VW Käfer

Der Erste lebt

Nach 60 Jahren gibt es wieder einen "VW 30" – das Wolfsburger Automuseum von Volkswagen präsentierte am Montag (16.9 ) den Prototypen des Käfers.

Nach 60 Jahren gibt es wieder einen „VW 30“ – das Wolfsburger Automuseum von Volkswagen präsentierte am Montag (16.9 ) den Prototypen des Käfers. „60 Jahre gab es eine entscheidende Lücke in der VW-Typologie“, sagt der Leiter des Automuseums von Volkswagen, Bernd Wiersch. Nur wenige Fotos und einige Zeichnungen existierten von den ersten Versuchswagen, die Ferdinand Porsche in den dreißiger Jahren bauen ließ. Nun ist die Lücke geschlossen und zur Enthüllung des Nachbaus kam auch Herbert Kaes, ein Neffe von Porsche.

Der 89-Jährige ist der einzige Überlebende des zwölfköpfigen Konstruktionsteams. „Wolfsburg gab es damals noch nicht. Wir haben die Reihe in der Privatgarage meines Onkels in Stuttgart gebaut“, erinnert sich Kaes. 30 Versuchsautos – daher der Name „VW 30“ – wurden in dieser ersten Kleinserie gebaut. Zuvor hatte Porsche schon drei Volkswagen – namens „VW 3“ – gebaut. Im Gegensatz zu diesen Ur-Käfern hatten die „VW 30“ als erste eine einheitliche Technik, vor allem den luftgekühlten Boxermotor, der von 1941 an in Serie gebaut wurde.

Etwa 2,4 Millionen Versuchskilometer rollten die „VW 30“ über die Straßen, bevor in Wolfsburg die Produktion in Reihe beginnen sollte. Doch die von den Nationalsozialisten geplante Massenproduktion eines Volkswagens wurde durch die Fertigung von rund 70.000 eckigen Kübelautos für das Militär ersetzt. Bis Kriegsende wurden nur 630 „normale“ Käfer gebaut. „Auf Befehl der Reichsregierung wurden 1942 dann alle noch vorhanden Prototypen vernichtet“, berichtet Wiersch. Warum ist unklar – in dem totalitären Staat fragte niemand nach Gründen.

Rekonstruiert werden sollte der „VW 30“ eigentlich schon 1998. Zunächst erhielt jedoch ein Projekt für die im Jahr 2000 eröffnete VW-Autostadt in Wolfsburg Vorrang, für die der Rekonstrukteur Werner Zinke aus dem sächsischen Zwönitz einen „VW 3“ baute. Seine Erfahrungen mit dem Urmodell nutzten Zinke bei der Rekonstruktion des Nachfolge-Käfers aber nur bedingt. „Der erste Wagen hat ein Holzgerüst mit Stahlbelag, der “VW 30„ hat eine Vollstahl-Karosse.“

Hilfreich beim Nachbau war ein Windkanal-Modell aus den dreißiger Jahren. Mit dessen Daten und moderner Computertechnik konnten die Pläne für das historische Fahrzeug nachempfunden werden. Über den Preis des Nachbaus will Zinke keine Auskunft geben – teurer als ein Neuwagen ist er aber auf jeden Fall.

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