Wiesmann-Comeback

Neue Modelle mit neuer Technik und neuen Werkstoffen

Wiesmann GT MF4-CS, Seitenführung, Heckkeuchte Foto: Rossen Gargolov 26 Bilder

Seit Februar 2016 ist die finanzielle Zukunft von Wiesmann durch zwei britische Investoren gesichert. Unter der Führung eines Ex-AMG-Managers wurde die Produktstrategie neu ausgerichtet. Die alten Modelle werden umfassend weiterentwickelt. Und: es bleibt bei BMW-Motoren von der M GmbH.

Der neue Mann an der Spitze des Wiesmann-Managements ist seit 1. Oktober 2016 Mario Spitzner, der bis 2014 bei Mercedes-AMG beschäftigt war. Als neuer Geschäftsführer soll er die Sportwagenmanufaktur wieder in die Erfolgsspur bringen.

Neue Technik, neue Werkstoffe

Bei der Vorstellung der neuen Strategie im Februar 2017 revidierte der neue Wiesmann-Chef die ursprüngliche Planung, die bisherigen Modelle lediglich einer technischen Überarbeitung zu unterziehen. Spitzner: „Unsere neue Produktstrategie und die Erschließung internationaler Märkte erfordern eine tiefgreifende Weiterentwicklung des bisherigen Fahrzeugkonzeptes – angefangen bei der Technik bis hin zu neuen Werkstoffen. Im November letzten Jahres fiel bereits der Startschuss für die komplette Neuentwicklung des zukünftigen Wiesmann Modells. Dabei spielen natürlich die Wiesmann spezifischen Sportwagen-Gene eine zentrale Rolle – und wir werden das charakteristische Wiesmann Design behutsam weiterentwickeln“.

Weiter mit BMW M-Motoren

BMW M5 F90 Foto: Stefan Baldauf/Guido ten Brink
Die M GmbH von BMW liefert Wiesmann V8-Motoren für die neuen Modelle.

Eigentlich hätte das neue Wiesmann-Modell bereits Ende 2016 präsentiert werden sollen, jetzt wird es wohl auf einen Termin irgendwann 2017 hinauslaufen. Was die Umstellung von Technik und Werkstoffen bedeutet war lange noch nicht sicher. Bislang bauten die Wiesmann-Modelle auf Antriebstechnik von BMW, einem Stahlchassis und Karosserien aus GFK. Jetzt ist klar, dass auch die neuen Wiesmann-Modelle wieder auf BMW-Power setzen werden. BMW und Wiesmann haben jetzt einen neuen Serienentwicklungs- und Liefervertrag unterschrieben. Die BMW M GmbH wird künftig V8-Motoren an den Sportwagenbauer liefern. In welcher Spezifikation ist nochn nicht bekannt. Die einzigen aktuellen V8-Motoren der M GmbH sitzen in den M-Modellen X5, X6, 6er und dem neuen M5. In der alten Spezifikation kommt der 4,4-Liter-V8-Biturbo auf 600 PS und 700 Nm im 6er sowie 575 PS und 750 Nm in den X-Modellen, im neuen M5 sind 600 PS und 750 Nm drin. Als Schaltoptionen stehen das alte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe oder die neue Achtgang-Automatik zur Wahl. Mit der Weiterverwendung von BMW-Aggregaten dürfte es auch bei der bewährten Motorlage bleiben – nämlich vorn. Ob Wiesmann auch den Allradantrieb von BMW – wie im neuen M5 verbaut – adaptiert ist nicht bekannt. Bereits im letzten MF5 kam eine 4,4-Liter-V8-Biturbo von BMW mit 555 PS zum Einsatz.

Wiesmann
Sportwagenhersteller ist zurück. 51 Sek.
Wiesmann Spyder Concept Genf 2011 Foto: Newspress
Die Wiesmann Spyder-Studie von 2011 könnte als Basis für das neue Modell dienen.

