Toyota arbeitet an der Zukunft der Brennstoffzelle

30.000 Wasserstoffautos pro Jahr

Toyota Mirai 2018 Foto: HARALD DAWO 12 Bilder

Toyota arbeitet weiter an der Zukunft der Brennstoffzelle. Man möchte mittelfristig mit deutlich gesunkenen Preisen der Technik zum Durchbruch verhelfen. Auch andere Hersteller planen weiter mit Wasserstoff-Autos.

Während China mit E-Auto-Quoten und der massiven Umstellung auf Elektrofahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr eine medienwirksame Vorreiterrolle einnimmt, entwickelte sich das benachbarte Japan zur Insel der Glückseligkeit für Freunde des Vortriebs durch die Kraft der Elektronen.

Einer Erhebung des dort ansässigen Autobauers Nissan zufolge, der mit dem Nissan Leaf vor kurzem die zweite Generation des weltweit meistverkauften Elektroautos vorgestellt hat, wurden in dem 127 Millionen Einwohner zählenden Inselstaat schon im Jahr 2015 mehr Ladestationen für Elektroautos gezählt als Zapfsäulen für Benzin und Diesel. 40.000 Stromanschlüsse standen 34.000 Spritrüsseln gegenüber.

In der Zulassungsstatistik spiegelt sich die schöne neue Welt Japans noch nicht direkt wieder. Die drei meistverkauften Autos sind Hybride: Spitzenreiter ist der Toyota Prius, gefolgt vom Nissan Note und dem mit dem Prius technisch verwandte Toyota C-HR.

Hybrid-Pionier Toyota noch ohne reines Elektroauto

Toyota Prius Plug-in Hybrid Seite Foto: Achim Hartmann
Den Toyota Prius gibt es seit diesem Jahr erstmals als Plug-in Hybrid.

Ein reines Elektroauto fehlt im Modellprogramm von Toyota, dem Pionier der Elektrifizierung, noch immer. Mittlerweile arbeitet aber auch der Konzern, der 1997 mit dem ersten Prius die Hybridtechnologie massentauglich machte, am Batterieauto.

Doch auch einen dritten Weg verfolgt Toyota weiter: Die Brennstoffzelle wird nicht aufgegeben. Naomichi Hata, Leiter der Geschäftsplanung beim japanischen Autobauer, hat in einem Gespräch mit dem britischen Magazin Autocar eine neue Generation von Brennstoffzellenfahrzeugen angekündigt. Damit will man den Preis für Autos mit Wasserstofftank massiv senken.

In den frühen 2020er-Jahren will Toyota so weit sein. Dann sollen die Produktionszahlen deutlich steigen. „Die Produktion des heutigen Mirai (dem aktuellen Brennstoffzellenfahrzeug von Toyota, Anm. d. Red.) ist aktuell auf 3.000 Einheiten im Jahr limitiert“, erklärt Naomichi Hata.

Mirai auf Prius-Preisniveau

„Als Ergebnis einer Produktionssteigerung erwarten wir – zumindest für den japanischen Markt – ein gleiches Preisniveau von Brennstoffzellenfahrzeugen wie für Hybride.“

Im Moment kostet der Toyota Prius Hybrid bei uns ab 28.150 Euro, der tröpfchenweise verteilte Mirai üppige 78.600 Euro. Aufgrund der hohen Entwicklungskosten dürfte er trotz des Preises ein Verlustgeschäft für das Unternehmen sein.

Die Ambitionen in Sachen Brennstoffzellentechnologie hat Toyota auf der Tokyo Motor Show im Oktober mit der Konzeptstudie Fine-Comfort Ride untermauert. Zusammen mit Nissan, Honda und neun weiteren Unternehmen hat man eine Zusammenarbeit beschlossen, um die Zahl der Wasserstofftankstellen in Japan bis zum Jahr 2020 auf von aktuell ca. 70 auf 160 Anlaufstationen für einen prognostizierten Fahrzeugbestand von dann 40.000 Autos zu steigern.

Brennstoffzellen-Kraftwerk in Kalifornien

In den USA baut der Konzern zudem ein Brennstoffzellen-Kraftwerk. Die Anlage im Hafen von Long Beach (Kalifornien) soll aus nachwachsenden Energiequellen, zum Beispiel landwirtschaftlichen Abfällen bis zu 2,35 Megawatt Strom und 1,2 Tonnen Wasserstoff pro Tag erzeugen. 2020 soll der Betrieb starten.

Am Standort des künftigen Kraftwerkes ist seit Oktober 2017 bereits ein LKW mit Brennstoffzelle im Hafenbetrieb unterwegs. Die über 670 PS starke Zugmaschine hat zwei aus dem Toyota Mirai bekannte Brennstoffzellenstacks und eine nur 12 kWh große Batterie an Bord.

