US-Markt

Ungebremst abwärts

Foto: dpa

Amerikas große Autobauer machen derzeit den Alptraum jedes Autofahrers durch: Bergab auf steiler Straße - und dann versagen die Bremsen. Nach einer tiefroten Halbzeitbilanz drohen auf dem US-Automarkt laut Experten 2008 die niedrigsten Absatzzahlen seit mehr als einem Jahrzehnt.

Selbst die bisher gegen den Trend fahrenden deutschen Autobauer haben schwer zu kämpfen.

Der Umbruch ist gewaltig: Jahrelang verdienten General Motors (GM), Ford und Chrysler prächtig an ihren Geländewagen und Pickups. Im Erfolg verschliefen sie die Trendwende. Längst suchen US-Kunden immer häufiger kleinere, sparsamere Autos, von denen nicht nur heimische Autobauer paradoxerweise gar nicht genug liefern können.

Richtig schlimm aber trifft alle Hersteller die Konjunkturflaute in den USA. So brach der gesamte Automarkt im Juni um mehr als 18 Prozent ein. Mit BMW (minus 17 Prozent bei der Hauptmarke) erwischte es auch die deutsche Nummer eins in den USA kräftig. Spürbar zulegen konnte außer Audi keiner der deutschen Hersteller.

Nur Rabatte retten GM

Mit einer ruinösen Rabattschlacht rettete sich Platzhirsch GM vor einem schweren Imageschaden: Die Opel-Mutter verschleuderte zuletzt ihre Wagen regelrecht und hielt so den japanischen Erzrivalen Toyota gerade noch einmal auf Distanz. Marktbeobachter sprechen von einem "Strohfeuer". Weltweit liegen die Asiaten beim Absatz längst auf Augenhöhe. Viel wichtiger aber: Sie sind hochprofitabel. GM schreibt dagegen wie die US-Leidensgenossen Milliardenverluste. Ein Ende der tiefroten Zahlen ist nicht abzusehen. Die einst stolz "Big Three" genannten US-Anbieter liefern auf ihrem Heimatmarkt inzwischen nicht mal mehr jeden zweiten Neuwagen. Auf die Krise reagieren sie alle ähnlich: Produktionskürzungen, Stellenabbau, Kosten senken. Doch die Umsätze fallen schneller als die Konzerne sparen können - ein "Alptraum-Szenario" für die Autoanalysten von Global Insight. Bis neue passende Modelle in ausreichender Stückzahl auf dem Markt sind, vergehen Jahre.

GM verbrennt Milliarden

Auch zuletzt erfolgreichere Töchter wie Opel bei GM oder Fords Europa-Geschäft können die Leiden der Mütter allenfalls lindern. GM allein verbrennt laut den Experten von Goldman Sachs jeden Monat eine Milliarde Dollar, Tendenz steigend. Kein Wunder, dass zuletzt Gerüchte über Liquiditätsprobleme die Runde machten. Die GM-Aktie stürzte auf ihren niedrigsten Wert seit einem halben Jahrhundert.

Vom Börsenwert her sind die Riesen GM und Ford längst zu Übernahmekandidaten geschrumpft. Aber wer will schon enorme Schulden bei weiteren Verlusten und schlechten Aussichten haben? Der Daimler-Konzern trennte sich vor gut einem Jahr praktisch in letzter Minute vom Partner Chrysler. Die Kreditkrise und der Absturz am US-Markt hätten den Verkauf an den Investor Cerberus nur kurze Zeit später unmöglich gemacht, heißt es in Stuttgart zunehmend erleichtert.

Deutsche weiter optimistisch

Trotz des miserablen US-Markts beharren die deutschen Hersteller bislang auf ihren US-Absatzprognosen für das Gesamtjahr. Bei BMW und Daimler etwa heißt das: "Mindestens so gut wie im Vorjahr." Gas geben wollten deutsche Autobauer künftig mit dem Diesel-Antrieb. Dank neuer Technik erfüllt er selbst die besonders strengen Abgas-Vorschriften Kaliforniens und kann nun in allen 50 US-Staaten an den Start gehen. Das Problem: Diesel ist in den USA längst deutlich teurer als Benzin.
Angesichts der Spritpreise feiern in den USA zumindest kleine Flitzer wie der Mini (BMW) und der Smart (Daimler) Absatzzuwächse - bei allerdings relativ kleinen Stückzahlen. Größte Sorge der Deutschen ist ohnehin der historisch niedrige Dollar, der ihre Einnahmen beim Wechsel in Euro zusammenschmelzen lässt. Eine Antwort: Produktion in den USA, wie es BMW und Daimler längst machen. VW will nun nachziehen. Die Entscheidung für den Standort eines US-Werks soll in Kürze fallen.

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