VW fordert Nullrunde - Neues Vergütungssystem ab 2005

Update ++ Weitere Details ++ Europas größter Autokonzern Volkswagen will in den kommenden sechs Jahren insgesamt 2,04 Milliarden Euro an Personalkosten sparen. Die mehr als 100.000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken sollen dafür über 24 Monate auf Einkommenserhöhungen verzichten.

"Es besteht kein Spielraum für Entgelterhöhungen", sagte Personalvorstand Peter Hartz am Montag (23.8.) in Wolfsburg. Die IG Metall verlangt vier Prozent höhere Einkommen und mehrjährige Jobgarantien. Ab 2005 will VW ein neues Vergütungssystem einführen.

Einkommen: 30 Prozent variabel

Eine rechtlich verbindliche Beschäftigungsgarantie über mehrere Jahre lehnt das Unternehmen ab. Es gehe vielmehr um eine Selbstverpflichtung, auf die sich die Mitarbeiter verlassen könnten, sagte Hartz. VW will zudem sein Vergütungssystem radikal vereinfachen. Das Einkommen bei VW soll künftig aus 70 Prozent festen und 30 Prozent variablen Anteilen bestehen. Das Volumen der Arbeitszeitkonten soll von jährlich 200 auf 400 Stunden ausgeweitet werden. Auszubildende sollen rund 20 Prozent weniger verdienen, dafür will der Konzern die Zahl der Azubi-Plätze um 20 Prozent erhöhen.

Von aktuell 22 Entgeltstufen und mehr als 4.000 Tätigkeitsbeschreibungen sollen lediglich zwölf Einkommensgruppen übrig bleiben, sagte Hartz. Hierarchien sollten abgebaut und so genannte "Job Families" für neue Beschäftigte eingeführt werden. Damit ist gemeint, dass eine Gruppe mit vergleichbaren Kenntnissen und Erfahrungen zusammenarbeitet. Durchschnittlich würden Mitarbeiter dann bei VW zwischen 28,8 und 30 Stunden pro Woche arbeiten.

Neue Wege bei der Gesundheitsversorgung

Das insgesamt sieben Punkte umfassende Konzept, mit dem VW in die in drei Wochen beginnenden Verhandlungen mit der IG Metall geht, will Hartz in den kommenden sechs Jahren umsetzen. Damit könnte der Konzern seine Arbeitskosten um 30 Prozent verringern. "Nun gilt es, parallel die Wettbewerbsfähigkeit der 176.544 Arbeitsplätze des Konzerns in Deutschland durch nachhaltige Tarifstrukturen zu sichern", sagte Hartz.

VW müsse sich dem weltweiten Konkurrenzkampf stellen. "Vor allem der europäische Automarkt enttäuscht. Insbesondere in Deutschland zeichnet sich nach drei Jahren Stagnation noch immer keine Belebung ab." Dem Autokonzern VW macht der starke Euro zu schaffen. VW werde durch Wechselkursschwankungen, die das Unternehmen gegenüber den im Dollar-Raum produzierenden Wettbewerbern habe, stark benachteiligt, sagte der Personalvorstand.

Zudem sei die Differenz zwischen den Lohnkosten in den deutschen und ausländischen VW-Werken zu groß. Hartz will den Wettbewerb unter den Standorten fördern. Durch ein "Co-Investment" könnten einzelne Werke Sparmaßnahmen erbringen, um beispielsweise im konzerninternen Rennen um neue Produkte vorne zu liegen.

Neue Wege will der Konzern in der Gesundheitsversorgung gehen. Die Mitarbeiter sollen "Gesundheitsbausteine" erhalten, mit denen medizinische Angebote und Versicherungsleistungen bezahlt werden können. "Im Gegenzug gleicht die Belegschaft die Krankheitskosten pauschal durch zusätzliche Arbeitszeit oder Verrechnung von Tarifleistungen aus", sagte Hartz.

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