Visteon

Ford springt ein

Die Ford Motor Company will 24 Autoteile-Fabriken von dem angeschlagenen US-Autozulieferer Visteon zurücknehmen. Die Betriebe in den USA und Mexiko sollen in eine von Ford geführte Gesellschaft eingebracht werden und später verkauft werden. Visteon wird an der neuen Firma nicht beteiligt sein. Dies haben Ford und Visteon am Mittwoch (25.5.) bekannt gegeben.

Visteon ist die 2000 verselbstständigte ehemalige Ford-Autoteilesparte. Der Visteon-Umsatz wird dabei von 18,7 Milliarden Dollar im Jahr 2004 auf 11,4 Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) schrumpfen. Visteon werde eine kleinere Gesellschaft, die sich auf Innenausstattung, Klimaanlagen und Elektronik-Produkte, einschließlich Beleuchtung, konzentrieren wolle, erklärte Visteon-Konzernchef Mike Johnston.

Die beiden Firmen haben eine Absichtserklärung vereinbart. Es muss noch ein endgültiges Abkommen ausgehandelt werden. Die Transaktion soll bis Ende September über die Bühne gehen. Visteon hat in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen hoher Lohn-, Gehalts- und Krankenversicherungskosten Milliardenverluste gehabt.

In den 24 Visteon-Betrieben arbeiten zur Zeit rund 17.400 Ford-Beschäftigte. Ford bezahlt diese Bediensteten und erhält von Visteon die Kosten erstattet. Jetzt sollen diese "Leasing"-Vereinbarungen für die 17.400 Ford-Mitarbeiter beendet werden. Die Arbeiter kosten Visteon nach Branchenschätzungen 60 Dollar pro Stunde und damit etwa doppelt so viel wie in vielen Konkurrenzbetrieben.

Visteon belastet Ford zusätzlich

Ford will im Laufe der Zeit 5.000 Ford-UAW-Arbeiter abfinden. Die Automobilarbeitergewerkschaft UAW hat ein großes Interesse an der Sicherung der Arbeitsplätze. Visteon hat derzeit rund 70.000 Beschäftigte und hat Betriebe und Niederlassungen in 24 Ländern. Ford beschäftigt weltweit 324.000 Mitarbeiter.

Die Vereinbarung sieht auch die Übernahme von kostspieligen Visteon-Verpflichtungen, Rückerstattungen von Ford für weitere Visteon-Restrukturierungen in Höhe von 550 Millionen Dollar und einen Ford-Kredit von 250 Millionen Dollar zur Umschuldung von Anfang August fälligen Visteon-Schuldscheinen vor.

Ford erwartet Sonderbelastungen von 450 bis 650 Millionen Dollar in 2005 sowie weitere Sonderbelastungen von 300 bis 500 Millionen in den Jahren 2005 bis 2009 für Abfindungen an die Arbeiter. Ford geht zusätzlich zu diesen Sonderbelastungen von einem operativen Verlust von 125 Millionen Dollar im Schlussquartal dieses Jahres und von jährlichen operativen Verlusten von 200 bis 300 Millionen Dollar in 2006 aus.

Der zweitgrößte amerikanische Autohersteller erwartet aber bis Ende des Jahrzehnts Materialkostenersparnisse von jährlich 600 bis 700 Millionen Dollar. Ford erhält Bezugsrechte zum Kauf von bis zu 25 Millionen Visteon-Aktien zum Kurs von 6,90 Dollar je Aktie.

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