genannt, wann sie ihr Model 3 bekommen. Bis Anfang Februar war dort noch „Ende 2018“ als Lieferzeitraum genannt. Wer Mitte Februar nachsah, stellte fest, dass sich die Auslieferung weiter verzögert. Der Konfigurator funktioniert zur Zeit nicht. Nach und nach sollen Kunden eine Einladung zum Konfigurieren bekommen, erklärte Tesla und könnten dann mit ihren Zugangsdaten ihr Model 3 zusammenstellen.

Drei Jahre Lieferzeit

Früh-Reservierer müssen mit drei Jahren Lieferzeit rechnen. Wie viele Kunden in Deutschland oder Europa das Model 3 reserviert haben, sagt Tesla nicht. In den USA sollen bis August 2017 etwa 63.000 Kunden ihre Bestellung storniert haben, berichtet das Magazin Fortune. Wer stornieren möchte, könne dies über seinen „My Tesla“-Account tun, informiert Tesla.

Sitzprobe Tesla Model 3

Aus ein paar Metern Entfernung sieht der Tesla Model 3 aus wie aus einem Guss. Steht man direkt davor, fallen die großen und durchaus unterschiedlichen Spaltmaße auf. Die Türdichtgummis machen keinen guten Einduck, wirken teilweise wie per Hand zurechtgeschnitten und später nachgeklebt.

Das Öffnen der Tür mit dem Griff zum Ausklappen und das Einsteigen funktionieren wunderbar. Der Leder-Fahrersitz ist bequem und bietet ordentlichen Seitenhalt. Die Oberschenkel-Auflagefläche reicht auch für groß gewachsene Fahrer. Vorne sind die Platzverhältnisse prima: Schulter-, Bein- und Kopffreiheit sind für große Insassen ausgelegt.

Tesla Model 3 Sitzprobe 2018 Foto: Guido ten Brink
"Bequeme Sitze und viel Platz im Tesla Model 3.", so Redakteur Gregor Hebermehl.

Das Lenkrad des Model 3 ist klein, fühlt sich angenehm an und sieht aus zwei Gründen recht ungewöhnlich aus: Zum einen wirkt sein Material arg billig, zum anderen trägt es als Multifunktions-Elemente nur zwei Dreh-Kippsteller, die auf dem Steuerrad verloren wirken. Die Funktion dieser Stellräder hängt von der jeweils im zentralen Infotainment-Bildschirm gewählten Einstellung ab. Ist das Radio aufgerufen, sind die Knöpfe zum Einstellen der Sender und der Lautstärke da, ruft man das Lenkrad-Menü auf, lässt sich mit dem linken Knopf die Lenkradhöhe und mit dem rechten Knopf die Tiefe verstellen. Dies könnte selbst während der Fahrt klappen, ohne die Sicherheit einzuschränken.

Tesla Model 3 Sitzprobe 2018
So sieht er aus, so geht die Lenkradverstellung 54 Sek.

Ungewöhnlich für den Fahrer: Über Fahrdaten informiert im Model 3 ausschließlich der in der Mittelkonsole verbaute Bildschirm – einen eigenen Instrumentenbereich direkt vor dem Fahrer gibt es nicht. Tesla ist nicht der erste Hersteller, der solch ein Cockpit baut, aber es bleibt gewöhnungsbedürftig. Ein Head-up Display hat Tesla-Chef Elon Musik für das Model 3 bisher nicht angekündigt.

Einen Gag haben sich die Innenraumeinrichter bei den in den Sonnenblenden sitzenden Schminkspiegeln erlaubt: Diese sind von einer sehr dünnen zweiteiligen Magnetklappe verdeckt. Klappt man sie nach unten, erleuchten helle Leuchtstreifen rechts und links den Spiegel.

Geht die Tür auch ohne Strom auf?

Der gesamte Innenraum des Model 3 ist hell und auch nach hinten übersichtlich. Wiederum ungewöhnlich ist der fließende Übergang von der Heckscheibe in den ebenfalls aus transparentem Material bestehenden verdunkelten Dachbereich. Zum Verlassen des Wagens muss man einen kleinen Knopf im Türgriff drücken – dies funktioniert tadellos – hoffentlich auch bei einem Stromausfall.

