VinFast - deutsche Technik aus Asien

Das sind die BMWs made in Vietnam

VinFast SUV VinFast SUV VinFast SUV VinFast SUV 43 Bilder
Autosalon Paris 2018

Die VinGroup ist Vietnams größtes privates Unternehmen. Die Firma ist in vielen Wirtschaftszweigen auf dem vietnamesischen Markt führend und will jetzt auch Autos bauen: Unter dem Namen VinFast auf Basis von BMWs und mit viel Technik aus Deutschland.

Tausende Mopeds und bei den Autos ein hoher Anteil an Toyotas – das ist das erste, was einem Besucher im chaotischen aber wenig aggressiven und langsamen Verkehr Vietnams auffällt. Toyotas Marktanteil beträgt 23 Prozent, dann folgt Ford mit zwölf Prozent. Die vietnamesische Wirtschaft wächst, auch dank der VinGroup, rasant und mit ihr wachsen die Gehälter, die Mittelschicht und der Wunsch nach Autos. Während die Importeure Morgenluft wittern, sind Hersteller aus dem Nachbarland China weitgehend chancenlos: Die Nationen mögen sich nicht sonderlich, schließlich führten sie Anfang 1979 Krieg gegeneinander, die zugrundeliegenden Grenzstreitigkeiten sind erst seit 2001 beigelegt, der Anspruch auf die im Südchinesischen Meer gelegenen Spratly- und Paracel-Inseln ist immer noch Grund für heftige Auseinandersetzungen. Außerdem halten die Vietnamesen nichts von der Qualität chinesischer Produkte. Qualität ist einer der Gründe, warum VinFast deutsche Technik mit deutscher Technik bauen möchte.

VinFast startet mit zwei Modellen, deren Namen die Vietnamesen erst zum Pariser Autosalon (4. bis 14. Oktober 2018) nennen. Die Limousine basiert auf dem BMW 5er, das SUV auf dem X5. Das Design ist eigenständig, VinFast ließ 62.000 Vietnamesen über verschiedene Designs abstimmen und gewonnen haben die Vorschläge des zum indischen Autobauer Mahindra gehörenden italienischen Designstudios und Karosseriebauers Pininfarina. Die Designer haben keine Tonmodelle modelliert, die Visualisierung übernahmen ausschließlich 3D-Modelle am Rechner. Herausgekommen sind Fahrzeuge – wenig überraschend – mit den Proportionen eines 5ers und eines X5 – aber in einem Look, der dem aktuellen Geschmack der Vietnamesen entspricht. Schmale LED-Scheinwerfer prägen die Front, die Rückleuchten sind sehr plastisch gestaltet. Das SUV fällt mit einem optisch massivem Unterfahrschutz auf. Die Abgasanlage verläuft bei beiden Modellen einflutig nach hinten und teilt sich dort in einen rechten und einen linken Strang auf. Trapezförmige Blenden zieren die beiden Endrohre.

VinFast SUV Foto: VinGroup
Das Design entspricht dem vietnamesischen Geschmack - über 60.000 Vietnamesen haben darüber abgestimmt (im Bild das SUV auf BMW-X5-Basis).

Erste Details zu SUV und Limousine

Viel verrät VinFast zu den technischen Details seiner Modelle noch nicht. Innen gibt es rechts und links von einem Siebenzoll-Bildschirm zwei klassische Rundinstrumente. Am oberen Ende der Mittelkonsole sitzt ein hochkant angeordneter 10,5-Zoll-Touchscreen. Viele Funktionen können auch über das Multifunktionslenkrad bedient werden. In Sachen Bedienung verspricht VinFast Besonderheiten. So haben die Ingenieure die interaktiven Möglichkeiten den Bedürfnissen der Insassen angepasst und das, was ihrer Erkenntnis nach zu viel war, weggelassen. Laut VinFast-Designchef David Lyon hat man extrem viel Aufwand in die Erforschung der Bedienung der digitalen Systeme investiert. Zudem sollen die Menüs im Touchscreen etwas farbenfroher ausfallen als aktuell bei der Konkurrenz üblich. Android Auto und Apple Carplay beherrscht das Infotainment-System serienmäßig.

