VW

Porsche-Einstieg als Überraschungscoup

Der Einstieg von Porsche beim angeschlagenen Volkswagen-Konzern wird in die Geschichte der Autoindustrie eingehen: Noch am Freitag hatten Börsianer und
Branchenexperten gerätselt, warum die VW-Aktie den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreichte.

Gerüchte kursierten, der US-Milliardär Kerkorian oder arabische Investoren griffen nach VW, doch die wahren Strippenzieher saßen rund 540 Kilometer von der niedersächsischen Provinz entfernt in Stuttgart-Zuffenhausen. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der mächtige Clan-Chef Ferdinand Piëch haben heimlich, still und leise einen Drei-Milliarden-Euro-Deal eingefädelt, der in der Branche schon jetzt als Sensation gilt.

Noch vor wenigen Tagen auf der Automesse IAA hatte Wiedeking der Konkurrenz Sand in die Augen gestreut und erzählt, Porsche gehöre noch immer zu den kleinen Herstellern, wolle nicht übermütig werden und seine ganze Kraft in die Entwicklung der vierten Baureihe Panamera stecken. Wie sich nun herausstellte, bastelten Piëch und Wiedeking aber schon lange daran, dass die kleine, aber hoch profitable Sportwagenschmiede dem global aufgestellten Konzern unter die Arme greift und vor einer feindlichen Übernahme schützt.

Porsche: Geringer Absatz, große Gewinne

Vom Absatz gesehen ist der Stuttgarter Premiumhersteller im Vergleich zum Massenanbieter VW tatsächlich ein Zwerg: Im vergangenen Geschäftsjahr verkaufte Porsche rund 88.000 Fahrzeuge - der VW-Konzern kam auf fünf Millionen. Beim Umsatz erwirtschaftet VW mehr als 13 Mal so viel wie Porsche - doch beim Vorsteuergewinn liegt Wiedeking mit rund 1,1 Milliarden Euro auf Augenhöhe mit VW-Chef Bernd Pischetsrieder.

Für Wiedeking und Piëch stellte sich angesichts milliardenschwerer Rücklagen und glänzender Geschäftsaussichten wohl die Frage, was man künftig mit dem vielen Geld anfangen sollte. "Der Spiegel" berichtete unter Berufung auf die von Wiedeking eingeschalteten Investmentbanker von Merrill Lynch, dass sich die VW-Investition für Porsche durchaus rechnen werde.

Denn Dividendeneinnahmen aus Industriebeteiligungen sind zu 95 Prozent steuerfrei: Schon bei der derzeit gezahlten VW-Dividende von 1,05 Euro je Stammaktie würde Porsche netto genauso viel verdienen wie bei einer reinen Anlage der drei Milliarden Euro an den Kapitalmärkten. Und gelingt bei VW unter Federführung von Wolfgang Bernhard die Sanierung, wird die Dividende künftig voraussichtlich deutlich höher ausfallen.

Zugleich betonte Wiedeking, der Einstieg sei auch eine "strategische Antwort" auf das Risiko, das VW nach dem erwarteten Wegfall des gleichnamigen Gesetzes, das vor einer feindlichen Übernahme schützt, zu einem Spielball von Finanzinvestoren werden könnte. Dieses Szenario wäre auch eine Gefahr für Porsche, da VW als Lieferant an rund einem Drittel des Porsche-Absatzes beteiligt ist. Der Porsche-Geländewagen Cayenne teilt sich die Plattform mit dem VW Touareg. Zudem wollen beide Unternehmen gemeinsam einen Hybrid-Antrieb entwickeln.

Piëch setzt sich ein Denkmal

Nach Ansicht von Branchenkennern hat VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Gesellschafter Ferdinand Piëch im Herbst seiner Karriere eine strategische Meisterleistung eingefädelt. "Das ist eine bärenstarke Aktion von ihm. Er kann seinen Großvater ehren, VW vor einer Übernahme schützen und hat Porsche eine gute Geldanlage beschert", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Piëch, der Enkel des Erfinders des VW-Käfers, Ferdinand Porsche, war in den vergangenen Jahren häufig kritisiert worden. Er investierte in seiner Zeit als VW-Chef (1993 bis 2002) Milliardensummen in den Kauf von Nobelmarken (Bugatti, Bentley) und in die Produktion des Oberklassenmodells Phaeton, mit dem er Mercedes und BMW angreifen wollte. Der Phaeton wurde ein Flop. Bereits vor vier Jahren hatte Piëch versucht, die Porsche-Gesellschafter zu einem strategischen Einstieg bei VW zu bewegen. Damals wollte die Familien
diesen Schritt noch nicht wagen. Jetzt hat sich Piëch mit diesem Coup voraussichtlich sein eigenes Denkmal gesetzt.

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