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MOOVE-Letter, Jochen Knecht
 

4.Oktober 2019, 17:10 Uhr

 
 

Mögen Sie die SUV eigentlich …

 
Bentley Betayga, SUV
 

… oder mögen Sie sie nicht, fragt sich auto motor und sport-Chefredakteurin (Print) Birgit Priemer angesichts der größer werdenden Kritik an einem wachsenden Segment.

 
 
 

Immer mehr Menschen hassen SUV – und immer mehr Menschen kaufen SUV. Das ist doch grotesk, oder? Manchmal frage ich mich, ob hier die Friday-for-Future-Befürworter nicht mit voller Wucht auf die Friday-for-Future-Gegner prallen. Oder ob die Klimadiskussion großen Teilen der Bevölkerung nicht einfach egal ist.

 
Jeep Grand Cherokee Trackhawk Fahrbericht
 

Im Monat August jedenfalls ist der SUV-Anteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent gestiegen – und das Segment ist mit einem Anteil von 22,2 Prozent aktuell das beliebteste in Deutschland. Gefolgt von der Kompaktklasse (18,9 Prozent), Kleinwagen (13,9 Prozent), den Geländewagen (richtig, die werden noch einmal separat gezählt, aktuell 10,1 Prozent) und der Mittelklasse, auf die nur noch ein Verkaufsanteil von 9,1 Prozent entfällt.

 

Und – falls es noch einen Beweis braucht, wie beliebt diese Gattung ist: Nach dem VW Golf rangieren in Deutschland Auto-Bestseller-Liste mittlerweile VW Tiguan und T-Roc, also zwei SUV, auf Platz 2 und drei.

 

Warum kaufen Menschen SUV? „Ganz sicher nicht, weil sie umweltunfreundlich sind“, erklärt Ex-Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber, mittlerweile Vizepräsident der renommierten Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (kurz acatech genannt), die sich stark mit allen Belangen rund um neue Mobilität und alternative Antriebskonzepte auseinandersetzt.

 
VW T-Cross 1.0 TSI Style, VW T-Roc 1.0 TSI Style, Exterieur
 

Damit hat er zweifellos recht: Der Kaufgrund Nummer 1 in einer älter werdenden Gesellschaft ist die hohe Sitzposition. Die Menschen können besser ein- und aussteigen, und sie genießen die bessere Rundumsicht. Das war es in der Regel schon. Bei den größeren Modellen kommt sicher noch Prestige und das Raumangebot im Gepäckabteil dazu – wobei viele Kombis da locker mithalten können. Was es sicher nicht ist, auch wenn manche Marke damit - wenig sensibel - in der Werbung kokettiert: Der Ritt durch den „Großstadtdschungel“ oder die Fahrt über unbefestigte Wege ins offene Gelände oder womöglich naturgeschützte Wälder.

 

Dafür nehmen diese Kunden allerdings einiges in Kauf: einen höheren Verbrauch, der um 0,5 bis zu einem Liter über einem vergleichbarem Fahrzeugkonzept liegt. Beispiele gefällig?

 
Suzuki Ignis 1.2 Allgrip
 

Der Skoda Karoc 1.0 TSI (115 PS) benötigt mit 5,4 Liter Super pro 100 Kilometer 0,9 Liter (CO2-Ausstoß 124 g/km) mehr als der Skoda Fabia Combi 1.0 TSI (95 PS, CO2-Ausstoß 103 g/km).

 

Der Mercedes GLA 180 (122 PS) benötigt 1,5 Liter (CO2-Ausstoß 158 g/km) mehr als ein Mercedes B 180 (136 PS, CO2-Ausstoß 124 g/km).

 

Ein Land Rover Discovery SD4 4x4 (240 PS, CO2-Ausstoß 191 g/km) braucht mit 7,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer 1,3 Liter mehr als der Jaguar XF Sportbrake 25d AWD (240 PS, CO2-Ausstoß 157 g/km).

 

Sie merken: Von den für 2021 anvisierten 95 g/km-Regel sind alle hier aufgezählten Modelle ganz weit entfernt. Das wird Folgen haben:

 
  1. Autohersteller wie VW, die diesen Boom mit vielen Modellen in diesem Segment Rechnung tragen, geraten angesichts der immer strenger werdenden CO2-Vorschriften immer stärker in Schräglage und müssen sich auf saftige Bußgeldzahlungen einstellen.
  2. Die Besitzer dieser Modelle müssen, wenn es nach dem Klimapaket der Bundesregierung geht, ab 2021 wesentlich mehr CO2-Steuer zahlen. Bei einem Ausstoß zwischen 95 und 115 Gramm soll die CO2-Komponente auf 4,00 Euro steigen, was einer Verdoppelung entspricht. Oberhalb von 115 Gramm sind sogar 5,50 Euro vorgesehen. Wer viel verbraucht, muss also überproportional viel mehr Steuern zahlen.

Kommen wir zu einem anderen Punkt, der in der Öffentlichkeit zuletzt viel Aufsehen erregt hat: Der Unfallhäufigkeit von SUV, nicht zuletzt ausgelöst durch einen tragischen Vorfall in Berlin mit einem Porsche Macan, bei dem vier Menschen starben.

 

Das ist und bleibt eine Tragödie. Der sachliche Vergleich von Zahlen belegt aber, dass die SUV keinen höheren Anteil am Unfallgeschehen haben. Das statistische Bundesamt weist aus, dass von 162 932 Unfällen, bei denen Menschen im Vorjahr innerhalb von Ortschaften verletzt oder getötet wurden, bei 3,7 Prozent große Autos als Verursacher ermittelt wurden. Der Anteil kleiner Modelle (hier Minis genannt) lag bei 6,3 Prozent. Bei Unfällen mit Todesfolge liegen beide Gruppen gleich auf.

 

Das passt zur Analyse des Bundesamtes für Straßenwesen (BASt). Das weist nämlich daraufhin, dass der Zusammenprall von Fußgängern besonders mit Kleinwagen problematisch sein kann. Warum? Weil hier für die Crashsicherheit (beispielsweise Überschläge) die A-Säulen extrem hart ausgelegt werden. Aufgrund des geringeren Fahrzeuggröße stößt sich der Passant auf der Straße hier aber schneller den Kopf, was gravierende Folgen haben kann.

 

Halten wir also sachlich fest:

 
  • SUV und Geländewagen verbrauchen deutlich mehr Sprit als die vergleichbaren Kombis., haben also einen höheren CO2-Ausstoß.
  • Eine größere Gefährdung im Straßenverkehr stellen sie im Vergleich zu anderen Fahrzeuggattungen nicht dar.
 
 
 

Was ist jetzt Ihr nächstes Auto? Und was denken Sie über die SUV-Diskussion? Ich bin gespannt – schreiben Sie mir unter bpriemer@motorpresse.de

 
 
 

MOOVE: Der New-Mobility-Podcast

 
MOOVE-Podcast 22, Holger Weis
 

Das Handy im Auto braucht jeder – aber die Verbindung der zwischen Auto und Handy funktioniert selten zufriedenstellend. Ein Berliner Startup hat ein zusätzliches Gerät namens „Chris“ entwickelt, das via Sprachsteuerung wichtige Apps im Auto ansteuert, auf Kommando Nachrichten oder Mails vorliest und navigiert. Das klingt nicht bahnbrechend neu. Holger Weis, CEO von German Autolabs erklärt in Folge 22 des Moove Podcast, was dennoch das Besondere an „Chris“ ist. Zum Podcast

 
 

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