VW Atlas Tanoak (2018)

Der MQB-Pick-up im Fahrbericht

VW Atlas Tanoak VW Atlas Tanoak VW Atlas Tanoak VW Atlas Tanoak 31 Bilder

Im März zeigte VW die Studie Tanoak auf Basis des großen MQB-SUV Atlas. Noch ist nicht klar, ob der Pick-up wirklich in Serie gebaut wird. Wir durften trotzdem schon mal ans Steuer und ihn rollen lassen.

Allein schon die Größe: Der Tanoak ist mit einer Länge von 5,44 Meter ist satte 56 Zentimeter länger als der unlängst in China vorgestellte Touareg. 2,03 Meter machen den Tanoak zudem 5 Zentimeter breiter als den Touareg und mit gut 1,84 Meter überragt der Pick-up mit dem Quermotor den Längs-Motor-SUV der in den USA gar nicht mehr angeboten wird, um 14 Zentimeter. Ein Riesentrumm, sogar im Vergleich zum 7-sitzigen Atlas (+ 34 Zentimer bei der Länge), der mit 5,04 Meter größtes Serienmodell im VW-Angebot ist. Und das alles auf Basis des Modularen Querbaukastens, den auch der kompakte Golf nutzt.

Der Radstand zwischen den in Relation bescheidenen 20-Zöllern erstreckt sich über 3,26 Meter (+ 28 Zentimeter gegenüber dem Atlas). Trotzdem gehörte der Tanoak als Serienmodell in den USA zu den Midsize-Pick-ups – wie der Atlas zu den Mid-Size-SUV. Im Vergleich zu diesem ist die Karosserie der Studie um 4,5 Zentimeter angehoben; die Einstiegshöhe vorn liegt bei rund 35 Zentimetern, hinten sind es gar rund 37 Zentimeter

Gute Aussicht im MQB-Pick-up

Es geht um die Sitzposition und um das Feeling in diesem Pickup. Die können wir nun in allen Facetten testen, heißt es zu uns. Denn ein waschechter Fahrbericht wäre an dieser Stelle unangebracht. Erstens dürfen wir nicht schneller als 30 km/h fahren. Zweitens ist die Studie noch lange nicht serienreif – sonderlich viel zum Fahrverhalten lässt sich also gar nicht berichten.

VW Atlas Tanoak Foto: Martin Meiners
Für lange Geradeausfahrten wäre der Atlas Tanoak perfekt zum Cruisen.

Die Sitze lassen sich jedenfalls für kleine und große Fahrer in die richtige Position einstellen. Startet man den 3,6 Liter VR6-Benziner, bollert er angriffslustig vor sich hin. Leider darf er sich heute nicht austoben – da helfen auch 280 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment nichts.

Fest steht aber, dass die hohe Sitzposition im umgemodelten VW Atlas unheimlich gut in die Vereinigten Staaten passt. Auf den langen, geraden Straßen hat man einen außerordentlich guten Überblick und Parkprobleme sind hier ja praktisch nicht vorhanden. Auf den riesigen Asphaltflächen vor den Malls herrschen ebenso wenig Platzprobleme wie vor der Garage in der eigenen Hauseinfahrt – so dürfte es zumindest den meisten Amis gehen.

Für deutsche Straßen etwas breit

Die Vorstellung, das 5,44 Meter lange und 2,03 Meter breite Schiff in Stuttgart-Süd zu bugsieren, erweckt dagegen ein weniger gutes Bauchgefühl. Ganz zu schweigen von den Autobahn-Baustellen, deren Fahrspuren in Deutschland ja auch gerne mal zwei Meter breit sind. Das würde für den Tanoak nicht ausreichen – der müsste rechts fahren.

Doch bislang steht ja noch nicht einmal fest, ob der Atlas überhaupt in Serie gebaut wird. Sollte dies mal der Fall sein, werden wir den Tanoak selbstverständlich in aller Ausführlichkeit testen. Für den Coolness-Faktor der Studie gibt’s von uns jedenfalls einen Daumen nach oben. Das Feeling ist da.

Design lebt von animierter Beleuchtung

Bis zur B-Säule gleichen sich Pick-up und Atlas natürlich stark. Die Radlaufverbreiterungen aus robustem Kunststoff sind allerdings extra für den Pick-up gestaltet, eigene Wege gehen die Atlas-Versionen ab der B-Säule. Nahezu unsichtbar in die C-Säulen integrierte hintere Türgriffe kaschieren die Fondtüren. Das lässt die Doppelkabine samt besonders lang wirken. Kabine und Cargo-Box hängen beide an einer markant gestalteten Fuge optisch zusammen.

VW Atlas Tanoak Foto: VW
Die auffällige LED-Beleuchtung prägt die Heckansicht des Tanoak.

Der Knaller ist aber die animierte Beleuchtung am Heck. Mit dem Aufschließen dimmt zuerst das VW-Logo auf, von der Mitte nach außen „öffnen“ sich dann die zwei roten LED-Streifen unter- und oberhalb der Heckklappe; sobald sie die LED-Rückleuchten erreichen, werden auch diese aktiviert. Währenddessen „wischen“ die LEDs der zwei Streifen für einen kurzen Moment noch einmal punktuell von außen nach innen, bis schließlich alle LED-Elemente leuchten, was dem Tanoak ein charakteristisches Nachtdesign verleiht. Auch vorn geht nicht einfach das Licht an: Mit dem Öffnen des Atlas Tanoak dimmt das weiß beleuchtete VW-Logo auf; von dort aus „läuft“ das weiße Licht über die zwei Kühlergrill-LED-Querspangen in die Umrandung der Scheinwerfer. Am Ende sind auch die LED-Scheinwerfer und die sechseckigen LED-Tagfahrlicht-Elemente im Stoßfänger aktiviert.

