Weißrussland dreht den Ölhahn zu

Foto: GIW

Im Energiestreit mit Russland hat Weißrussland die Durchleitung von russischem Öl nach Deutschland und in andere EU-Länder gestoppt. In Deutschland, das etwa ein Fünftel seines Ölbedarfs über die Pipeline "Freundschaft" (Druschba) deckt, kam am Montag( 8.1.) kein russisches Öl mehr an.

Auch die Raffinerie PCK in Schwedt (Uckermark) erhält weiterhin kein Öl aus Russland. Die Versorgung durch die Pipeline Druschba ist seit Montag 06:00 Uhr unterbrochen. "Es gibt bisher keine offizielle Mittelung der Pipeline-Gesellschaft zu dem Lieferstopp", sagte Unternehmenssprecher Karl-Heinz Schwellnus am Dienstag in Schwedt. Daher könne auch nicht gesagt werden, wann das Öl wieder fließe.

PCK könne trotz der ausbleibenden Öl-Lieferung weiterarbeiten. Es gebe noch eigene Reserven. Zudem könne über eine Leitung aus Rostock Öl bezogen werden. In Schwedt werden laut Schwellnus täglich 31.000 Tonnen Rohöl verarbeitet. Durch die Leitung aus Russland fließen jährlich 22 Millionen Tonnen Öl zu den Raffinerien Schwedt und Leuna (Sachsen-Anhalt). Dies sei etwa ein Fünftel der gesamten deutschen Ölimporte. PCK verarbeitet nach eigenen Angaben rund jede zehnte in Deutschland eingesetzte Tonne Rohöl.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zeigte sich besorgt und rief die Regierungen in Minsk und Moskau dazu auf, die vereinbarten Lieferungen sicherzustellen. Versorgungsprobleme wurden jedoch nicht erwartet. Die bundesweiten Vorräte an Benzin, Diesel oder Heizöl seien ausreichend, um die Versorgung über mehrere Monate uneingeschränkt sicherzustellen, hieß es beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg.

Russland erwartet Weißrussen zu Verhandlungen im Ölstreit

Nach dem Lieferstopp für russisches Rohöl in Richtung Westen wollen Russland und Weißrussland am heutigen Dienstag über eine Beilegung ihres Energiekonflikts verhandeln. Der weißrussische Vize-Regierungschef Andrej Kobjakow flog am Morgen nach Moskau, wie das Außenministerium in Minsk mitteilte. Der weißrussische Regierungschef Sergej Sidorski wird am Mittwoch in Moskau erwartet.

Auslöser für den Streit zwischen den Ex-Sowjetrepubliken ist die Entscheidung Moskaus, die Subventionierung des bisherigen Verbündeten Weißrussland durch billige Gas- und Ölexporte zu beenden. Der vom Kreml kontrollierte Pipelinemonopolist Transneft stoppte nach eigenen Angaben am Wochenende die für den Westen bestimmten Rohölexporte. Als Begründung sagte der Transneft-Vize Sergej Grigorjew, Weißrussland verlange eine illegale Durchleitungsgebühr und verstoße damit gegen geltende Transitregeln.

Entgegen erster Äußerungen hob die weißrussische Seite im Ölstreit hervor, von sich aus keine Maßnahmen zur Blockade des Öltransits eingeleitet zu haben. Es gebe offenbar Missverständnisse mit Russland, die man so schnell wie möglich ausräumen müsse, teilte der weißrussische Staatskonzern Belneftechim mit.

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