Wiedeking

30 Prozent reichen

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Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sieht sein Unternehmen bei Volkswagen auch ohne eine Mehrheitsübernahme am Steuer. "Wir haben heute knapp unter 30 Prozent. Das reicht, um unsere Interessen durchzusetzen", sagte Wiedeking der "Welt am Sonntag".

"Angesichts der relativ geringen Präsenz auf deutschen Hauptversammlungen muss man nicht unbedingt 50 Prozent besitzen." Voraussetzung sei allerdings, dass das VW-Gesetz fällt, das den Einfluss von Aktionären auf 20 Prozent der Stimmrechte beschränkt. Am Dienstag werden Vertreter der EU-Kommission, die gegen das Gesetz geklagt hatte, und der Bundesregierung dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg ihre Argumente vortragen.

Wiedeking legte zugleich dem Land Niedersachsen einen Ausstieg bei VW nahe: "Die Politik sollte sich aus den Bereichen der Wirtschaft heraushalten, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen und bei Marktversagen mit der Sanktion der Pleite bestraft werden." Niedersachsen müsse für sich entscheiden, welche rolle es künftig bei VW einnehmen wolle. "Es gibt viele Themen, die wir gemeinsam tragen und voranbringen können. Die Frage ist nur: Wem überlässt man die Steuerung?" Um Aufsichtsratsfunktionen in einem Auto-Unternehmen wahrzunehmen, "braucht man ein hohes Maß an Sachkompetenz".

Wendelin Wiedeking: Diskussion belebt

Porsche hält nach letzten verfügbaren Angaben 27,4 Prozent an VW und kündigte eine Erhöhung des Anteils auf bis zu 29,9 Prozent an. Das ist die letzte Marke, bis zu der kein Übernahmeangebot an die restlichen Aktionäre erfolgen muss. Das Land Niedersachsen, lange Zeit größter VW-Aktionär, hält 20,8 Prozent. Porsche hatte vor einigen Wochen die Prozedur zur Schaffung eines Finanzpolsters von bis zu acht Milliarden Euro nach aktuellem Aktienkurs eingeleitet und damit Spekulationen über Pläne für eine vollständige Übernahme von VW ausgelöst.

Der Stuttgarter Sportwagenbauer wird von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert. Seit Monaten gibt es deshalb Diskussionen über den Einfluss von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. "Für die vier Milliarden Euro, die wir in die VW-Beteiligung investiert haben, wollen wir auch eine ordentliche Verzinsung", betonte Wiedeking. Porsche bringe sich über den Aufsichtsrat in das VW-Geschäft ein. "Gehen sie davon aus, dass wir die Diskussionen schon jetzt signifikant belebt haben."

VW-Gesetz im kommenden Jahr

Ein Urteil des EuGH zum VW-Gesetz wird frühestens im kommenden Jahr erwartet. Die Bundesregierung und das Land Niedersachsen halten das 46 Jahre alte Gesetz für EU-konform. Die Kommission sieht hingegen europäische Regeln zum freien Kapitalverkehr und zur Niederlassungsfreiheit verletzt. Ausländische Investoren könnten abgeschreckt werden, lautet der Vorwurf. Auch persönliche Interventionen des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Brüssel hatten die EU-Behörde vor gut zwei Jahren nicht vor ihrer Klage in Luxemburg abgehalten.

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