VW Brasilien

Konflikt geht weiter

Foto: Archiv

Der Konflikt um die Umstrukturierung von Volkswagen in Brasilien hat sich weiter zugespitzt. Die gewerkschaftlich organisierten Angestellten des Autoherstellers wiesen am Dienstagabend (22.8) bei einer Abstimmung in Sao Bernardo im Bundesland Sao Paulo ungeachtet eines Ultimatums der Firmenleitung die Pläne von VW zur Entlassung von rund 3.600 Arbeitern in den nächsten zwei Jahren kategorisch zurück.

"Diese Pläne zu akzeptieren würde bedeuten, dass wir das Tor zur Hölle für die gesamte Autoindustrie in Brasilien öffnen", erklärte der Präsident der regionalen Metallarbeiter-Gewerkschaft, José Lopes Feijóo. Man sei bereit, mit Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen gegen die Firmenpläne zu kämpfen. Erst am Montag hatte VW do Brasil seinen Angestellten ein Ultimatum gestellt. Man werde die Fabrik in Anchieta - die erste und traditionsreichste von VW im südamerikanischen Land - schließen und statt 3.600 mindestens 6.000 Angestellte entlassen, wenn die Umstrukturierungspläne nicht akzeptiert würden, hieß es.

Bei der Versammlung in der Fabrik Anchieta seien nun einstimmig neue Vorschläge gebilligt worden, die der Firmenleitung präsentiert werden sollen, erklärte Feijóo. Man wolle unter anderem über Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und zur Senkung der Produktionskosten sprechen. Auch könne man ein Programm mit Anreizen zur freiwilligen Aufgabe des Arbeitsplatzes erörtern.

Vollversammlung am Samstag (26.8.)

"Wir setzen auf neue Verhandlungen mit dem Unternehmen bis Freitag. Bei einer Vollversammlung wollen wir am Samstag dann die Ergebnisse der Gespräche auswerten und eventuell neue Kampfmaßnahmen beschließen", erklärte der Gewerkschaftsführer. Das schlechte Management trage die Schuld für die Probleme von VW in Brasilien.

Im Mai hatte VW do Brasil ein Umstrukturierungsprojekt bekannt gegeben, bei dem in den nächsten zwei Jahren mindestens 3.600 Stellen gestrichen, Arbeitsvergünstigungen gekürzt und möglicherweise auch eine der fünf Fabriken in Brasilien geschlossen werden sollen. "Unser Mutterhaus in Deutschland meint, dass wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben", sagte damals der Präsident der VW-Tochter, Hans-Christian Maergner.

Probleme gibt es bei VW do Brasil vor allem durch die Aufwertung der brasilianischen Währung Real, die den Export belastet, und die gestiegenen Rohstoffkosten. Die Metallarbeiter-Gewerkschaften teilten mit, man befürchte die Streichung von mehr als 6.000 der insgesamt fast 22.000 Stellen. Laut Maergner wird VW do Brasil frühestens 2007 wieder Gewinne erzielen.

Der Präsident von VW do Brasil erwartet zudem eine Abnahme der Exportzahlen um 40 Prozent bis 2008 im Vergleich zu 2005. Im vorigen Jahr waren rund 260.000 Fahrzeuge ins Ausland verkauft worden - vor allem nach Lateinamerika, USA/Kanada und Europa. Brasilien selbst ist mit über 380.000 Auslieferungen der drittgrößte Markt für den Volkswagen-Konzern nach Deutschland und China.

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