Interieur mit digitalem Cockpit

Ähnlich wie im Cross Sport sind Instrumente und Bedienung weitgehend digitalisiert, aber die Bedienelemente tragen durch die Kombination aus digitalen Touch-Flächen und robusten Kipp-Tastern (zum Beispiel im Klimapanel, der Dachkonsole und der Bedienung der Allrad-Modi) dem robusteren Charakter Rechnung.

VW Atlas Tanoak Foto: VW
Das Cockpit hat Ähnlichkeit mit dem des Atlas Cross Sport.

In der Doppelkabine des Tanoak ist Platz für Fünf, wobei man im Fond ein wenig aufrechter sitzt als beispielsweise im Cross Sport. Auch der Knieraum hinten wirkt etwas weniger üppig als im gleichzeitig präsentierten SUV-Coupé. Aber dafür wirkt die enorm hohe Sitzposition vorne enorm chefmäßig und das Cockpit so modern, wie es die Bilder hatten erahnen lassen. Das Leder auf den Sitzen im Concept Car ist supersoft und fühlt sich extrem angenehm an. Aber der eigentlich Knaller kommt wird beim Blick aus der Heckscheibe offensichtlich: Die Ladefläche ist rund 1,63 Meter lang, 1,45 breit (1,28 Meter Durchladebreite zwischen den Radhäusern) und 53 hoch. Bei offener Ladeklappe fast schon ein Doppelbett (die Klappe misst 66 Zentimeter und verlängert die Ladefläche auf 2,29 Meter) – oder Platz für den neuen Wäschetrockner, obwohl Waschmaschine, Geschirrspüler und Herd schon aufgeladen sind. So profane Transportideen hat VW für das Showcar natürlich nicht. Da ist die Ladefläche für Bikes, Boards und kleinere Boote gedacht. Dazu hat VW einen Cargo-Bügel entwickelt, der aus seiner Ruheposition im Heckfensterbereich der Doppelkabine herausgelöst und auf den Seitenwänden der Cargo-Box verschoben werden kann. So könnten beispielweise Kanus über Fixierpunkte im Cargo-Bügel und am Dach des Atlas Tanoak sicher befestigt werden. Unter der Ladefläche gibt es Platz für ein vollwertiges Reserverad statt es in einer Reserveradmulde wie beim SUV aufzubewahren – damit das Ersatzrad auch bei voller Beladung zugänglich bleibt.

Für Europäer mag schwer vorstellbar sein, dass Autofahrer so viel Platz brauchen, aber das Design könnte auch in der alten Welt Anklang finden und wirkt erheblich glamouröser als das des pragmatischen Amarok. Da der nicht in den USA gebaut wird, findet der erheblich kleinere und nicht auf dem MQB basierende Amarok aufgrund hoher Zölle schon ohne Trumpsche Einfuhrstrafen nicht auf den US-Markt. Das wäre bei einem Serien-Tanoak anders. VW würde ihn wie den Atlas in Chattanooga produzieren.

Automatik und Allradantrieb

Benannt ist der Tanoak übrigens nach einer Baumart, die an der US-Pazifikküste beheimatet ist und bis zu 45 Meter hoch wird. Er würde gut in den mittleren Westen passen, wo die meisten Kunden Autos der volumenstärksten Fahrzeugklasse des nordamerikanischen Marktes kaufen. Passend zum robusten Mobilitätsbedürfnis mit großen Reichweiten verzichtet der Tanoak auf Hybridantrieb, wie sie VW mit dem Cross Sport zeigt. Den Tanoak treibt der 3,6-Liter-VR6-Benziner mit 280 PS an, der auch im Atlas die Spitzenmotorisierung darstellt. Sein maximales Drehmoment von 350 Nm leitet er über die Aisin-8-Gang-Automatik variabel an beide Achsen weiter. Mit dem Alllradantrieb soll der Tanoak den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,8 s schaffen.

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Über einen Fahrprogrammschalter lassen sich verschiedene On- und Offroad-Modi einstellen. Außerdem hat der Pick-up anders als der Atlas-SUV eine Untersetzungsstufe – mechanischer Grip ist Trumpf bei der anvisierten Klientel. Einziges Manko: Ernstzunehmende Konkurrenten wie etwa der Ford F-150, das meistverkaufte Auto in den USA, haben alle einen Leiterrahmen, eine altertümlich aber stabile und besonders belastungsfähige Konstruktion. Ob sich der MQB für ähnlich hohe Nutz- und Anhängelasten auslegen ließe? VW gibt zu, dass ein MQB-Pick-up eher die Lifstyle-Seite des Pick-up-Segments bedienen würde – so wie etwa der Honda Ridgeline, der als Pick-up ohne Leiterrahmen auf der Website des Herstellers eher mit Crossmotorrädern oder anderen Freizeitgeräten statt mit Baumaterial posiert.

Je nachdem wie der Zuspruch auf die Studie ist, würde VW rechnen müssen, welche Stückzahlen ein Lifestyle-Pick-up schaffen könnte und ob sich die Investitionen des dann dritten Atlas-Modells rechnen könnten. Vorteil des Tanoak: Die Technik wäre nah an der des Atlas und der Investitionsaufwand überschaubarer. Aber erstmal fehlen noch möglichst viele hochgereckte Daumen vom Publikum.

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