BMW 535i Heckansicht Achim Hartmann
BMW 535i schräg von vorne
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BMW 5er (F10) Fahrbericht

So fährt die Business-Limousine

In seiner sechsten Generation will der BMW 5er die Agilität des BMW 3ers mit dem Komfort des BMW 7ers verbinden. Reicht es zur Nummer eins unter den Business-Limousinen? Ein Fahrbericht.

Kennen Sie Michel aus Lönneberga? Jenen schwedischen Lausbuben, der seine Umwelt mit Streichen piesackt, am Ende aber doch noch ein honoriger Bürger wird? Nun, so wie Astrid Lindgrens Kinderbuch anarchistischen Steppkes eine Schneise schlug, platzte BMW-Designchef Chris Bangle 2003 mit seinem BMW 5er ins Limousinen-Establishment.

5er entfernt sich vom 5er GT

Kein Problem, schon die äußere Form der ab März erhältlichen sechsten Generation verspricht Erfolg. Die Technik ist ja bereits seit Herbst vergangenen Jahres im BMW 5er GT (BMW 5er GT im Einzeltest) unterwegs. Von dessen gewöhnungsbedürftigem Multifunktions-Gedanken distanziert sich die klassisch-elegante Limousine aber mindestens so vehement wie von ihrem betont coolen Vorgänger. Einen Mix aus BMW 3er und BMW 7er soll der Neue bieten – und sieht auch so aus, kaschiert seine 4,90 Meter Länge (der Radstand wuchs auf 2,97 Meter) mit den inzwischen vertrauten Sicken, Kühler- und Leuchtendesigns. Fließend einerseits, konzentriert andererseits, wie Designchef van Hooydonk postuliert. Mussten Hobby-Tuner früher selbst für den bösen Scheinwerferblick sorgen, blinzelt der nun serienmäßig – Xenon kostet aber extra.

Verarbeitung erfüllt den Anspruch der obere Mittelklasse

Auch nach dem Einsteigen muss sich der Marken-Kenner kaum umgewöhnen. Die teils digital animierten „Black-Panel“- Instrumente entsprechen vereinfachten BMW 7er-Armaturen und somit dem Serienensemble des GT. Der horizontal angelegte Armaturenträger samt den darin platzierten Bedienelementen darf sich etwas stärker zum Fahrer orientieren, unterstützt durch leicht gewölbte Dekorleisten. Schimmerndes Holzfurnier mit silbernen Rahmen, akkurate Ziernähte: Die Verarbeitung erfüllt den Anspruch an die obere Mittelklasse. Ebenso wie die körpergerechten Komfortsitze, das luftige Raumgefühl und die Infotainment-Abteilung, die Internet zwar nur mit langsamem Edge-Zugang bietet, dafür schnellen Zugriff auf Navigation und Musik gewährt.

Anfang 2012 soll eine Hybrid-Version in Serie starten

Der Schaltknubbel neben dem i-Drive befehligt bereits die neue Achtgangautomatik. Jene mit ZF entstandene Coproduktion quadriert durch enge Gangabstufung bei breiter Gesamtspreizung sowie einer reibungsreduzierenden Konstruktion quasi den Kreis, hilft, höheren Komfort mit niedrigerem Verbrauch zu verbinden. Niedriger Verbrauch – ein Ziel, das BMW eisern vorantreibt. So knausert der BMW 5er je nach Modell mit bedarfsgeregelter Lichtmaschine, Bremsenergie-Rückgewinnung, beweglichen Kühlerjalousien zur Verringerung des Luftwiderstandes (cW-Wert: 0,28) sowie einer rein elektrisch unterstützten Servolenkung. Selbst ein Hybrid stromert schon herum, bereichert als Studie im Frühjahr den Genfer Automobilsalon, um Anfang 2012 in Serie zu starten. Vorher sind noch Touring (Herbst 2010) und allradgetriebene Versionen x-Drive (Ende 2010) dran.

