03/2019, Bloodhound LSR Bloodhound

Topspeed-Rekord im Bloodhound LSR

Zeitplan für das Rekord-Projekt steht

Das Bloodhound-Projekt war bereits insolvent. Doch dank neuer Geldgeber nimmt Ex-Kampfpilot Andy Green die 1.000-mph-Marke nun wieder ins Visier. Zuerst sollen aber die 500-mph-Marke und 2020 der aktuelle Rekord von 763 mph geknackt werden.

An namhaften Sponsoren mangelte es dem in der Nähe von Bristol beheimateten Bloodhound-Team wahrlich nicht: Große Mineralölmarken traten ebenso als Geldgeber auf wie der chinesische Auto-Gigant Geely, die Flugmotoren-Division von Rolls-Royce, der Rüstungskonzern Lockheed Martin, Thyssen Krupp oder die britische Armee. Und doch ging dem Team rund um den ehemaligen Jetpiloten Andy Green irgendwann das Geld aus. Im Oktober 2018 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Der alte Bloodhound fuhr maximal 322 km/h

Das Projekt, einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge aufzustellen und dabei die 1.000-mph-Marke (1.609 km/h) zu knacken, kam einfach zu zögerlich in die Gänge. Das schnellste Tempo, das das Bloodhound Super Sonic Car (SSC) in den zwölf Jahren seiner Geschichte erreicht hat, waren lediglich 200 mph (322 km/h).

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Ex-Kampfpilot Andy Green wird den Bloodhound fahren.

Nun lebt das Projekt weiter. Das wie ein Bleistift gestaltete Auto heißt immer noch Bloodhound, trägt nun aber den Beinamen Land Speed Record (LSR). Auch Andy Green ist weiterhin dabei. Der frühere Pilot der Royal Air Force hält bereits seit vielen Jahren den offiziellen Geschwindigkeits-Rekord an Land: 763 mph (1.228 km/h) fuhr Green im Oktober 1997 mit dem Thrust SSC in der Black Rock Wüste im US-Bundesstaat Nevada.

Flugzeugmotor und Raketenantrieb

Von technischer Seite unterscheiden sich der alte und der neue Bloodhound kaum voneinander. Er wird weiterhin von einem Rolls-Royce EJ200-Flugzeugmotor und einem Raketentriebwerk des norwegischen Rüstungsunternehmens Nammo Raufoss angetrieben. Auch an der Länge (12,80 Meter) und am Gewicht (knapp 6,5 Tonnen) dürfte sich nicht viel geändert haben. Allerdings muss nach mehreren Monaten des Stillstands eine größere Inspektion durchgeführt werden. Dabei werden unter anderem fehlende Verkleidungsteile ersetzt, die Bremsen von Karbon auf Stahl umgerüstet, Bremsfallschirme installiert und die fast 200 Sensoren angeschlossen.

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Der britische Unternehmer Ian Warhurst (rechts) hat das Bloodhound-Projekt mit seinem Geld revitalisiert.

Neu ist dagegen der Finanzier: Der britische Unternehmer Ian Warhurst hat das Projekt mit seinem Geld revitalisiert. Auch die Lackierung hat sich im Zuge des Besitzerwechsels geändert: Statt des auffälligen Blau-Orange trägt der Bloodhound nun ein eher dezentes Weiß-Rot. Zudem gibt es ein anderes Logo, das die Druckwelle symbolisiert, die das Auto bei hohen Geschwindigkeiten erzeugt.

Angriff auf den Rekord in mehreren Schritten

In seiner neuen Heimat auf dem Gelände des SGS Berkeley Green University Technical College (UTC) in der Grafschaft Gloucestershire arbeitet das Team weiter an seinem Vorhaben, den Rekord zu knacken. Im nächsten Schritt soll der Bloodhound im Oktober die 500-mph-Marke (805 km/h) angreifen. Ende 2020 soll dann der bestehende Rekord angegriffen werden. Zuvor muss sich die Mannschaft herantasten und dabei lernen, wie sich der Bloodhound LSR beim Erreichen der Schallmauer verhält, die bei 20 Grad Celsius bei etwa 1.200 km/h übertreten wird. Erst danach soll es Richtung 1.000-mph-Marke gehen.

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Muss diese Jagd nach dem Geschwindigkeitsrekord wirklich sein?
Ja. Für viele Bereiche ist es wichtig, dass physikalische Grenzen ausgereizt werden.
Nein. Für mich ist das Geld- und Ressourcenverbrennung ohne Sinn und Verstand.

Als passenden Ort für die Test- und Rekordfahrten hat das Bloodhound-Team den Hakskeenpan identifiziert, einen Salzsee im südafrikanischen Teil der Kalahari-Wüste. Das bringt logistische Herausforderungen mit sich. Nicht nur, dass die Truppe und das Auto dorthin transportiert werden müssen. Der Bloodhound LSR muss auch vor Ort in seiner Aerodynamik und seinem Fahrwerk angepasst sowie mit einem Fallschirm-Bremssystem ausgerüstet werden. Außerdem erhält er einen höheren Luftdruck, Beladungssensoren und ein Feuerlösch-System.

Weiterhin auf Geldsuche

Damit dem Projekt nicht wieder vorzeitig das Geld ausgeht, hat sich Bloodhound für den LSR etwas Spezielles ausgedacht: Der neue Hauptgeldgeber darf die neue endgültige Lackierung aussuchen. Und weitere Unterstützer des Projekts können sich auf dem Heckleitwerk des Bloodhound verewigen lassen. Sponsorenlogos wird es natürlich auch wieder geben.

Wer möchte, kann zudem aus der Ferne an dem Projekt teilhaben. Bloodhound wird nicht nur die Testfahrten live auf Youtube streamen, sondern auch in Echtzeit alle Daten zur Verfügung stellen. Davon sollen vor allem Nachwuchs-Ingenieure profitieren, indem sie lernen, wie sich ein solches Rekordauto bei hohen Geschwindigkeiten verhält. Aber auch Feedback und Verbesserungsvorschläge sind seitens des Bloodhound-Teams sicher herzlich willkommen.

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Fazit

Andy Green und seine Mitstreiter geben nicht auf: Mit neuen Geldgebern, erstaunlichem Enthsiasmus und weiterhin großen Ambitionen treiben sie ihr Projekt voran, einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge aufzustellen. Ob es diesmal, nach zahlreichen Rückschlägen, gelingen kann, lässt sich frühestens im Oktober einschätzen, wenn der Bloodhound die nächsten Testfahrten absolviert hat.

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