Zwei Länder feieren ihren Weltmeister

Mit der längsten Strandparty aller Zeiten hat Italien Ferraris zweiten Weltmeistertitel in Folge gefeiert.

Mit der längsten Strandparty aller Zeiten hat Italien Ferraris zweiten Weltmeistertitel in Folge gefeiert. Millionen Italiener bejubelten auf unzähligen improvisierten Siegesfeiern in den Strandbädern Italiens „Grande Schumi“. Von den Stränden der Adria bis hinunter nach Süditalien und wieder hinauf über die Amalfi-Küste und die ligurischen Strände bis zur Riviera an der Grenze zu Frankreich feierten die Italiener zusammen mit hundertausenden ausländischen Gästen den „Beginn einer großen Ferrari-Ära“.

Italien feiert Schumi am Strand

Die Ferrari-Heimatstadt Maranello verwandelten tausende Tifosi, darunter auch viele Deutsche, in ein riesiges rotes Fahnenmeer. Autoschlangen fuhren hupend durch die Straßen, zum Ferrari-Werk und zurück zum Kirchplatz, um von Don Alberto Bernardoni zum Zeichen des Ferrari-Triumphes das Läuten der Festglocken zu fordern.

Anders als beim Titelgewinn im letzten Jahr, als am 8. Oktober vor allem in Maranello und den großen Metropolen in Rom, Mailand, Turin und Neapel der WM-Sieg von Suzuka gefeiert wurde, stiegen die großen Siegesfeiern diesmal am Meer. Die Großstädte sind im Haupturlaubsmonat August wie leer gefegt.

2.000 Schumacher-Fans feierten in Kerpen

„So einen Titelgewinn haben wir noch nie erlebt“, jubelten die Ferrari-Fans im Adria-Seebad Marina di Ravenna. Wie an unzähligen anderen Stränden hatten die Tifosi das Rennen auch hier gemeinsam vor einem großen Fernseher in der Strandbar verfolgt. Zusammengestellte Sonnenschirme schützten vor der heißen Sonne. Überall hatten sich die Strandbars gerüstet. Viele stellten Großbildleinwände auf. Vor allem in den Adria-Seebädern in Rimini, am Lido di Jesolo und in Caorle feierten auch tausende deutsche Schumi-Fans im Urlaub den frühen Titelgewinn ihres Idols.

Ähnlich ging es Michael Schumachers Heimatstadt Kerpen zu: Rund 2.000 Zuschauer verfolgten live auf einer Großbildleinwand das Rennen auf dem Hungaroring im ungarischen Budapest. Jubelnd rissen sie die Arme in die Höhe, schwenkten ihre Fahnen und fielen sich um den Hals, als der berühmteste „Sohn der Stadt“ nach seiner Triumphfahrt die Ziellinie überquerte. „Grandios, wir freuen uns alle mit ihm. Mein Glückwunsch an Michael“, sagte Kerpens Bürgermeister Ralf Valkysers.

Jürgen Drews sang für Fans und Weltmeister

Einer der Höhepunkte war neben dem eigentlichen Rennen der Auftritt des Schlagersängers Jürgen Drews. Zehn Minuten vor Rennbeginn und immer in den Werbepausen heizte er den rund 2.000 Fans mit seinem neuen Hit „Schumania“ ein. Auf die Frage, ob er denn Formel-1-Änhänger sei, antwortete Drews: „Nein, ich bin nur Schumi-Fan. Und zwar einer von ganz vielen, nur ein bisschen berühmter eben.“ Auf eine Zugabe des Sängers warteten die Fans vergeblich, denn mit Rennende machte sich Drews auf zum Flughafen, um direkt nach Ungarn zu fliegen. „Ich habe versprochen, wenn Schumi Weltmeister wird, werde ich in Ungarn für die Fans singen.“

Derweil feierten sie in und um die Jahnhalle herum ausgelassen. Mit Sprechchören ehrten sie ihren einstigen Mitbürger. Er ist einer von ihnen. „Ganz egal wo der Michael wohnt, ob in der Schweiz oder in Monaco, er ist und bleibt ein Kerpener Junge“, so ein Fan.

Bundeskanzler gratuliert dem Ausnahmesportler

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ließ es sich nicht nehmen, Michael Schumacher zu seiner vierten Formel 1-Weltmeisterschaft zu gratulieren. „Bei Ihrer Titelverteidigung haben Sie nicht zuletzt auch dank eines professionellen und hoch motivierten Teams manchen Rekord aufgestellt und die Fans durch Ihr überragendes fahrerisches Können begeistert“, schrieb Schröder in einem am Sonntag in Berlin veröffentlichten Brief an Schumacher. „Nur ganz wenige Rennfahrer haben den Formel 1-Sport so geprägt wie Sie. Ihre Ausnahmestellung haben Sie mit dem vierten Weltmeistertitel eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

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