Im Fond geht es enger zu, besonders, wenn sich der Vordermann reichlich Platz genehmigt. Ansonsten sitzen die Passagiere hier ebenso bequem wie vorne – der Model 3 könnte vom Sitzkomfort her auf der langen Reise Spaß machen, sofern der Batteriefüllstand eben diese lange Reise zulässt. Allerdings fällt gerade den im Fond Sitzenden auf, welch günstige Materialien Tesla teilweise beim Model 3 einsetzt: Die Vordersitzlehnen sind hinten mit billigstem Plastik verkleidet und erinnern an das Lenkrad. Das Türöffnen von innen erfolgt hinten wie vorne per Knopfdruck. Werfen wir noch einen Blick in die Kofferräume an Front und Heck.

Das Gepäckabteil vor dem Fahrer lässt sich etwas umständlich über den zentralen Infotainment-Bildschirm öffnen – dort kann man von oben auch größere Koffer hineinheben. Der Kofferraum hinten öffnet sich per Knopfdruck von außen – aber der Laderaum-Ausschnitt fällt schmal aus. Hier hätte eine an der hinteren Dachkante angeschlagene Heckklappe im Stile von Fließheck-Limousinen geholfen.

Tesla Model 3 Sitzprobe 2018 Foto: Guido ten Brink
Der Kofferraumausschnitt am Heck ist recht schmal bemessen.

Zusammenfassung nach der Sitzprobe

Komfortable Sitze, ausreichend Platz auch für große Passagiere und ein schnörkelloses Armaturenbrett kombiniert Tesla beim Model 3 mit einer teilweise noch windigen Verarbeitung und ebenso teilweise sehr günstig wirkenden Materialien. Die Verarbeitungsqualität dürfte Elon Musk in den Griff bekommen – das größere Model S lief über die Jahre auch immer besser vom Band. Die billigen Plastik-Materialien haben gerade amerikanische Kunden bisher selten abgeschreckt – und für den europäischen Markt könnte Tesla in dieser Hinsicht sicher nachlegen.

Fahrbericht Tesla Model 3

Schneeweiß steht die 4,70 Meter lange Limousine in der Sonne, duckt sich flach und sportlich über den Asphalt. Steht gut da, der Wagen. Vorn und hinten gibt es keine pummeligen Überhänge, dazwischen keine verspielten Sicken und Kanten. Alles ziemlich clean, ein Blechkleid wie aus einem Guss. Die Spaltmaße? Von vorzüglich bis unverschämt, fast fingerbreit.

Das Raumgefühl in der ersten Reihe ist wunderbar luftig. Was auch an der Knopflosigkeit des Armaturenbretts liegt. Kein Schalter, kein Knöpfchen, selbst die typischen Lüftungslamellen hat sich Tesla verkniffen. So schaut man auf ein (griffiges) Lenkrad, das nur zwei kleine Drehregler trägt – und den 15-Zoll-Farbbildschirm, der am äußeren Ende der durchgezogenen Mittelkonsole thront. Über dieses große Touchdisplay lassen sich nahezu alle Funktionen des Model 3 steuern. Vom Licht (es gibt eine Automatik) über die Scheibenwischer (ebenfalls automatisch), die Spiegel- und Lenkradverstellung, Klima, Navi, Lenkung (drei Modi), Soundanlage bis hin zur Verstellbarkeit der Strömungsrichtung des Gebläses für Fahrer und Beifahrer.

Klingt nach viel? Ist es auch. Anfangs sucht, drückt und staunt man erst mal eine ganze Weile – um sich dann problemlos zurechtzufinden. Der einzige Nachteil: Die Augen tasten viel zu oft über den großen Bildschirm, dadurch ist die Ablenkung während der Fahrt ziemlich groß. Geht auch gar nicht anders, da ja selbst das Tempo nur dort angezeigt wird. Klug wäre daher ein Head-up-Display – das es bislang nicht gibt.

Tesla Model 3 Foto: Dani Heyne
Der zentrale Bildschirm dominiert das Cockpit.

