07/2019, Alvis Bertelli 4.3L Alvis Car Company
07/2019, Alvis Continuation Series
07/2019, Alvis Continuation Series
07/2019, Alvis Vanden Plas 4.3L Tourer
07/2019, Alvis Bertelli 4.3L 8 Bilder

Neue Autos auf alten Fahrgestellen

Alvis lebt

Die britische Marke Alvis ging 1968 zugrunde. Doch seit ein paar Jahren entstehen die Autos wieder: mit den originalen Fahrgestellen und Motorblöcken. Nun erweitert der Hersteller seine Continuation Series um weitere Modelle.

Nein, hier geht es nicht um den King of Rock. Und mit den Chipmunks hat das Ganze auch nichts zu tun. Hier geht es um den gleichnamigen, 1919 gegründeten britischen Autohersteller Alvis, der für seine Ära ziemlich fortschrittliche, qualitativ hochwertige und ansehnliche Modelle baute. Alvis gilt als Frontantriebs-Pionier und hat sehr früh Autos mit synchronisiertem Getriebe und Einzelradaufhängung auf den Markt gebracht. Nach 22.000 produzierten Autos war es damit, nach der Übernahme durch den British-Leyland-Konzern, 1968 allerdings vorbei.

Nach Originalplänen und mit Originalteilen

Doch nicht für immer, wie sich seit 2010 zeigt: Seitdem baut die Alvis Car Company die klassischen Autos nach. Und zwar nach den Originalplänen (etwa 50.000 haben überlebt) sowie mit Originalteilen, die seit der Schließung des in Warwickshire angesiedelten Werks vor gut 50 Jahren kistenweise eingelagert waren.

07/2019, Alvis Continuation Series
Alvis
Gut 50.000 originale Konstruktionspläne haben überlebt. Alvis nutzt sie als Basis für seine Continuation Series.

Nun, im Jubiläumsjahr 2019, erweitert die Alvis Car Company diese Continuation Series um weitere Chassis und Karosserievarianten. In mühevoller Handarbeit – die Briten sprechen von 4.000 bis 5.000 Arbeitsstunden pro Auto – entstehen auf zwei verschiedenen Chassis die Vor- und Nachkriegs-Modelle 3-Liter Park Ward Drop Head, 3-Liter Graber Super Coupé, 3-Liter Graber Super Cabriolet, 4,3-Liter Vanden Plas Tourer, 4,3-Liter Bertelli Coupé und 4,3-Liter Lancefield Concealed Hood. Autos also mit schöner, ausladender Coachbuilder-Karosserie, die zwar alt aussehen, aber faktisch Neuwagen sind.

Mit moderner Kraftstoffeinspritzung und Motorelektronik

Mit Restomods oder Ähnlichem hat das allerdings nicht zu tun. Alvis baut die fast Autos genau so, wie sie damals produziert wurden. Mit originalen Fahrgestellen, Komponenten und Werkzeugen, weshalb auch die Fahrgestellnummern von damals fortgeführt werden können. „Das Werk hatte 1938 geplant, 150 Chassis mit 4,3-Liter-Motor zu bauen“, erklärt Alan Stote, Inhaber der Alvis Car Company. Da das Werk durch Bombenangriffe im Jahr 1940 schwer beschädigt wurde, wurden jedoch nur 73 Chassis fertiggestellt. Die restlichen Fahrgestelle kann Alvis nun also für seine Neuauflage verwenden. „Unsere Modelle sind buchstäblich das, was Alvis geschaffen hätte, wenn es die Produktion nicht für 50 Jahre eingestellt hätte“, sagt Stote.

07/2019, Alvis Continuation Series
Alvis
Alvis baut die neuen Autos auf den Original-Chassis von damals auf.

Auch die Motoren stammen aus Originalbeständen. Die Blöcke der 2.993 und 4.387 Kubikzentimeter großen Reihensechszylinder wurden seinerzeit archiviert und kommen nun endlich zum Einsatz. Aus Gründen der Kraftstoffeffizienz und wegen der heutigen Abgasregularien allerdings mit moderner Benzineinspritzung und Motorelektronik. Der kleinere Motor wird an ein Fünf-, der größere an ein Sechsganggetriebe gekoppelt. Die Scheibenbremsen der Dreiliter-Autos verstecken sich hinter 15-Zoll-Rädern, die der 4,4-Liter-Modelle hinter 19-Zoll-Felgen.

Auf Wunsch mit Klimaanlage, Audiosystem und Bremskraftverstärker

Alvis baut die Autos aber nicht sklavisch exakt so, wie sie damals erhältlich waren. Die Kunden können sich für moderne Optionen wie Automatikgetriebe und Servolenkung für die Dreiliter-Modelle oder Klimaanlage, Audiosysteme und Stopper mit Bremskraftverstärker entscheiden. Auch ein passendes Gepäckset aus jenem Connolly-Leder, das ebenfalls im Innenraum der Autos verwendet wird, ist gegen Aufpreis erhältlich. Alle Fahrzeuge werden mit dreijähriger Garantie verkauft und erhalten nach einer Einzelabnahme ihre Straßenzulassung.

Aktuell scheinen die Alvis-Modelle vor allem in Asien beliebt zu sein. Die Briten haben einen Vertrag mit dem japanischen Händler Meiji Sangyo geschlossen, der bereits in den Fünfzigerjahren die Alvis-Vertretung für ganz Asien war. Genau das ist er nun auch wieder, und Meiji Sangyo hat Alvis direkt fünf Fahrzeuge abgenommen. Zu den Preisen der meist auf 25 Exemplare limitierten Autos äußert sich Alvis nur auf Basis eines konkreten Kaufinteresses.

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Auf keinen Fall. Solche Autos müssen original sein, sonst sind sie uninteressant.

Fazit

Die Alvis Car Company betreibt offensichtlich einen enormen Aufwand, um die Autos von damals neu aufzubauen. So viel Enthusiasmus ist selten geworden im modernen Automobilbau, weshalb es den Einsatz der Briten unbedingt zu honorieren gilt. Schön sind die Autos allemal. Ob sie auch gut fahren, werden wohl nur wenige Menschen tatsächlich herausfinden.

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