VW I.D. Vizzion (2021)

Autonomer Elektro-Phaeton mit großer Klappe

VW I.D. Vizzion VW I.D. Vizzion VW I.D. Vizzion VW I.D. Vizzion 41 Bilder
Auto Salon Genf 2018

VW zeigt das vierte I.D.-Modell. Die viertürige Limousine soll bereits 2021 auf den Markt kommen – dann aber nicht autonom fahrend wie das Concept Car, das auf dem Genfer Salon debütiert.

Zu den drei bisher bereits gezeigten Elektroautos, dem kompakten I.D., dem SUV-artigen I.D. Crozz und dem Van I.D. Buzz, hat VW noch zwei weitere versprochen: Einen großen SUV (Name bisher: Lounge) sowie eine große Limousine der Oberklasse (Name bisher: Aero). Die steht jetzt auf dem Genfer Autosalon (ab 8. März) – als Idee eines nach Level 5 autonom fahrenden Reiseautos. Der I.D. Vizzion ist aber mehr als eine Sammlung von Zukunftsideen.

Form und Antrieb kommen 2021 in Serie

VW I.D. Vizzion Foto: VW
VW-Chef-Designer Klaus Bischoff (hinten) verspricht: Der Vizzion geht (fast) so in Serie.

VW-Chef-Designer Klaus Bischoff meint sogar: „Gehen Sie mal davon aus, dass der so kommt. Das Serienauto wird zwar nicht ganz so lang, aber die Proportionen und das Design bleiben“. Bei der Länge von 5,16 Metern darf man wohl bis zum Serienstart 2021 mit einem Minus von gut zehn Zentimetern rechnen. Die Breite von 1,95 Meter wird vermutlich weniger schrumpfen, die Höhe von knapp 1,51 Metern kaum. Selbst die 24 Zoll großen Räder sind realistisch. Die tragen nicht unerheblich zum beeindruckenden Auftritt des I.D. Vizzion bei, der allerdings auch von der schieren Größe, der tief gezogenen Front und der bis in die Flanke herumgezogenen LED-Beleuchtung geprägt wird. Cool: Die bei der Studie bestehen die Türgriffe aus LED-Streifen – die Leuchtstreifen verlaufen so, dass sie mit denen vorn und hinten auf einer Linie liegen. Mal sehen, ob es dieses Detail des Designs bis in die Serie schafft.

Im Serienauto wird’s dann trotz Stufenheck eine praktische große Heckklappe geben – wie beim Arteon, mit dem der I.D. Vizzion zumindest leichte Ähnlichkeit hat. Beim Vizzion verbirgt sich dahinter ein 565 Liter großer Kofferraum. Neben der Beliebtheit von Limousinen in den angestrebten Hauptmärkten China und USA haben Limousinen einen für E-Autos nicht unerheblichen Vorteil: Das Stufenheck ist aerodynamisch grundsätzlich günstiger. Dass Concept Car ist zwar noch nicht vermessen, aber als Zielwert hat Bischoff einen cW-Wert von 0,23 stehen – „den schaffen wir“, sagt der Designer.

306 PS wie der I.D. Buzz

Technisch basiert auch die neue Oberklasse-Limousine auf dem Modularen Elektro Baukasten (MEB). Entsprechend des gewaltigen Radstands von 3,10 Metern ist für das Showcar die größte Stufe der skalierbaren Batterie im Fahrzeugboden vorgesehen. Das ergibt dann satte 111 kWh Stunden Kapazität und eine theoretische Reichweite von „bis zu 665 Kilometern“ (nach NEFZ). Das entspräche einem Verbrauch von rund 16,7 kWh pro 100 Kilometer. Für ein so großes Fahrzeug sind 25 kWh/100 km realistischer. Das ergäbe dann immer noch mehr als 440 Kilometer Reichweite.

Modularer Elektrobaukasten (MEB)
VWs E-Autos so günstig wie Diesel

Der Antrieb entspricht dem des I.D. Buzz: Die große Batterie versorgt einen 75-kW-Motor vorn und einen mit 150 kW hinten. Die Systemleistung des Allradlers gibt VW mit 225 kW (306 PS) an. Das soll den Vizzion in 6,3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen können. Für die autonome Variante stellt sich VW eine bei 180 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit vor.

