Wissmann

Vom Ministerium zum VDA

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Der frühere Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann führt künftig die einflussreiche Lobby der deutschen Autoindustrie. An diesem Montagnachmittag (26.3.) hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin seinen neuen Präsidenten vorgestellt, der auf einer Sondersitzung von Präsidium und Vorstand gewählt wurde.

Am 1. Juni tritt der CDU-Politiker sein neues Amt an. Seine bundespolitische Erfahrung sowie seine guten Kontakte zur EU in Brüssel machten ihn zur Idealbesetzung, hieß es aus Verbandskreisen in Frankfurt. Der 57-Jährige soll dafür sorgen, dass Branchengrößen wie Audi, BMW, Daimler-Chrysler und Co. ihr Image als Klimakiller los werden. Das ist kein leichter Job: Wissmann muss rasch die erhitzten Gemüter beruhigen. Das Zaudern beim Umweltschutz hatte seinen Vorgänger Bernd Gottschalk das Amt gekostet.

Druck von der Automobilindustrie nehmen

Kritiker werfen der deutschen Autoindustrie seit Jahren vor, wichtige Themen wie Rußfilter und Hybridantrieb verschlafen zu haben. In der Klimaschutzdebatte soll dies nun anders werden. "Wissmann ist eine gute Wahl, weil er sich auf dem politischen Parkett gut bewegt und weiß, wie man in Brüssel agiert", sagt der Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen, Ferdinand Dudenhöffer. Der ehemalige Verkehrsminister gilt als gut vernetzt unter Politikern und Managern und pflegt als Schwabe enge Kontakte zu Porsche und Daimler. Als Vorsitzender des Europaausschusses im Bundestag kennt er die EU-Szene, die beim Klimaschutz Druck auf die Autoindustrie ausübt.

Erfahrungen in der Verkehrspolitik

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Wissmann bereits am Wochenende als "gute Wahl" bezeichnet. "Der designierte Präsident bringt reichlich Erfahrungen in der Verkehrspolitik mit und kennt das europäische Parkett sehr gut", so Gabriel. Der Umweltminister hatte die Industrie zuletzt wegen verfehlter Selbstverpflichtung beim Klimaschutz kritisiert. In der Debatte um die Senkung des klimaschädlichen Kohlendioxids war die Branche immer mehr in die Defensive geraten.

Ausstieg aus dem Bundestag

Der Jurist Wissmann verfügt laut Branchenkreisen über profunde Fachkenntnisse in der Verkehrspolitik bringt gleichzeitig hohe kommunikative Fähigkeiten mit. Der Bundestagsabgeordnete soll sein Amt zum 1. Juni antreten und dann auch aus dem Deutschen Bundestag ausscheiden. Damit vermeidet der Rechtsanwalt, der auch Volkswirtschaft studiert hat, eine Doppelfunktion. Wissmann gehört seit 1976 dem Bundestag an und war von 1993 bis 1998 Forschungs- und Verkehrsminister.

VDA ohne Eigendynamik

"Ein Außenseiter aus der Politik ist die bessere Wahl", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. "Wissmann muss mit politischem Gespür eine Strategie entwickeln und die Meinung der Autoindustrie nach außen repräsentieren." Zugleich benötigt der neue Cheflobbyist aber auch Fingerspitzengefühl für die Empfindlichkeiten der großen Autohersteller und 500 Zulieferer. "Im VDA gibt es sehr unterschiedliche Interessen, zwischen denen Welten liegen. Der Verband muss sich als ernst zu nehmender Gesprächspartner zwischen den mächtigen Herstellern etablieren", sagt Stürmer. Das waren die Autobosse von Daimler, VW und Porsche bisher nicht gewohnt - der VDA hatte keine Eigendynamik.

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