In diversen Foren monieren Model-3-Besitzer Ausfälle des großen Bildschirms, andere wünschen sich eine smartere Positionierung der unterschiedlichen Menüs. Viel Lob erntet hingegen der schlüssellose Zugang. Für den genügt es, die serienmäßige Besitzerkarte eingesteckt zu haben oder das eigene Telefon mit dem Tesla zu koppeln. Und wo bitte ist eigentlich der Startknopf des Model 3 zu finden? Fangfrage! Der 192 Kilowatt starke E-Motor startet nämlich ohne ein solches Knöpfchen – einfach den Hebel rechts hinter dem Lenkrad nach unten drücken, und das E-Herz ist aktiviert. Dort wird auch der Vorwärts- und Rückwärtsgang eingelegt sowie der autonome Fahrmodus aktiviert.

Feinfühliger Gasfuß ist gefragt

Noch beim Ausparken lehrt uns der kleine Tesla: Feingefühl im Gasfuß mag er besonders, da 525 Newtonmeter an Bord sind, die jederzeit ohne Gedenkpäuschen zupacken. Lautlos und geschmeidig rollt der Viertürer anschließend über den großen Parkplatz, um vergleichsweise holprig und ungeschickt über zwei Bremshügel zu stolpern. Das können andere in dieser Klasse besser.

An der ersten Ampel vergessen wir kurz den feinfühligen rechten Fuß und erleben, wie sich der weiße Tesla in einen Sportler verwandelt. Für den Sprint null auf hundert soll die Limousine keine sechs Sekunden verschwenden – glauben wir sofort. E-typisch macht das Model 3 daraus keine laute Show.

Tesla Model 3 Foto: Dani Heyne
Hat aktuell kaum Konkurrenz: Das Tesla Model 3 ist eines der ersten kompakten Elektroautos mit akzeptabler Reichweite.

Das Handling? Wunderbar! Da alle Zellen der Akkus unterm Fußraum wohnen, liegt der Schwerpunkt des rund 1,7-Tonnen Model 3 schön tief; daher auch das sportliche Benehmen. Passend dazu setzt die Lenkung alle Befehle schnell und verzögerungsfrei um. Wer sich hier eine andere Sensibilität wünscht, kann diese am großen Display einstellen. Neben „Normal“ stehen „Komfort“ und „Sport“ zur Wahl. Ebenfalls wählbar: die Rekuperation des E-Motors, der in Rollphasen entweder ein mäßiges oder starkes Bremsmoment erzeugt und so die Akkus speist.

Die Reichweite?

Mit dem großen Akku-Pack gibt Tesla rund 500 Kilometer an – die bei milden Temperaturen wohl auch realistisch einzuschätzen sind. Das zumindest bestätigt uns Tony Siress, Model-3-Fahrer der ersten Stunde. Sind die Akkus leer, braucht es rund 40 Minuten an einem Supercharger, bis die volle Reichweite wieder angezeigt wird. Das Aufladen an Tesla-Säulen ist beim Model 3 nicht kostenlos. Was uns sonst noch überrascht? Wie gut sich die kompakte Limousine anfühlt. Kraft im Überfluss, viel Ruhe und Reichweite, ausreichend Platz (425 Liter Kofferraum). Der Federungskomfort enttäuscht allerdings. Wer sich auf das Bedienkonzept einlässt, wird sich daran erfreuen. Die teils nachlässige Verarbeitung sind wir von Tesla gewohnt – die Kunden scheint es nicht zu stören. Für sie ist es wichtiger, dass die Autos der Marke nach Zukunft schmecken.

Denn: Während andere noch reden, hat Tesla nach dem inzwischen eingestellten Roadster, dem Model S und dem Model X schon das vierte E-Auto auf den Markt gebracht. Wir sind allerdings gespannt, wann es wirklich zu uns kommt.

Kritisches Video zum Tesla Model 3

Tests mit dem Model 3 sind noch rar, in Europa hat noch kein Journalist das Auto gefahren. Gleichzeitig gibt es immer wieder schlechte Nachrichten aus der „Produktionshölle“, wie Elon Musk den Anlauf eines neuen Modells nennt. Entsprechend sorgt jeder Bericht über das Model 3 für Aufsehen. Jüngst bekam ein Video große Aufmerksamkeit, in dem ein Model 3 nicht gut wegkommt.