Künstliche Intelligenz fürs Auto und den Butler

Apropos autonom: Die Studie in Genf hat weder ein Lenkrad noch ein klassisches Cockpit. Die scheunentor-weit öffnenden Schmetterlingstüren geben den Blick frei auf ein viersitziges, loungeartiges Interieur mit hochflorigem Teppich und vier Integralsitzen, die mit Leder „Saint-Tropez“ bezogen sind. Es fühlt sich herrlich weich an. Auf quasi schwebenden Tischchen zwischen den vier Einzelsitzen in Fahrtrichtung thront ein großer, bunt schimmernder Knopf mit Chromrand als einzig sichtbares Bedienelement. Er dient aber nur als Fallback-Lösung, falls die Bedienkonzepte der Zukunft grad mal nicht funktionieren oder eben doch nicht so zukunftsträchtig sind. Gegenwärtig stellt man sich hierfür noch eine besonders ausgefuchste Sprachsteuerung vor, die ein virtueller „Host“, also etwas wie ein elektronischer Butler bzw. wie Amazons Alexa, versteht. Der Butler ist genauso mit künstlicher Intelligenz versehen, wie die Elektronik zum autonom Fahren. So soll er die Passagiere mit der Zeit immer besser verstehen und der Vizzion soll nach und nach immer sicherer Fahren.

VW I.D. Vizzion Foto: VW
Futuristisch: Der Bedienknopf auf der Armlehne.

Für mögliche Eingriffe eigenwilliger Passagiere soll eine Art Gestensteuerung bereit stehen. Wobei die eher nach klassischen Menüprinzipien funktioniert: Eine AR-Brille wie die HoloLens von Microsoft projiziert Bildschirminhalte ins Blickfeld derer, die den Vizzion bedienen wollen und eine solche Brille tragen. Die Menüpunkte oder Symbole können durch „Berührung“ ausgewählt werden – das soll funktionieren wie bei einem Touchscreen, aber halt ohne Bildschirm. Hilfreich, wenn die Sitze in die fast liegende Relax-Position gleiten – dann müssen sich die Passagiere nicht mühsam aufrichten, um den Touchscreen zu erreichen.

Platz zum Liegen im Innenraum

Natürlich tun fehlender Touchscreen, Instrumente oder Bedienelemente dem Raumgefühl gut. Aber das Platzangebot ist auch dessen ungeachtet riesig. Es ist wie bei den anderen I.D.-Modellen: Dank der platzsparenden elektrischen Antriebstechnik sind sie innen eine Fahrzeugklasse größer als außen. Beim Vizzion heißt das in etwa: Außen so groß wie ein Phaeton, bietet er ein Interieur mindestens so geräumig wie das eines Phaeton mit langem Radstand. Die Geräuschlosigkeit des Antriebs und der riesige Radstand sollen das Reisen im Vizzion aber erheblich komfortabler machen. Nur die Sitze schauen alle noch in Fahrtrichtung. „Einen Fahrersitz gibt es ja nicht mehr. Drum sind die besten Plätze zum Chauffiertwerden jetzt vorn“, so Bischoff.

Wer da nicht erkannt werden will oder sich einfach nicht ins Auto gucken lassen möchte, der kann die Scheiben binnen 200 Millisekunden so abdunkeln, dass von außen nicht mal mehr klar ist, ob im Auto ein Licht brennt – das futuristische Interieur wird unsichtbar. Was bleibt ist die äußere Form der großen Elektro-Limousine. Wer weiß, vielleicht macht die auch Spaß, wenn sie 2021 nur mit Autonom-Fähigkeiten nach Level 3 auf den Markt kommt und dafür noch ein Lenkrad und Pedale hat.

Fazit

Es wirkt wie ein Zahlendreher: Das Tesla Model S kam 2012 auf den Markt, VWs Parallelmodell I.D. Vizzion soll als elektrische Oberklasse-Limousine erst 2021 starten. Aber auf den zweiten Blick schrumpft der Abstand – zumindest was die E-Autos insgesamt angeht: Der kompakte I.D. als massentaugliches Modell, erheblich günstiger als das Model 3, soll Ende 2019 auf die Straßen rollen. Teslas Model 3 wird vor allem in Europa nicht früher dran sein – zu groß sind die Produktionsprobleme der Amerikaner. VW produziert seit Jahrzehnten massenhaft Autos. Und den elektrischen Antrieb setzen die Wolfsburger jetzt konsequent mit einem skalierbaren Baukasten um, der massenhafte Absatz wird kommen. Wenn nicht in Europa, dann in China. 60 Prozent aller I.D.-Modelle werden dorthin gehen – um die E-Auto-Quote (ab 2019 steigend) dort zu erfüllen. Der Vizzion dürfte den Chinesen gefallen, die sich gerne chauffieren lassen.

Und der Preis? Beim I.D. bot VW als Orientierung: So teuer wie ein gleichstarker Diesel. Einen Diesel-Arteon mit 306 PS gibt es nicht, der mit 240 PS und Allradantrieb kostet gut rund 52.000 Euro. Mehr Leistung, mehr Platz, mehr Komfort, keine Fahrverbots- und 2021 vielleicht auch kaum mehr Lade-Sorgen – 65.000 Euro klingen nicht unrealistisch. Das günstigste Model S mit 320 PS kostet aktuell gut 70.000 Euro.

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