VW-Schmiergeldaffäre

Schusters Angola-Bluff

Foto: VW, dpa

Der lange Schatten der VW-Korruptionsaffäre hat Angola erreicht. Im ehemaligen afrikanischen Bürgerkriegsland stellt sie hoffnungsfrohe Planungen in Frage, die
Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster eingefädelt haben soll.

Über die in Washington registrierte Ancar Worldwide Investment Holding hatte er ein Projekt angestoßen, bei dem Bausätze für VW- und Skoda-Modelle preisgünstig in Luanda zusammengeschraubt werden sollten. An der dafür gegründeten Ancar Angola war die Holding mit 51 Prozent beteiligt. Den Rest hielten angolanische Investoren, zu denen neben einer Tochter von Präsident Eduardo Dos Santos auch der VW-Generalimporteur Antonio Moskito (Mbakassi & Filhos) gehörte.

Im Industriezentrum Viano am Rande der Hauptstadt Luanda sollten bis zu 2.500 Mitarbeiter bei dem ersten Automobilhersteller im Nachkriegs-Angola einen Arbeitsplatz finden. Es wäre zugleich die erste sichtbare deutsche Großinvestition in einem Land gewesen, das Schwarzafrikas zweitgrößter Ölförderer ist. Rund 48 Millionen Dollar sollten für Montagelinie, Teilelager, Ausbildungszentrum und Händlernetz investiert werden. Voller Stolz hatte VW am 27. Januar in einer Erklärung verkündet: "Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen wird den Markt in Angola für sich erschließen".

Eine Kapazität von täglich 160 Fahrzeugen war geplant, der Absatz sollte bis 2007 auf 20.000 Exemplare steigen. Für die wegen Ungereimtheiten beim Verbuchen der Petro-Dollar international unter Druck geratene Regierung in Luanda stellte das Vorhaben ein wichtiges beschäftigungspolitisches Projekt dar. Als die Informationen über die VW-Affäre in das südwestafrikanische Land schwappten, reagierten die Angolaner daher sofort.

"Vergangene Woche hat der Verwaltungsrat von Ancar Angola die Holding 'rausgedrängt", erklärte ein westlicher Diplomat in Luanda. In einer Anzeige der nationalen Tageszeitung Journal do Angola war zuvor bereits die vorläufige Suspendierung des deutschen Ancar-Leiters bis zur Aufklärung der Vorwürfe im VW-Skandal bekannt gegeben worden. Die neu aufgestellte Ancar Angola will jedoch an dem Projekt festhalten. Denn Angola importiert zur Zeit jährlich mehr als 100.000 Fahrzeuge - überwiegend Gebrauchtwagen. Und auf Bausätze entfallen keine Importzölle, so dass die zusammengeschraubten Neufahrzeuge als angolanische Autos günstig angeboten werden könnten.

Sollte VW nach Aufklärung der Vorwürfe seine Angola-Pläne umsetzen, kann es sich schon mal auf ein wahres Absatzgenie freuen. Noch heute berichten verblüffte Angolaner über das Meisterstück von VW-Importeur und Ancar-Teilhaber Mbakassi: An nur einem Abend hat er im vergangenen Jahr 38 Exemplare der Luxus-Limousine Phaeton verkauft! Stückpreis laut Liste: knapp über 60.000 Euro.

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