Gewagte Linien und kühler Techno-Look statt braver Wohnstube. Erst mit dem Facelift gönnte man Generation fünf eine zarte Glättung. Und siehe da: Im Laufe seiner Bauzeit hat sich der BMW 5er (interne Bezeichnung E60) vom Traditionalistenschreck zum massenverträglichen Erfolgstyp gewandelt, hinterlässt dem Nachfolger (intern F10) Fußstapfen im Maxi-Format.

Euro 6 sogar ohne Harnstoffeinspritzung

Ebenfalls im dritten Quartal brummt auch der erste Vierzylinder los. Der 520d besitzt nicht nur als einziger BMW 5er ein Start-Stopp-System (serienmäßig, nur mit Handschaltung erhältlich), sondern tunnelt auch als einziger die 40.000-Euro-Barriere. Mit Schwung: Der auf 184 PS und 380 Newtonmeter Drehmoment erstarkte Zweiliter-Diesel verspricht trotz standesgemäßem Vortrieb einen Normverbrauch von exakt fünf Liter auf 100 Kilometer. Zum Drehmomentsurfen mit gleichzeitigem Stickoxidkillen greift man jedoch eher zum bullig antretenden 530d und ordert für 1.190 Euro den NOx-Speicherkat dazu. Dann klappt Euro 6 sogar ohne Harnstoffeinspritzung.

Kombination aus Direkteinspritzung, Aufladung und Valvetronic

Stichwort Einspritzung: Wer auf Saugrohreinspritzung steht, sitzt beim BMW 5er auf dem Trockenen. Hier werden die Brennräume ausschließlich auf direktem Weg versorgt. Etwa beim BMW 535i: Während der Schaumwein anlässlich der Auszeichnung seines Doppelturbo-Vorgängers als Motor des Jahres noch prickelt, zündet BMW mit der Kombination aus Direkteinspritzung, Aufladung und Valvetronic die nächste Stufe. Statt Registeraufladung soll ein einzelner Lader mit zwei getrennten Zuleitungen das Ansprechverhalten verbessern. Zudem ebnen die im Hub verstellbaren Ventile dem Gemisch den Weg in die Brennräume, indem sie die Drosselklappe überflüssig machen. Tatsächlich, der Dreiliter schiebt mit 400 Newtonmetern ab 1.200/min muskulös an, summt melodisch und legt obenraus so feurig röhrend nach, dass man ihm das leicht verzögerte Ansprechen und die Kernigkeit in höheren Lagen verzeiht.

Zahlreiche Assistenzsysteme sind mit an Bord des BMW 5er

Was leichtfällt angesichts der insgesamt gepflegten Umgangsformen der Business-Limousine, die per Tastendruck von fast schon flauschigem Komfort zu markentypischer Dynamik wechselt, ohne sich in Unschärfe oder Härten zu flüchten. Sie lenkt präzise, federt und dämpft kompetent. Vor allem wenn sämtliche Fahrwerksoptionen an Bord sind: Aktive Stabis und adaptive Dämpfer, durch schnellen Flexray-Datenbus verbunden, kooperieren mit dem Aluminium-Fahrwerk und der Aktiv-/Hinterradlenkung. Das Ganze unter dem Schutz eines aufpreispflichtigen Assistenz-Schirmes aus Spurwechsel- und -verlassenswarner, Abstandregeltempomat mit Stop-and go-Funktion, Nachtsichtgerät sowie Adaptivlicht mit Fernlichtassistent. Nicht zu vergessen diverse Kameras bis hin zur simulierten Vogelperspektive, ein Head-up-Display plus Verkehrsschilderkennung.

Ihnen raucht der Kopf? Unnötig, es hört sich komplizierter an, als es ist, nach kurzer Eingewöhnung lässt sich die geballte Technik-Ladung problemlos beherrschen. Schließlich möchte BMW die nach eigenen Angaben sehr treuen Kunden nicht enttäuschen. Keine Angst, Nummer sechs hat gute Chancen, den bisher gut 5,5 Millionen BMW 5ern noch einige hinzuzufügen.

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