Auch mit dem Mineralölkonzern Shell arbeitet Toyota in den USA zusammen. Gemeinsam möchte man Wasserstofftankstellen errichten, um das aktuelle Netz von 31 Zapfstationen in Kalifornien auszubauen.

Künftig 30.000 Brennstoffzellenautos pro Jahr

05/2018, Toyota Werk Honsha für Brennstoffzellen-Stacks Foto: Toyota
70.000 Quadratmeter Neubau für die Produktion der Brennstoffzellen-Stacks.

Die von Naomichi Hata angesprochenen Produktionssteigerungen sollen deutlich ausfallen. Im kommenden Jahrzehnt erwartet Toyota eine Verzehnfachung auf 30.000 Brennstoffzellenfahrzeuge im Jahr. Davon will Toyota 10.000 Einheiten auf dem japanischen Heimatmarkt absetzen, der Rest wird exportiert.

Im Werk Honsha in Toyota City wird aktuell, ganz in der Nähe von Toyotas erster Produktionshalle aus dem Jahr 1938, eine neue Fertigungsstätte für Brennstoffzellen-Stacks gebaut. 70.000 Quadratmeter Fläche verteilen sich auf acht Etagen.

Die Produktion der per Brennstoffzelle angetriebenen Autos wird künftig auf einer eigenen Fertigungslinie erfolgen, was die Kapazitäten deutlich aufstockt.

Brennstoffzellenbusse in Portugal

IAA Nutzfahrzeuge 2018 Volvo Electric Hybrid Elektro-Linienbusse (IAA 2018) Flüsterleise durch die City

Die Brennstoffzellentechnik baut Toyota nicht nur in eigene Fahrzeuge ein, sondern liefert sie auch an Kooperationspartner. Der portugiesische Bushersteller Caetanobus bekommt aus Japan Brennstoffzellen-Stapel, Wasserstofftanks und weitere Komponenten.

Im Herbst 2019 sollen die ersten Wasserstoffbusse gebaut und vorerst zu Test- und Demonstrationsfahrten eingesetzt werden.

„Mit der Lieferung unseres Brennstoffzellensystems an Caetanobus zeigen wir die vielen praktischen Einsatzzwecke und Umweltvorteile von Wasserstoff“, sagt Toyotas Europachef Dr. Johan van Zyl. „Wir freuen uns sehr darauf, die ersten Busse unseres langjährigen Partners in europäischen Städten zu sehen. Wasserstoffbusse besitzen deutliche Vorteile gegenüber anderen Null-Emissions-Bussen, etwa die höhere Reichweite und die kurzen Tankzeiten. Dadurch können sie häufiger und auf längeren Strecken eingesetzt werden.“

Brennstoffzellen-Schiff umrundet die Welt

07/2018, Toyota Energy Observer Foto: Toyota

Nicht nur auf der Straße möchte Toyota die Brennstoffzellentechnologie vorantreiben. Der Konzern unterstützt die Weltreise des weltweit ersten Wasserstoffschiffs. Der elektrisch angetriebene Katamaran namens Enery Observer nutzt Wasserstoff als Hauptquelle für den Antrieb der Elektromotoren. Ein neues System an Bord des Schiffs gewinnt den Wasserstoff vor Ort aus Meerwasser. Zusätzlich speichern Solarpaneele auf der Außenhülle Sonnenenergie.

Im Jahr 2020 soll die Energy Observer nach einer komplett energieautonomen Weltumrundung zu den Olympischen Spielen in der japanischen Hauptstadt Tokio einlaufen.

Wettbewerb mit batteriegespeisten Elektroautos

Neben Toyota arbeiten auch Honda und Hyundai weiter an der Brennstoffzellentechnik. Mercedes-Benz hat auf der IAA den GLC Fuel Cell als Vorserienauto gezeigt, mit dem man 2018 eine Kleinserie starten will. Im Volkswagen-Konzern hat man Audi mit der Federführung künftiger Brennstoffzellenprojekte beauftragt.

Sollten Mitte des kommenden Jahrzehnts also Autos, die Wasserdampf aus dem Auspuff blasen, im größeren Stil kommen, werden sie ein deutlich verändertes Wettbewerbsumfeld haben. Denn dann werden die reinen Elektroautos vom Schlage einer VW I.D.-Range und der EQ-Submarke von Mercedes-Benz nicht mehr auf eine Zapfsäule angewiesen sein. Egal, ob dort nun flüssiger Sprit oder gekühlter Wasserstoff in den Tank geblasen wird.

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