„Wie bei einem Kia der 90er“

Sandy Munroe von einer Firma, die Autos für Benchmark-Studien zur Konkurrenzbeobachtung zerlegt, vernichtet in einem Video von Autoline das Tesla Model 3 verbal. Er beginnt vorn an der Not-Haubenöffnung, die im vorderen Stoßfänger hinter einer Klappe versteckt ist. Nach einem Unfall müssen Rettungskräfte die Haube öffnen und unter einer Abdeckung die Stromversorgung unterbrechen. Das findet Munroe ebenso gefährlich wie die fehlenden mechanischen Türöffner: Wenn nach einem Unfall die Stromversorgung unterbrochen ist und die hinteren Türen geschlossen sind, müssten die Fondpassagiere das Auto durch die Vordertüren oder die Heckklappe verlassen.

Munroe stört sich auch an einer nachträglich angeklebt wirkenden Gummidichtung am rahmenlosen Fenster der Fahrertür und generell an den Spaltmaßen. Sein Fazit: „Das sind Fehler, die wir in den 90er-Jahren an Kias gesehen haben.“

Video: Mängel am Tesla Model 3


Tesla hat am 7. Juli 2017 die Serienproduktion des kompakten Elektroautos aufgenommen. Das „SN1“ genannte Modell, also das erste Serienfahrzeug sollte direkt vom Band an Elon Musk gehen – gut zwei Wochen vor dem eigentlichen Roll-out. Die ersten 30 Tesla Model 3 gingen dann an Tesla-Mitarbeiter. Sie sollen Kinderkrankheiten melden. Bis Ende 2017 sollte die Produktion auf 5.000 Autos im Monat hochgefahren werden, dann auf eine halbe Million pro Jahr.

Musk überwacht Model-3-Produktion persönlich

Tesla Model 3 Foto: Tesla
Das erste Tesla Model 3 ist am 7.7.2017 produziert worden.

Im Juli 2017 wurden 30 Fahrzeuge gebaut, dann steigerte Tesla langsam die Taktzahl. Im August hätten 100 Model 3 vom Band rollen sollen, im September wollte Tesla 1.500 Modelle produzieren und im Dezember 2017 dann 20.000 Fahrzeuge monatlich bauen. Erreicht hat Tesla dieses selbstgesteckte Ziel nach wie nicht: Im vierten Quartal 2017 baute das Unternehmen 2.425 Model 3 – das sind zehn Prozent der Gesamtproduktion (24.565 Model S, X und 3). Um die Probleme beim Hochlaufen der Produktion des Model 3 in den Griff zu bekommen, wurden Mitarbeiter von der Produktion der Modelle S und X abgezogen, erklärte das Unternehmen in seinem Quartalsbericht. Insgesamt hat Tesla im vierten Quartal 2017 29.870 Autos ausgeliefert. Darunter sind 15.200 Model S und 13.120 Model X. Gegenüber dem dritten Quartal 2017 sind das 9% mehr Auslieferungen. Im Vergleich zum vierten Quartal 2016 steigerten sich die Auslieferung um 27%, Tesla spricht vom besten Quartal der Unternehmensgeschichte.

Die Zahl der produzierten Model 3 steige stark an: Ende Dezember sei eine Kapazität von 1.000 Autos erreicht worden. Am Ende des ersten Quartals 2018 sollte die Wochenproduktion auf 2.500 steigen und Ende des zweiten Quartals jede Woche 5.000 Model 3 gebaut werden, kündigte Tesla an. Bei der Ankündigung ist es allerdings bislang geblieben. Laut einer internen Mail, die dem auf Elektromobilität spezialisierten Nachrichtenangebot Electrek vorliegt, verließen Ende März lediglich 2000 Fahrzeuge pro Woche das Werk. Grund genug für Tesla-Chef Elon Musk zu handeln.

