Wolfgang Reitzle geht in die Kälte

Ford-Manager Wolfgang Reitzle verlässt den Autobauer, um neuer Vorstandschef der Linde AG in Wiesbaden zu werden.

Ford-Manager Wolfgang Reitzle verlässt den Autobauer, um neuer Vorstandschef der Linde AG in Wiesbaden zu werden. Wie das Manager-Magazin berichtet, wollen die beiden Hauptaktionäre Allianz und Deutsche Bank im Aufsichtsrat für einen entsprechenden Antrag votieren. Reitzle machte sich in der Autobranche als Entwicklungsvorstand bei BMW einen Namen und wechselte vor einigen Jahren zur Ford Motor Company, wo er die Verantwortung für die Premier Automotive Group (PAG) und damit die Marken Aston Martin, Jaguar, Land Rover und Volvo übernahm.

Offenbar hat der ehemalige Linde-Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Meinhardt den 53-jährigen Reitzle umworben. Für den Linde-Chefsessel schlägt Reitzle Angebote von General Motors und von Ford aus. Ford-Chef William Ford jr. hatte Reitzle angeboten, künftig die Entwicklung aller Ford-Modelle weltweit zu verantworten, was seine Chancen, eines Tages den Chef-Posten bei Ford zu übernehmen deutlich gesteigert hätte. Wie es heißt, habe Reitzle das Angebot wegen der Machtkämpfe und Intrigen in der Dearborner Konzernzentrale jedoch abgelehnt.

Scheeles Axt und Reizles Hamlet-Attitüden

US-Medien hatten bereits seit Tagen offen darüber spekuliert, dass Reitzle von Ford ein Ultimatum, gesetzt worden sei. Demnach habe der Manager bis Ende dieser Woche eine Frist gesetzt bekommen, in der er sich über seinen Verbleib im Unternehmen zu entscheiden habe. Reitzles „Hamlet-Attitüde, also zu bleiben oder nicht zu bleiben“ habe nur wenig Eindruck auf William Clay Ford jr. gemacht, der „keine Lust“ gehabt habe, „die Machtspielchen mitzuspielen“.

Reitzle habe den Ford-Chef immer offener dazu gedrängt, ihn zu „Fords Antwort auf General Motors Bob Lutz, mindestens“ zu machen, während gleichzeitig das Verhältnis zu Nick Scheele im Wochentakt angespannter geworden sei. „Nachdem Scheele Fords Chef-Kostenkürzer wurde“, sei dessen „Axt durch Reitzles Lincoln-Pläne gefahren“, was zu einer weiteren Verschlechterung der Beziehung geführt habe, schreibt die „Detroit News“ in einem Kommentar. Trotz aller Proteste habe Ford jr. jedoch unbeirrt an seiner „Nummer 2“, Scheele, festgehalten.

Private Überlegungen sprechen für Linde

Für einen Wechsel an die Spitze von Linde haben nun offenbar private Gründe den Ausschlag gegeben. Reitzle ist seit vergangenem Jahr mit der ZDF-Moderatorin Nina Ruge verheiratet, deren Sendung „Leute heute“ in München produziert wird. Da Reitzles Dienstsitz als PAG-Chef London war, führte das Paar bislang eine Fernbeziehung. Als Linde-Chef dürfte Reitzle seine Frau künftig häufiger zu Gesicht bekommen.

Die Linde AG gehört in den Bereichen Kälte- und Fördertechnik, Anlagenbau sowie Technische Gase zu den führenden Anbietern auf dem Weltmarkt. Zum Produktportfolio des Bereichs Fördertechnik gehören neben Gabelstaplern und Hubwagen auch hydraulische Axialmotoren und -pumpen, Steuersysteme und Getriebe. Mit rund 46.000 Mitarbeitern erzielte der Konzern 2001 einen Umsatz von über neun Milliarden Euro und steigerte seinen Gewinn um 5,2 Prozent auf 289 Millionen Euro.

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