Ambiente-Licht soll für gute Stimmung im Innenraum sorgen, neun Lautsprecher und eine Zweizonen-Klimaautomatik gehören zum Serienumfang. Die Oberflächen sind je nach Ausstattung mit echtem Aluminium oder Echtholzfurnier verkleidet. Beim SUV sind sieben Sitze Serie. In Sachen Sicherheit gehen die VinFast-Verantwortlichen davon aus, dass beide Modelle beim Crashtest von Asean NCAP die Bestwertung von fünf Sternen erreichen.

Die Limousine bekommt vorne Einzelradaufhängung und hinten Doppelquerlenker, die belüfteten Bremsscheiben haben vorne einen Durchmesser von 332 und hinten von 330 Millimetern.

VinFast Limousine Foto: VinGroup
Die Proportionen stimmen - wie beim BMW 5er: Seitenansicht der Limousine von VinFast.

Der Motor basiert auf dem bei BMW N20 genannten Aggregat: Der 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung ist bei VinFast in zwei Leistungsstufen verfügbar. Die aufwendige und teure Ventilsteuerung Valvetronic ersetzt VinFast durch ein eigenes einfacheres System – Leistung und Verbrauch sollen darunter kaum leiden. Zertifiziert sind die Aggregate nach Euro 5. Eine Achtgang-Automatik von ZF teilt die Kräfte ein und leitet sie entweder nach hinten oder beim SUV optional an alle vier Räder weiter.

VinFast Werk Foto: Gregor Hebermehl
"Eigentum BMW Muenchen" steht auf der Motorenpalette, die im Motoren-Montagewerk von VinFast in Haiphong liegt.

Aktuell werden die ersten 160 VinFast-Modelle in Europa und Asien getestet. Wie sich der Markt zwischen der Limousine und dem SUV aufteilen wird, dazu sagt VinFast-Chef James DeLuca nur, dass er in fast 40 Jahren Erfahrung bei GM gelernt hat, dass man das nicht vorhersagen kann – die Produktion ist flexibel genug, um auf Nachfragen nach der einen oder anderen Karosserieform kurzfristig zu reagieren.

VinGroup als mächtige Mutter von VinFast

Mit der VinGroup im Rücken ist VinFast für die Aufgabe, seine Autos unter die Leute zu bringen, gut aufgestellt. Schließlich sollen die 55.000 Angestellten von Vietnams führendem Unternehmen als Markenbotschafter fungieren. VinFast-Modelle wird der Kunde online und in den Shoppingzentren des Mischkonzerns anschauen und kaufen können – dabei hilft auch, dass man bereits die Daten von Millionen Kunden gesammelt hat. Zusätzlich zu deutscher Technik mit vietnamesischem Design soll die beste Garantie der jeweiligen Fahrzeug-Klasse Kunden anlocken. Zudem soll es finanziell attraktive Pakete mit anderen Leistungen der VinGroup geben – und da hat die Gruppe einiges zu bieten. Beinahe überall, wo sich die VinGroup in Vietnam engagiert, ist sie führend. Über VinHomes werden Wohnungen gebaut und verkauft, VinMec betreibt die besten Krankenhäuser des Landes, VinCom verdient sein Geld mit den größten Shopping Malls, bei VinEco werden landwirtschaftliche Produkte erzeugt und VinSchool betreibt äußerst beliebte Privatschulen. Außerdem mischt die Gruppe seit kurzem beim Bau von Smartphones mit – schließlich hieß der VinGroup-Vorläufer als technisch orientiertes Unternehmen Technocom. Die VinGroup ist in sämtlichen Lebensbereichen Vietnams präsent und genießt als Modernisierer des Landes einen ausgesprochen guten Ruf – die Weichen für einen nationalen Erfolg von VinFast sind also gestellt.