Das Landgericht Münster hatte im Februar 2016 den Widerspruch gegen den Verkauf von Wiesmann an die Brüder Roheen (36) und Sahir Berry (30) abschlägig beschieden und damit Reschtssicherheit geschaffen. Vorausgegangen war die Verkaufs-Zustimmung der Gläubigerversammlung im Dezember, die sich wegen des Widerspruches „einer Einzelperson“ verzögerte.

Angebot von chinesischen Investor sorgte für Verzögerungen

In der Mitteilung der beiden neuen britischen Eigentümer hieß es: „Die Rechtsunsicherheit hat unsere bisherigen Pläne verzögert. Wir freuen uns nun sehr über die finale Bestätigung vom Landgericht. Jetzt ist klar: Es wird wieder Sportwagen aus Dülmener Fertigung geben. Bis dahin geben wir im wahrsten Sinne des Wortes Vollgas. Wir werden alles dafür tun, die verlorene Zeit aufzuholen, um bis Ende 2016 ein neues Fahrzeug vorzustellen“, kommentiert Anita Tatalovic, Geschäftsführerin.

Bereits vor der Gläubigerversammlung am 2. Dezember 2015 gab es Ärger mit einem chinesischen Investor. Dieser sollte ein höheres Angebot für Wiesmann auf den Tisch gelegt haben. Nach Insiderinformationen standen aber verschiedene große Gläubiger, darunter auch BMW, dem Finanzinvestor Sinfonie Investment skeptisch gegenüber. Das Unternehmen wird von Freeman Shen, der früher bei dem chinesischen Autohersteller Geely für den Aufbau der Marke Volvo in China zuständig war, geleitet.

Berry-Brüder sind seit langem mit Wiesmann geschäftlich in Kontakt

Roheen und Sahir Berry haben neben der „Wiesmann Automotive GmbH“ für „die Konstruktion, Planung, Herstellung und den Vertrieb von Sportwagen, Spezial- und Zubehörteilen, Tuning sowie artverwandte Geschäfte und Durchführungen von Veranstaltungen und Events zum Zwecke der Kundenbindung und Neukundengewinnung“ auch noch die „Wiesmann Immobilien GmbH“ zum Zweck des Haltens und der Verwaltung von Grundstücken, und die „Wiesmann International GmbH“ für die Vermarktung von Lizenzrechten gegründet.

Wiesmann MF5 im Fahrbericht
Bi-Turbo- statt Saug-Power

Die Investoren haben das Firmengrundstück, die Markenrechte und die Produktionsfirma aus der Insolvenzmasse von Wiesmann erworben. Für den Ankauf der Namens- und Markenrechte, der Produktionsanlagen und der Wiesmann-Immobilie wurde ein höherer siebenstelliger Betrag vereinbart.

Bei der Neuausrichtung der Automobilmanufaktur arbeiten die Unternehmer eng mit den Unternehmensgründern, den Brüdern Martin und Friedhelm Wiesmann, zusammen. Die Unternehmer und das Unternehmen Wiesmann verbindet eine langjährige Geschäftsbeziehung. Bereits 2012 hatten die Brüder erste Gespräche aufgenommen, in England und Indien Wiesmann-Verkaufsniederlassungen aufzubauen. Aus diesen Gesprächen wuchs der Plan, gemeinsam mit der damaligen Wiesmann GmbH Rechtslenkermodelle zu entwickeln. Nach der Insolvenz der Wiesmann GmbH wurden diese Pläne vorerst auf Eis gelegt. Zusammen entwickelten die Brüder ein tragfähiges Konzept, die Marke am Standort Dülmen wiederzubeleben, und nahmen mit dem Insolvenzverwalter Kontakt auf.

Roheen und Sahir Berry sind weltweit an verschiedenen Unternehmen beteiligt, unter anderem im Bereich Sicherheitstechnologie, Landwirtschaft, Energie, Infrastruktur und Hospitality, vornehmlich in Europa, Asien, Middle-East und Afrika. Sahir Berry ist dazu Gesellschafter des auf Sportwagen und Supersportwagen spezialisierten Unternehmens Sportwagen Performance in Neu-Delhi.

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