Laut dem US-Onlinemagazin The Information hat Musk selbst die Leitung der Model-3-Produktion übernommen und damit Doug Field ersetzt, den Bereich Engineering bislang leitete. Von einer Ablösung Fields will Musk aber nichts wissen. Als Chef sei es seine Aufgabe, dort einzugreifen, wo es am nötigsten sei, twitterte er. Und das ist ganz offensichtlich die Produktion des Model 3. Aktuell sei es besser, die Zuständigkeiten aufzuteilen. „Also schlafe ich wieder in der Fabrik. Das Autogeschäft ist die Hölle...“ .

Rückblick zum März 2016
Erstmals campierten weltweit Menschen vor einem Autohaus, um bei der Anzahlung für ein Auto die Nase vorne zu haben. Einem Auto, das bis dato noch niemand gesehen hatte. Den arrivierten Autobauern dürften diese Szene die Tränen in die Augen treiben.

Elon Musk eher nicht. Der charismatische Tesla-Boss spielte mit der Begeisterung der Tesla-Fans, als seien diese ein Musikinstrument. Die Jünger des ersten iPhones kennen das noch vom legendären Steve Jobs. Und so wundert es eben nicht, dass sich pünktlich zu Öffnung der Orderbücher am 31.3.2016 für das neue Tesla Model 3 eben weltweit Schlangen vor den Tesla-Niederlassungen bildeten. First come, first serve.

35.000 US-Dollar Startpreis

Tesla Model 3
Das Elektroauto für die Masse 45 Sek.

Immerhin haben die Leute nach der Weltpremiere am 31.3.2016 mal eine Idee davon, wofür sie denn da gerade 1.000 Dollar angezahlt haben. Ein gefällig gezeichnetes Mittelklasse-Auto, das sich optisch brav zwischen Model X und Model S einsortiert. Das Model 3 ist 4,70 Meter lang, 1,85 Meter breit und 1,44 Meter hoch. Der Radstand wird mit 2,87 Meter angegeben. Das Kofferraumvolumen soll nach US-Norm bei 425 Liter liegen, das Gewicht beträgt in der Basisversion 1,6 Tonnen.

Ganz ehrlich: An die neue Nase müssen wir uns gewöhnen. Der Rest war abzusehen. Experimente sind nichts für Leute, die viele Autos verkaufen müssen. Die Preise beginnen bei 35.000 Dollar. Damit liegt das Tesla Model 3 zwar deutlich über dem durchschnittlichen US-Neuwagenpreis von 31.000 US-Dollar, allerdings reduziert sich der Kaufpreis – zumindest in den USA – durch eine Steuergutschrift in Höhe von 7.500 Dollar sowie durch weitere Kaufprämien – zwischen 2.000 und 6.000 Dollar, je nach US-Bundesstaat. Natürlich soll das Model 3 eine Fünf-Sterne-Wertung in allen Sicherheitsbereichen einfahren.

Maximal sollte es einen Akku mit 75 kWh im Model 3 geben, die Standardversion rollt mit 50 Kilowattstunden an den Start. Und: Alle Model 3 kommen auch mit dem Autopilot-Modus, der die Teslas halbautonom fahren lässt. Alle Fahrzeuge tragen ab Werk dafür standardmäßig acht Kameras und zahlreiche Sensoren. Zunächst werden aber nur die Fahrassistenz-Funktionen aktiviert, die Software zum autonomen Fahren soll es später als Update geben. Die Assistenzfunktionen sollen 5.000 Dollar kosten, der Autopilot weitere 3.000 Dollar. Jede Farbe außer schwarz kostet 2.930 Dollar beziehungsweise 3.861 Dollar Aufpreis. Ein Premium-Ausstattungspaket kostet über 6.000 Dollar. Mit allen Optionen kommt das Model 3 so auf fast 55.000 Dollar. Auf das Fahrzeug gibt Tesla 4 Jahre/50.000 Meilen Garantie, auf die Batterie sogar 8 Jahre und bis zu 120.000 Meilen.

Tesla Model 3 Foto: Tesla
Es bleibt bei dem großen Bildschirm (15 Zoll) in der Mittelkonsole.

Besonderen Wert legte Musk bei der Präsentation auf das riesige Glasdach, dem angeblich größten in der Klasse, und die Tatsache, dass „im Model 3 fünf Erwachsene komfortabel sitzen können! Wir wollen, dass sich die Leute in ihr Auto verlieben und sich darauf freuen es zu fahren“, so Musk.

