Vom Eisenbahnrad zur Kurbelwelle Michael Rassinger
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Sachsen Classic 2012: Vom Eisenbahnrad zur Kurbelwelle

Sachsen Classic 2012 Vom Eisenbahnrad zur Kurbelwelle

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Was Niles-Simmons-Hegenscheidt mit Sachsen zu tun hat und wie ein weltweit tätiges Industrieunternehmen mit Technologie aus dem Eisenbahnbau den Käfer schneller machte. Ein Interview mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der NHS-Gruppe, Prof. Dr.-Ing. Hans J. Naumann.

Sachsen gilt als die Wiege des deutschen Maschinenbaus. Bis wann geht diese Tradition zurück?

Naumann: Bereits 1703 wurde in Chemnitz die erste Fabrik für Spezialmaschinen für die Strumpf- und Wäscheindustrie gegründet. 1837 begann der spätere Lokomotivkönig Hartmann mit der Produktion von Dampfmaschinen, bald auch von Dampflokomotiven. Ab 1850 wurden Webstühle in Chemnitz produziert, die bei einer Präsentation im ebenfalls Webstühle herstellenden England derart überzeugten, dass sie im Commonwealth mit dem Aufdruck "Made in Germany" stigmatisiert werden mussten. Aus dem Stigma wurde, wie allgemein bekannt, ein Qualitätssiegel.

Wann und wie kommt Niles-Simmons-Hegenscheidt ins Spiel?

Naumann: Die Firma Niles wurde bereits 1833 in Cincinnati/Ohio in Amerika gegründet, stellte Werkzeugmaschinen zur Produktion und Instandhaltung von Eisenbahnradsätzen her. 1898 siedelte sich Niles auch in Berlin, später in Chemnitz an. Niles ging nach dem Krieg im Großdrehmaschinenkombinat 8. Mai in Chemnitz auf, das ich nach der Wende von der Treuhand übernahm. Bereits 1982 hatte ich den Maschinenhersteller Simmons in USA erworben, zu dem die amerikanische Niles damals bereits gehörte. Auch hier ging es um Maschinen zur Herstellung und Instandhaltung von Eisenbahnradsätzen. Schließlich wurde die deutsche Firma Hegenscheidt mit Sitz Erkelenz in das Unternehmen integriert, Sitz der heutigen NSH Group - Niles-Simmons-Hegenscheidt - ist Chemnitz.

Wie spannt sich nun der Bogen von der Eisenbahn zur Leistungssteigerung beim Käfermotor?

Naumann: Lager im Eisenbahnbau sind sehr hohen Drücken und damit sehr großen Belastungen ausgesetzt. Hier kam man auf die Idee, hoch beanspruchte Teile mit Walzrollen zu bearbeiten, um durch Kaltwalzen das Material an den Lagerstellen lokal zu verdichten. Im Kontakt mit VW wurden Probleme mit den Kurbelwellen beim Boxermotor thematisiert. Die früheren Gusskurbelwellen brachen, als die Leistung stieg. Bei unserem Verfahren werden die Übergangsradien der Haupt- und Pleuellager kalt festgewalzt und so Druckspannungen aufgebaut. Diese Druckspannungen verfestigen die Hohlkehlen dieser Lager, und Kurbelwellen brechen nicht mehr, weil sie die ständigen Wechsel aus Zug- und Druckbelastungen besser aushalten. Diese Dauerwechselfestigkeit der Kurbelwellen erhöht sich um mehr als 200 Prozent - die Motoren können mehr Leistung bringen.

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