USA

Deutsche sehen Chance

Die deutschen Autobauer wollen auf dem schrumpfenden US-Automarkt gegen den Trend zulegen. "Wir sehen gute
Chancen, die Ein-Millionen-Marke in naher Zukunft zu knacken", sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, am Sonntag (13.1.) auf der Autoshow in Detroit.

Im vergangenen Jahr war der US-Absatz der deutschen Hersteller um drei Prozent auf 948.000 Fahrzeuge gestiegen. Dies entsprach einem Marktanteil von knapp 5,9 Prozent. Mit abgasarmer Diesel-Technik wollen die Deutschen gegenüber den erfolgreichen Japanern Boden gut machen. Der gesamte US-Markt dürfte in diesem Jahr um 2 Prozent auf 15,7 Millionen Einheiten schrumpfen.

VW meldet Erfolgsbilanz

Der Volkswagen-Konzern gab in Detroit einen Absatzrekord im vergangenen Jahr bekannt. Die VW-Gruppe steigerte die Verkäufe 2007 um 7,9 Prozent auf 6,189 Millionen Fahrzeuge. Angetrieben von einem starken Wachstum in China und Südamerika knackte VW damit erstmals die Marke von sechs Millionen Autos. VW-Konzernchef Martin  Winterkorn zeigte sich zuversichtlich, 2008 wieder einen Rekord zu schaffen. Der unsicherste Absatzmarkt sei angesichts der Debatte um den Klimaschutz Deutschland. Mitunter würden Autos "verteufelt".

Die VW-Tochter Audi will 2008 erstmals mehr als eine Million Autos weltweit verkaufen. 2007 steigerte Audi den um 6,5 Prozent auf rund 964.000 Fahrzeuge. Audi-Chef Rupert Stadler sagte, man prüfe den Bau eines Werks in den USA.

Daimler-Chef Dieter Zetsche gab sich optimistisch für das Autojahr 2008. Gute Chancen sehe er vor allem auch in den USA, wo der Konzern 2007 mit 253.400 Fahrzeugen (plus 2 Prozent) seinen 14. Absatzrekord in Folge einfuhr. Mercedes-Benz wird 2008 sechs Modelle erneuern und zwei neue auf den Markt bringen: Das Coupé CLC sowie den kleinen Geländewagen GLK, der in Detroit als Studie vorgestellt wird.

Diesel auf breiter Front

Alle deutschen Hersteller von BMW bis VW werden in diesem Jahr zahlreiche Modelle mit Dieselantrieb auf den US-Markt bringen. "Es ist durchaus angebracht, wenn man das Jahr 2008 als das Jahr des Clean-Diesel-Durchbruchs in den USA bezeichnet", sagte Wissmann. Bislang liegt der Diesel-Anteil in den USA erst bei rund 3 Prozent, Experten trauen ihm aber rund 15 Prozent des Marktes bis 2015 zu.

Ein Problem für die deutschen Hersteller bleibe der schwache US-Dollar, sagte Wissmann. Neben Wechselkursgeschäften werde künftig deshalb die Produktion im Ausland wichtiger. Inzwischen kämen bereits 250.000 der in Nordamerika verkauften Fahrzeuge aus Werken vor Ort. Dies solle nicht zu Lasten deutscher Jobs gehen. "Wir hoffen, dass wir 2008 die Beschäftigtenzahlen halten und vielleicht leicht steigern können." Das Wachstum liege aber woanders: "In zwei bis drei Jahren werden wir mehr Autos im Ausland bauen als im Inland."

US-Hersteller demonstrieren Stärke

Die großen amerikanischen Autobauer, die mit Absatzeinbrüchen und Milliardenverlusten kämpfen, nutzten das "Heimspiel" in Detroit, um Aufbruchstimmung zu demonstrieren. Ford-Chef Alan Mulally sagte, man liege im Plan, 2009 wieder Gewinne einzufahren. Der zweitgrößte US-Autohersteller hatte 2006 einen Riesenverlust von mehr als zwölf Milliarden Dollar. Im dritten Quartal 2007 gab es noch ein Minus von 380 Millionen Dollar. Ford kündigte für 2008 sechs neue Modelle an, davon zwei mit Hybrid-Antrieb. Auch General Motors setzte "grüne" Akzente. GM steigt bei einem US-Unternehmen ein, dass Ethanol als Treibstoff auch aus Pflanzenabfällen oder sogar Reifen erzeugen will. Allerdings dürfte dieser Sprit nicht vor 2011 auf den Markt kommen.

Chrysler, der verlustreiche drittgrößte US-Autobauer, sucht sein Heil verstärkt im Ausland. Der Absatz außerhalb Nordamerikas solle in weniger als fünf Jahren verdoppelt werden, kündigte Chrysler-Chef Robert Nardelli an. Im vergangenen Jahr hatte Chrysler den Absatz außerhalb Nordamerikas um 15 Prozent auf 238.000 Wagen gesteigert, dies sind aber weniger als zehn Prozent der Verkäufe aus.  Nardelli zeigte sich zuversichtlich, dass sich der 2007 von Daimler an den Finanzinvestor Cerberus verkaufte Autobauer wieder "vollständig erhole". Daimlers Restbeteiligung von 20 Prozent sehe er als langfristig. Zetsche unterstütze Chrysler nach wie vor stark.

Japaner als Gewinner

Die hohen Spritpreise und neuerdings auch finanzielle Sorgen der Verbraucher als Folge der Kreditkrise haben den US-Automarkt bereits 2007 um 2,5 Prozent auf 16,1 Millionen Fahrzeuge gedrückt. Größte Gewinner der vergangenen Jahre sind die japanischen Autobauer, allen voran der Toyota-Konzern mit seinen Hybrid-Antrieben.

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