Serienmäßig rollt das Model 3 auf 18-Zoll-Felgen, optional sind 19 Zöller zu haben. Am Tesla-Supercharger soll die kleine Batterie in 30 Minuten Strom für 210 km saugen können, die große Batterie bunkert in einer halben Stunde Energie für 275 km.

Hier die wichtigsten Infos und Daten zum Tesla Model 3:

  • Die Spurtzeit auf 100 km/h liegt bei 5,6 beziehungsweise 5,1 Sekunden
  • Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 209 km/h liegen (stärkere Batterie: 225 km/h)
  • Das Model 3 kommt als Fünfsitzer
  • Beim Crashtest soll eine 5-Sterne-Wertung erreicht werden
  • Die EPA-Reichweite soll zwischen 350 Kilometer (verm. 50 kWh) und 500 Kilometer (verm. 75 kWh) betragen
  • Die Aufladung an den Supercharger-Säulen wird Gebühren kosten
  • Das Model 3 kommt mit Autopilot-Hardware (8 Kameras, viele Sensoren)
  • Der cW-Wert soll bei 0,23 liegen
  • Die Heckklappenöffnung wird in der Serie größer ausfallen
  • Das Kofferraumvolumen wird 397 Liter betragen (US-Angabe)
  • Kein Head-up-Display, es gibt nur den 15 Zoll großen horizontalen Bildschirm in der Mitte
  • Auf der Rückbank haben 2 bzw. 3 schmale Kindersitze Platz
  • Die Sitze sind voll umklappbar
  • Weniger als 100 Konfigurationen sollen möglich sein

Tesla Model 3 kommt auf über 300 Kilometer Reichweite

Angaben von Tesla zu Reichweite und Verbrauch gibt es bisher nicht, auch bei den beiden Batterievarianten gibt noch keine offizielle Werte. Die Spezialisten von Emissions Analytics, mit denen auto motor und sport bei Testreihen kooperiert, fuhren das neue Elektroauto in den USA auf 161 Kilometern im Stadtverkehr und auf der Autobahn. Das Ergebnis: Das Auto fährt mit 1 kWh Strom 3,1 Meilen, was 20 kWh/100 km bedeutet. Damit ist das kleine Model 3 sparsamer als der deutlich größere und schwere SUV Model X, den auto motor und sport 2016 testete. Das Model X kam damals auch wegen der viel größeren Stirnfläche auf einen Verbrauch von 26,9 kWh auf 100 Kilometern.

Die Verbrauchswerte lassen Rückschlüsse auf die Reichweite des neuen Hoffnungsträgers von Tesla zu. Da der Akku nach den 161 Kilometern noch zu 50,6 Prozent gefüllt war, entspricht das einer Reichweite bei 326 Kilometern. Beim Test stand ein Model 3 mit der größeren der beiden Akku-Varianten zur Verfügung. Spekuliert wird über zwei Akkugrößen mit 50 und 75 kWh Kapazität. Die Testergebnisse lassen jedoch einen Akku mit 65 kWh vermuten.

Tesla Model YInsider verrät Produktionsstart

Insgesamt soll vom Tesla Model 3 eine sechsstellige Anzahl in den Verkauf gebracht werden. Für 2018 stellt Elon Musk noch eine Performance-Version des Model 3 in Aussicht, ohne allerdings Eckdaten zu nennen. Neben dem Model S und dem SUV Model X plant Tesla übrigens noch ein viertes Modell. In einer Twitternachricht hatte Musk angekündigt, dass es noch ein Model Y geben soll.

Fazit

Das Tesla Model 3 ist nicht perfekt, aber schon jetzt gut genug, um die Fans der Marke weiter zu begeistern. Reichweite und Punch gefallen – hinterm Steuer kommen Zukunftsgefühle auf. Die Produktionsschwierigkeiten mögen unangenehm sein, der Marke schaden. Doch sobald diese behoben sind, wird das Model 3 der Konkurrenz wehtun, die nach wie vor kaum Vergleichbares am Start hat.

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