Porsche Classic Carrera GT Neuaufbau

13 Jahre alte Legende, jetzt fabrikneu

Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Carrera GT Werksrestaurierung 24 Bilder

Einen neuen Porsche Carrera GT gibt es seit 2006 nicht mehr, einen in Oak Green Metallic gab es noch nie ab Werk. Beides gibt es nun, die Idee hatte ein Sammler aus den USA. Der Neuaufbau des V10-Supersportwagens dauerte 7 Monate.

Was tun, wenn ein sehr guter Kunde des Hauses zu Porsche kommt und bedauert, keinen neuen Carrera GT kaufen zu können? Nun, Porsche Classic hätte da eine Lösung. Seit 2016 betreut die Abteilung für Klassiker den Supersportwagen, restauriert hat sie bisher keinen. Auch das aktuelle Projekt nennt der Leiter von Porsche Classic, Uwe Makrutzki, lieber ein „wieder in den Auslieferungszustand bringen.“ Das ist jedoch eine leichte Untertreibung für das, was dem 5.800 Meilen alten Carrera GT von 2005 wiederfahren ist: Das Auto kam in die Zentrale nach Zuffenhausen, wurde dort „bis zur allerletzten Schraube zerlegt“, erklärt Makrutzki.

Porsche Classic arbeitete Tag und Nacht

Von da an arbeitete die Classic-Mannschaft Tag praktisch Tag und Nacht am Auto, überarbeitete jedes einzelne Bauteil, stellte mit Werksdaten und im Feld gewonnenen Erfahrungen neu ein, schliff, lackierte. Makrutzki: „Wir haben das Unmögliche möglich gemacht und sind in sieben Monaten fertig geworden. Realistisch wären 12 bis 14 Monate.“ Das Ziel war, den Carerra GT zur 70-Jahr-Feier im Kundencenter in Atlanta fertig zu bekommen. Dort nahmen 100 hochkarätige Gäste an einem Symposium teil. Die Gelegenheit, dort zu zeigen, was möglich ist, war verlockend. Doch nicht nur der Zeitplan war ehrgeizig: Der V10-Sportwagen sollte technisch besser sein, als er es als Neuwagen war. Dazu kamen diverse Sonderwünsche für Optik und Ausstattung: Der Kunde hatte Renderings mitgebracht, die seine Vorstellung zeigten. Ihm ist jedoch nicht nur die Optik wichtig: Makrutzki beschreibt den Auftraggeber als ehrgeizigen und Performance-orientierten Sportwagensammler, der seine Autos auch bei hohem Tempo beherrschen möchte.

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Hochglänzende Magnesium-Felgen? Fast unmöglich, aber nur fast

Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Foto: S. Braun/Porsche
Das Felgenhorn hat Porsche versilbert - anders war keine hochglänzende Oberfläche auf die Magnesium-Felgen zu bekommen.

Mit seinen genauen Vorstellungen hat der Kunde offenbar auch den Ehrgeiz den Porsche-Leute gekitzelt: Diese ließen nicht eher nach, bis das Horn der Magnesium-Felgen hochglänzend war. Normalerweise unmöglich, denn Magnesium lässt sich nicht hochglänzend polieren, ohne dass die Felge hinter unbrauchbar ist. Die Lösung war sauteuer: Silber. Ein spezieller Primer machte es möglich, das Felgenhorn zu versilbern. Jetzt ist es hochglänzend, die Speichen sind goldfarben lackiert – ein Detail, das an den 911 GT1 erinnert. Ein weiteres Zitat findet sich auf den Sitzflächen, die bei einem frühen F-Modell mit Pepita-Stoff bezogen sind. Das Interieur bekam an allen Stellen, an denen vorher Plastik war, Leder – zum Teil zweifach gespalten und hauchdünn verlegt.

Die zweite Herausforderung und der Grund war die Carbonzelle. Mit der Zeit schimmert Sichtcarbon durch die Einwirkung von UVA- und UVB-Strahlung, also Tageslicht, leicht gelblich. Also schliff ein Mitarbeiter drei bis vier Stunden pro Tag das Carbon hauchdünn und extrem gleichmäßig ab – die Struktur selbst durfte auf keinen Fall verletzt werden. Extra dafür wurde vorher an anderen Teilen geübt, bevor es ans Kundenauto ging.

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Eingestellt: genauer geht's nicht

Als der Motor mit frischen und genau zueinander passenden Teilen wieder zusammengebaut und auf dem Prüfstand eingestellt war, die Carbonhülle angeschliffen und wieder lackiert war, bauten die Mitarbeiter den Carrera GT wieder zusammen, stellten Fahrwerk und Motor ein. Das Fahrwerk wurde vermessen, anschließend probegefahren, dann wieder vermessen und das Ganze zwei- bis dreimal wiederholt. Alles, um das Fahrwerk mit den idealen Werten ohne Toleranz einstellen zu können. Der Kunde will das Auto schließlich fahren. Schnell fahren.

Insgesamt stecken 1.700 Stunden Arbeit in dem Auto. Das entspricht dem Umfang einer Vollrestaurierung. Ob Porsche noch einmal einen Carrera GT in den Auslieferungszustand versetzt? Gut möglich, eine Anfrage gibt es schon. Doch die 14 Mitarbeiter in der Classic-Werkstatt sind ausgelastet mit den Restaurierungen von 356, 911 und Transaxles sowie der Wartung 959 – vom Superheld der Achtziger stehen allein 18 Stück in der Werkstatt. Was die Sanierung des Carrera GT gekostet hat? Eine sechsstellige Summe, präziser wird Porsche an dieser Stelle nicht. Diskretion gehört zum Geschäft.

Fazit

Beeindruckend, was Porsche Classic leisten kann. Beeindrucken auch, was sich manche Fans leisten können. Applaus haben beide verdient, so ein Projekt ist ziemlich einzigartig. Über Geschmack braucht sich hier keiner streiten; was geht und was nicht, haben der Auftraggeber und Porsche untereinander ausgemacht.

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