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BMW kontert Trumps Strafzoll mit Fakten

Sind größter Autoexporteur der USA

BMW USA Flagge Montage Foto: ams 27 Bilder

Der designierte US-Präsident Donald Trump droht nun auch deutschen Autobauern Strafzölle an, wenn sie Autos importieren und nicht in den USA produzieren. BMW antwortet mit interessanten Fakten

17.01.2017 Uli Baumann, Andreas Of, Holger Wittich 8 Kommentare

In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung und der Londoner „Times“ drohte der gewählte Präsident der USA, Donald Trump, den deutschen Autoherstellern: „Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen.“ Gemeint ist vor allem BMW: Der Konzern baut ein Werk in Mexiko, in dem ab 2019 die 3er-Reihe gefertigt werden soll.

Keine US-Modelle in Deutschland

Trump legte BMW nahe, die Fabrik in den USA zu bauen. „Es wird für sie viel besser sein und für unsere Bemühungen.“ Wenn BMW von Mexiko aus in andere Länder verkaufen wolle, sei das in Ordnung. „Aber wenn sie in Mexiko eine Fabrik bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen.“

Deutschland sei ein großartiges Land, sagte Trump in dem Interview, ein Herstellerland. Er fügte aber hinzu: „Tatsache ist, dass Ihr den USA gegenüber sehr unfair wart. Es besteht keine Gegenseitigkeit.“

Trump: es ist eine Einbahnstraße

Trump sagte, in der 5th Avenue in New York habe jeder einen Mercedes vor der Tür stehen. „Tja, ihr seid sehr gut im Exportieren: Wir kaufen viele eurer Autos“, sagte Trump im Interview mit der „Bild“. Aber: „Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße.“ Was er offenbar ignoriert: Ford hat in Deutschland 283.445 Autos und Transporter verkauft. General Motors ist mit Opel in Europa präsent. Die Marke verkaufte 2016 in Deutschland knapp 244.000 Fahrzeuge. Beide Marken produzieren seit Jahrzehnten in Deutschland.

BMW sieht die Ankündigung Trumps gelassen und kontert mit Argumenten: Die Marke baut mehr Autos in den USA, als sie dort verkauft. Das Werk in Spartanburg ist das Größte der BMW Group, 2016 liefen hier 411.171 X-Modelle von den Bändern. Im selben Jahr verkaufte die BMW Group in den USA 365.000 Autos.

BMW: Netto-Exporteur von Autos aus den USA

BMW zitiert außerdem das US-Handelsministerium, das die Exporte aus dem Werk Spartanburg im Jahr 2015 mit zehn Milliarden Dollar bezifferte. BMW sei damit der größte Auto-Exporteur der USA. Ab 2017 baut BMW den X7 in Spartanburg und erhöht die Kapazität des Werks auf 450.000 Einheiten.

Das 3er-Werk in Mexico, das 2019 die Produktion aufnimmt, hat eine geplante Maximalkapazität von 150.000 Einheiten und produziert für den Weltmarkt. Das Werk in San Luis Potosi ersetzt die Produktion in Rosslyn, Südafrika. Dort wird künftig der X3 gebaut.

USA und die WTO

Ganz so einfach, wie es in der populistischen Gedankenwelt Trumps funktioniert, wird die Umsetzung von Strafzöllen jedoch nicht sein. Die USA sind, wie 164 andere Länder auf dieser Welt, Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Als Gründungsmitglied von 1995 sind die USA an den Gründungsvertrag gebunden, der unter anderem Vertragszölle fixiert hat. Diese Zollschranken können nicht einseitig verändert werden. Während die EU – ebenfalls Gründungsmitglied – einen maximalen Zoll in Höhe von 10 Prozent festgeschrieben hat, liegt der Maximalzoll in den USA bei 2,5 Prozent, in Mexiko bei 30 Prozent.

Sollte die USA den WTO-Vertrag brechen, könnten einzelne Mitglieder der Welthandelsorganisation die Vereinigten Staaten verklagen. Diese zweistufige Verfahren sieht zunächst Beratungen der betroffenen Länder und anschließend ein Schiedsgericht Jahr vor. Gegen das Urteil könnte die USA Revision einlegen. Insgesamt dauert das Verfahren mit Widerspruch zwei Jahre. Schiedsgericht und Revisionsgericht sind ausschließlich mit Schiedsrichtern besetzt, die nicht aus den betroffenen Ländern stammen.

Ein Zwang, die illegalen Zölle zu revidieren, kann die WTO nach einem Urteil jedoch nicht ausüben. Lediglich könnte die WTO ihren Mitgliedsstaaten erlauben, ebenfalls Strafzölle zu erheben. Dadurch würde der Freihandel jedoch stark eingeschränkt. Auch ein Austritt der USA aus der WTO ist denkbar, hat jedoch für das Land nicht zu kalkulierende Folgen. Alle Produkte aus dem Ausland würden teurer, die technologische Entwicklung würde behindert und inländischen Waren könnten sich wegen der fehlenden Konkurrenz in Sachen Qualität verschlechtern.

Autoland Mexiko: Zahlen und Fakten

  • 19 große Autowerke produzieren für Amerika und den Weltmarkt
  • 3 Werke sind momentan in Bau oder geplant: BMW, Daimler, Kia wollen in Mexico produzieren
  • 25,9 Milliarden US-Dollar investierten Autohersteller seit 2010 in Mexico
  • 90 Milliarden US-Dollar sind der Wert der von Mexico in die USA exportierten Autos
  • 280 Produktionsstätten unterhalten Autozulieferer wir TRW, Magna, Bosch oder Denso in Mexico
  • 50 Prozent der Fahrzeuge und Fahrzeugteile werden exportiert
  • 90 Prozent der exportierten Fahrzeuge und Fahrzeugteile gehen in die USA
  • 1921 beginnt Buick mit der Autoproktion in Mexico
  • 1925 beginnt Ford mit der Autoproduktion in Mexico

Welcher Autohersteller welche Modelle in Mexico produziert, sehen Sie in der Bildergalerie.

Autoland USA: Zahlen und Fakten

  • 1982 baut Honda als erster ausländischer Autohersteller ein Werk in den USA
  • 52 Milliarden US-Dollar investierten ausländische Autohersteller seit 2009 in den USA
  • 30 Milliarden US-Dollar investierten Chrysler, Ford und General Motors seit 2009 in den USA
  • 12 Millionen Pkw und Light Trucks wurden 2015 in den USA gebaut
  • 17,4 Millionen Pkw und Light Trucks wurden 2015 in den USA verkauft
  • 909.700 Menschen arbeiten in den US-Autowerken
Neuester Kommentar

@jpnyc: Die "böse" Globalisierung kann nicht gleichzeitig an lokaler Fertigung UND am internationalen Warenaustausch Schuld sein; da muß man sich schon entscheiden, wogegen man eigentlich ist.
Ebenso: man kann (also können schon, es macht aber keinen Sinn) nur entweder gegen Arbeitsteilung mit Entwicklungsländern oder gegen Migration sein.
Und zu guter Letzt: die Kernaufgabe jedes Unternehmens ist die eigene Wertsteigerung und Gewinnausschüttung; alles andere wird, wenn die beiden Kernaufgaben nicht erfüllt sind, auf Dauer auch nicht klappen.

grizzlybär 17. Januar 2017, 18:58 Uhr
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