VinFast Werk Foto: Gregor Hebermehl
Riesig und zum Teil noch im Bau: Das VinFast-Firmengelände im vietnamesischen Haiphong. 120 Hektar des 335 Hektar großen Geländes wurden dem Wasser abgerungen.

Noch 2018 beginnt VinFast mit dem Bau von elektrischen Scootern, bevor im September 2019 die Automobilauslieferungen beginnen. Auch ein Elektroauto ist in Planung, später soll ein großer Bus folgen. Die VinFast-Modelle sind zuerst für den vietnamesischen Markt bestimmt, später ist ein Export in weitere asiatische Länder geplant. Pham Nhat Vuong, öffentlichkeitsscheuer Gründer und Eigentümer der VinGroup, drückt jedenfalls aufs Gas. Als VinFast-Boss James DeLuca ihm erklärte, dass die Entwicklung eines neuen Autos 36 bis 60 Monate dauern würde, meinte Vuong, dass dies schneller gehen müsse – neues Leben entstünde ja auch in neun Monaten. Um die Entwicklungszeit zu verkürzen, sah sich DeLuca nach Partnern um – und wurde bei BMW fündig.

VinFast Logo Foto: Gregor Hebermehl
Und jetzt auch Autos: Mit der VinGroup hat Vietnams neuer Autobauer VinFast eine extrem finanzstarke und in der vietnamesischen Wirtschaft alles durchdringende Mutter im Rücken.

Wichtiges Anliegen des VinGroup-Chefs

DeLucas Chef Pham Nhat Vuong hat sein erstes Geld übrigens in der Ukraine verdient – mit Miviva-Nudeln (übersetzt: Vietnamesische Nudeln). Viel ist über den als Multimilliardär mit Abstand reichsten Mann des Landes, der einst von Moskau in die Ukraine mit einem Lada fuhr und diesen Lada immer noch aufbewahrt, nicht bekannt. Aber DeLuca schwört, dass Vuong alles wichtig ist: Vom Design über den Antrieb bis hin zu den größtenteils deutschen Zulieferern (beispielsweise Pressen von Schuler sowie Lackieranlagen und Vakuumpumpen von Dürr) – zu allem hat er Vorschläge gemacht, alles hat er geprüft und abgesegnet. Besonders die Orientierung an Deutschland beim Autobau war ihm wichtig, da die Vietnamesen sehr auf Qualität achten. Außerdem will das sich im Aufbruch befindende Vietnam zeigen, was es wirtschaftlich drauf hat. Immer wieder ist der Spruch zu hören, dass eine Nation ein Staatsgebiet, eine Flagge, eine Armee (die fast eine halbe Millionen Mann starke Vietnamesische Volksarmee gehört zu den schlagkräftigsten Streitkräften in der Region), eine Fluggesellschaft und eben einen Autobauer hat. Bald ist auch der letzte Punkt abgehakt – und die Vietnamesen haben mit VinFast nicht gekleckert.

Neuester Kommentar

@l_a: Dem einzigen Hersteller, dem 100% ein Vorsatz nachgewiesen werden konnte ist VW mit all seinen Untermarken.
Den anderen Herstellern sind die recht schwammig formulierten Grenzbereiche der Abgasnormen zum Verhängnis geworden, denn wenn man sich schon im dunkelgrauen Bereich bewegt, ist bis ins schwarze nicht mehr weit.
BMW ist bis dato clean was die Diesel angeht, lediglich beim Dieselmotor N57B30S1 ist was mit der Software schief gelaufen. Es waren nur die Limousinen betroffen, aber nicht die SUVs mit dem selben Motor.

Im Endeffekt hat mal abgesehen von VW, an dem ganzen Schlamassel mit den Diesel die Politik schuld.
Die Euro 6 Norm hätte es in der Form nie geben dürfen, es gab viel zu viele Ausnahmen unter denen die Abgasreinigung nicht aktiv sein durfte. Es hätte gleich die Norm eingeführt werden sollen, die jetzt als 6D Temp kommt.

waydol 11. September 2018, 22:11 Uhr
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