Neuer VW Golf VIII (2019)

So kommt die nächste Generation

Erlkönig VW Golf 8 Foto: Stefan Baldauf 25 Bilder

Mit dem Modellwechsel 2019 wird sich der neue Golf optisch stärker vom Vorgänger unterscheiden, als das zuletzt der Fall war. Technisch entwickelt er sich zum Kompaktklasse-Passat. Was VW für die 8. Generation plant, lesen Sie hier.

Erinnern wir uns: 2012 kam der VW Golf VII auf den Markt, das erste Modell von VW mit dem sogenannten Modularen Querbaukasten (MQB). Auf dieser hochflexiblen Architektur basieren künftig alle Modelle von Polo bis Passat samt ihrer Derivate. Die Vereinheitlichung verschiedener Baugruppen wie Antrieb, Fahrwerk, Assistenz- und Infotainmentsysteme soll unter anderem die Komplexität und Kosten senken.

VW Golf VIII Foto: Schulte
Der VW Golf VIII ist noch als Golf zu erkennen. Auch wenn er optisch in der neuen Generation stark überarbeitet wird.

Mittlerweile wurden fast alle Golf-Ableger und Antriebsvarianten einschließlich Erdgas-, Elektro- und Plug-in-Hybrid-Version präsentiert, einschließlich des Passat und des Tiguan. Nahezu alle Technik-Features, die der neue Passat dem Golf noch voraushat – wie etwa das frei programmierbare Instrumentendisplay, der Fußgängerassistent oder die nächste Infotainment-Generation –, kommen dank MQB ohne großen Mehraufwand dem VW Golf zugute – zum Teil schon beim Facelift. Noch weiter geht die nächste Generation: Der Golf VIII erscheint 2019, etwas früher als ursprünglich geplant.

VW Golf VIII ist leichter und sparsamer

Diese soll sich zudem optisch deutlich stärker vom aktuellen VW Golf unterscheiden als dieser von seinem Vorgänger. Das wollen die Designer mit veränderten Proportionen (etwas breiter und flacher) und markanteren Details (etwa Scheinwerfer) erreichen, wenngleich ihnen nicht allzu viel Spielraum bleibt – auch der nächste Golf muss sofort wieder als solcher erkennbar sein.

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Und er muss sparsamer werden, schließlich sinkt das Limit für den CO2-Ausstoß ab 2020 auf 95 g/km. Gerade der VW Golf als wichtiges Volumenmodell muss bei den Wolfsburgern für dieses Ziel einen kräftigen Beitrag leisten. Mit Modellgeneration acht will VW zudem das Fahrzeuggewicht noch mal um rund 50 Kilogramm senken. Außerdem wurde die Aerodynamik nochmal angepasst, Bisher unterbieten zwar einzelne Varianten wie der e-Golf, der GTE-Hybrid, der TGI (Erdgas) und der Bluemotion-TDI diese Marke, aber mit dem Einliter-Dreizylinder kommt nur ein Benziner im Golf als TSI Bluemotion unter die 100-Gramm-Schwelle. Aber, einen Golf-e wird es nicht mehr geben, stattdessen wird VW den I.D. in der Kompaktklasse anbieten. Auch die im Polo eingesetzten Dreizylinder-TDI und der 1,4-Liter-TSI halten nicht mehr Einzug in den Golf.

Mild-Hybrid im neuen Golf 8

Dafür gibt es aber jede Menge andere Antriebs- und Hybridvarianten. So markiert ein neuen 48V-Mildhybrid als Niedervolt-Hybridsystem (mHEV )im VW Golf 8 ab 2019 den Start zur Elektrifizierung konventioneller Antriebe. Der neue Antriebsstrang wird zunächst im Golf und in der I.D.-Familie eingesetzt und dann sukzessive über die gesamte Modellpalette ausgerollt. Das System kombiniert den Verbrennermotor mit einem 48V-Riemenstarter-Generator (RSG) und einer 48V-Batterie. Das erlaubt durch „segeln“ mit abgestelltem Motor rund 0,3 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer einzusparen. Gleichzeitig bietet der Mild-Hybrid durch den elektrischen Boost beim Anfahren eine verbesserte Dynamik. Die per Rekuperation gespeiste 48V-Lithium-Ionen-Batterie gibt ihre Energie an den Startergenerator ab, aber auch über einen DC/DC-Wandler an der nach wie vor vorhandenen 12V-Bordnetz.

Ob auch der mHEV plus schon im nächsten Golf den Sprung in den Serieneinsatz schafft, steht derzeit noch nicht fest. Diese Antriebsvariante besitzt ebenfalls einen 48-Volt-RSG, verfügt zusätzlich aber über einen 48-Volt-Achsantrieb. Das Modell kann damit also im niedrigen Lastbereich – wie beim Parken – rein elektrisch fahren. Zudem erweitert der Achsantrieb die Möglichkeiten beim Segeln und kann sowohl an der Vorder-, als auch an der Hinterachse angreifen. Es kann damit also auch eine Art Allradantrieb realisiert werden.

