Tuning 1x1

Alles, was erlaubt ist

Ein paar breite Reifen hier, ein kleiner Spoiler da und dazu einige Extra-Pferdestärken unter der Motorhaube, schon ist das alte Auto ein anderes. Doch nicht alles was gefällt, ist auch erlaubt.

Egal zu welchen Tuning-Teilen gegriffen wird, nahezu jede Veränderung am komplexen System Auto muss genehmigt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Betriebserlaubnis erlischt.

Im allgemeinen gibt es fünf Möglichkeiten, Tuningteile und Umbauten am Fahrzeug genehmigen und damit legalisieren zu lassen:

Die Einzelabnahme

Spezielle, meist sehr aufwendige Umbauten wie zum Beispiel die Implantation eines größeren Motors müssen per Einzelabnahme von einem Sachverständigen geprüft und abgenommen werden. Die Kosten können je nach Umfang und Art der Abnahme (zum Beispiel: Abgasgutachten) variieren, im Einzelfall aber mehrere Tausend Euro betragen. Daher sollten Modifikationen ohne Gutachten-Grundlagen auf jeden Fall vor dem Umbau mit einem Sachverständigen besprochen werden.

Das Teilegutachten

Die meisten Tuningteile werden mit einem Teilegutachten geliefert. Nach dem Anbau wird durch einen Sachverständigen einer Prüforganisation der korrekte Anbau der Teile und die Einhaltung der damit eventuell verbundenen Auflagen kontrolliert.

Die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE)

Die ABE wird meist bei problemlos zu montierenden Tuningteilen zum Beispiel Leichtmetallfelgen mitgeliefert. Damit können diese Teile auf dem in der ABE freigegebenen Fahrzeugtyp montiert werden und müssen danach nicht bei einem Sachverständigen vorgeführt werden. Allerdings müssen die ABE-Papiere stets mitgeführt werden.

Die Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG)

Teile wie zum Beispiel Scheinwerfer müssen eine Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) besitzen. Jede ABG ist nur für bestimmte Modelle gültig, weshalb vor dem Kauf genaue Informationen eingeholt werden sollten, ob die Teile auch für Ihr Auto zugelassen sind. Meistens muss das Fahrzeug nach dem Umbau bei einem Sachverständigen vorgeführt und die Änderung in die Papiere eingetragen werden.

Die EG-Betriebserlaubnis

Die EG-Betriebserlaubnis entspricht weitgehend der ABE, ist aber für den gesamten EU-Raum gültig. Bei Teilen, die mit EG-Betriebserlaubnis verkauft werden, muss das Fahrzeug nicht vorgeführt, die EG-Betriebserlaubnis muss aber stets mitgeführt werden.

Tuning interessiert auch die Versicherung

Neben der technischen Legalisierung von Umbauten, interessiert sich aber auch die Fahrzeugversicherung und teilweise auch das Finanzamt für nachträglich montierte Teile und Fahrzeugmodifikationen.

Denn nicht jedes nachträglich montierte Teil ist auch über die herkömmliche Kaskoversicherung abgedeckt. „Zu jedem Versicherungsvertrag gehört eine Liste, die über die mitversicherten Teile informiert“, so Klaus Brandenstein, Sprecher des Deutschen Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft in Berlin. Werden am Auto besonders teure Tuning-Teile montiert, kann der Versicherer sich weigern, diese im Schadensfall zum vollen Wert zu versichern. Es empfiehlt sich daher, vor Umbauten Kontakt mit der Versicherung aufzunehmen. Wichtig sei etwa, ob getunte Fahrzeuge dort überhaupt versichert werden, welche Teile zuschlagfrei mitversichert werden und ob sich der Umbau auf die Einstufung bei Teilkasko und Vollkasko auswirkt.

Während ein herkömmliches Optik- und Fahrwerkstuning noch verhältnismäßig problemlos ist, birgt das Motortuning zusätzliche Risiken. Wer derlei Tuning-Maßnahmen nicht angibt, verliert nach Angaben von Brandenstein zwar nicht automatisch den Versicherungsschutz. Wird das Tuning jedoch entdeckt, besteht zumindest die Gefahr der Vertragskündigung oder Prämiennachforderung.

Auf Garantie achten

Wer schon bei einem verhältnismäßig neuen Wagen meint, die Motorleistung erhöhen zu müssen, kann zudem meist nicht mehr auf die Garantie des Herstellers bauen. Eine Lücke, die seriöse Tuner mit eigenen Garantie-Paketen abdecken.

Das Interesse des Fiskus wird geweckt, wenn im Zuge des Tunings der Hubraum erhöht oder die Abgaseinstufung verändert wird. Doch auch wer sich genehmigte Teile besorgt und mit der Versicherung alles geklärt hat, kann noch Fehler machen. Nach Angaben von TÜV-Experte Bert Korporal gibt es Fälle, in denen Fahrer sich zum Beispiel ein genehmigtes, kleines Sportlenkrad einbauen. Später besorgen sie sich dann noch genehmigte Felgen mit Breitreifen. Allerdings ist so ein Lenkrad häufig nur in Zusammenhang mit einer bestimmten Rad- oder Reifengrößen erlaubt. „Bei breiteren Reifen“, so Korporal, „werden mit dem kleinen Lenkrad die Lenkkräfte zu hoch und das Reagieren in Gefahrensituationen kann nicht mehr möglich sein.“

Wer in so einem Fall meint, dennoch auf ein Abnahme verzichten zu können, lebt gefährlich. Werden Umbauten nicht eingetragen, können die Folgen gewaltig sein. Neben einer mögliche Fehlfunktion, Regressansprüchen der Haftpflichtversicherung und einer Leistungsverweigerung beim Kaskoschutz, bringen das Fahren ohne Betriebserlaubnis dem Autohalter und -fahrer zusätzlich auch noch eine Geldbuße von 50 Euro und drei Punkte in der Verkehrssünderdatei ein. Im Wiederholungsfall kann sogar ein Fahrverbot verhängt werden. Erlaubt ist eben nicht alles was gefällt.

Zahlreiche namhafte Tuner finden Sie in der Mitgliederliste des Verband Deutscher Automobiltuner e.V (VDAT), der nach eigenen Angaben weltgrößten Inmteressenvertretung der Tuningbranche.

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