Audi-Motor und TGI-Aggregat mit 160 PS

Es wird aber auch reine Ottomotoren im Golf 8 geben. Diese sollen zum Großteil auf dem neuen Motor EA 211 evo basieren. Das neue Aggregat ist in aktuellen Modellen bereits in der Version mit 1,5 Liter Hubraum bekannt. Es bietet aber viele Möglichkeiten, mit höheren Leistungen, kleineren Hubräumen und weniger Zylindern – beispielsweise als Einliter-Dreizylinder – eingesetzt zu werden. Besonderheiten, die Verbrauch und Emissionen senken, sind unter anderem das Miller-Brennverfahren sowie ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie. Zudem sollen alle Ottomotoren zukünftig einen Benzinpartikelfilter bekommen. Der 2.0 TSI aus dem Audi-Regal wird voraussichtlich noch weiter im Portfolio bleiben.

Weiterhin ist für den Golf 8 wieder ein Erdgasantrieb geplant, im Gegensatz zum aktuellen Modell dann auf Basis des neuen EA 211 evo. In einem Prototypen als 1,5 Liter TGI mit 160 PS (118 kW) und 250 Newtonmeter Drehmoment gab VW jüngst die Möglichkeit zu ersten Probefahrten. Details zu den für die Serie vorgesehenen Motorleistungen verrieten die Entwickler dabei zwar noch nicht, der Antrieb wirkte aber sehr vielversprechend und erfreute vor allem mit guten Durchzug. Doch das beste Argument für CNG dürfte die Möglichkeit sein, den Kraftstoff synthetisch und nahezu CO2-neutral herstellen zu können.

NOx-Kat und SCR-Kat ab 2019 in Golf 8-Diesel

Bis solche Verfahren auch für Diesel serienreif sind, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Trotzdem wird es verschiedene Selbstzünder im Programm geben. Allerdings wird sich VW nach eigenen Aussagen auf die größeren Motoren beschränken. Um bei den verbleibenden Motoren das Abgas zu reinigen, sollen alle Modelle zukünftig einen SCR-Kat mit AdBlue-Einspritzung bekommen. Da dieses System aber vor allem in der Kaltlaufphase, im Kurzstrecken- und Stadtbetrieb nicht optimal arbeiten kann, plant VW ab der Zulassung nach Euro 6d ein Kombisystem aus NOx-Speicherkat und SCR-Katalysator einzusetzen. Ab 2019 soll es in allen Dieselmodellen zum Einsatz kommen.

Neuer Golf 8 wird schlanker

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Rein wirtschaftlich betrachtet muss VW natürlich sämtliche Assistenzsysteme und Technologien am besten schnell über die gesamte Modellpalette ausrollen. Und ein zuverlässig und clever agierendes Navigationssystem kann den VW-Golf-Alltag ebenso vereinfachen, wie ihn der Notbremsassistent sicherer machen kann. Ob nun eine 360-Grad-Rundumsicht wirklich nötig ist, sei dahingestellt. Wichtig ist aber, dass die Golf-Käufer die Extras auch bestellen. Ob das die kostengetriebenen Fuhrpark-Manager machen? Wohl kaum. Und für Privatkunden sind viele Systeme schwerer greifbar als etwa schicke Räder, wie Ford lernen musste, als der Focus mit neuen Assistenzsystemen auf den Markt kam. Dennoch, der neue VW Golf VIII erhält ein aktives Lichtsystem, Adaptive Cruise (ACC) sowie eine Head-up-Display.

VW Golf bekommt Druck von Premium-Konkurrenz

VW kommt in Bewegung – nachdem der letzte Modellwechsel des VW Golf eher mau ausgefallen war. Aber die Marke muss auf den Angriff von BMW und Mercedes in dieser Klasse reagieren. Die drücken teure Oberklasse-Extras mit Wucht in 2er und A-Klasse – weil sich so gut Kasse machen lässt.

VW Golf Händler Summit Foto: VW
Im Vordergrund: Beschaffungsvorstand Ralf Brandstätter. Im Hintergrund: Die erste Zeichnung des neuen VW Golf 8?

Die Bedeutung des neuen Golf 8 macht sich auch schon in der Vorserienphase bei VW bemerkbar. So lud das Unternehmen zu einem „Golf 8 Supplier Summit“ in die Volkswagen Areana ein. 180 Top-Manager der 120 wichtigsten Zulieferer erhielten erste Einblicke und Informationen zum Golf 8 von Beschaffungsvorstand Ralf Brandstätter. „Die Produkteinführung der kommenden Golf-Generation ist neben der I.D.-Familie die strategisch bedeutsamste für die Marke.“ Im Anschluss an die Lieferantenauswahl startet nun die nächste Phase der gemeinsamen Arbeit mit den Lieferanten, um einen stabilen Anlauf des Golfs zu gewährleisten. „Wir sind in der entscheidenden zweiten Hälfte des Projektes,“ so Brandstätter. Positiv sei für Volkswagen und Zulieferer gleichermaßen, dass 80 Prozent aller Golf 8-Lieferanten bereits beim aktuellen Golf unter Vertrag stehen, erklärte Brandstätter: „Das ist ein Zeichen für große gegenseitige Loyalität, schafft eine breite Vertrauensbasis und mehr Planungssicherheit.“ Das Unternehmen investiert 1,8 Milliarden Euro in die Modellfamilie der neuen Golf-Baureihe.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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