Suzuki Vitara X90, Anna Matuschek, Seitenansicht Hardy Mutschler
Suzuki Vitara X90, Anna Matuschek, Seitenansicht
Suzuki Vitara X90, Frontansicht
Suzuki Vitara X90, Seitenansicht
Suzuki Vitara X90, Heckansicht
Suzuki Vitara X90, Seitenansicht 8 Bilder

Suzuki Vitara X90 Fahrbericht

Zweisitzer mit langen Beinen

Jahrelang haben wir uns aus den Augen verloren. Vermisst, verpasst. Dann ist er da, der Tag des Wiedersehens. Endlich. Um acht Uhr morgens geht es los. Wir freuen uns auf Sonnen, Schwimmen, Quatschen – und den Suzuki Vitara X90.

Wie lange habe ich meine Freundin Djamila wohl nicht mehr gesehen? Sechs, sieben Jahre – minimum. Dabei haben wir unsere pubertäre Endzeit miteinander verbracht und gemeinsam erfolgreich gegen das Erwachsenwerden gekämpft. Dazu gehörte es unter anderem auch, die Tage am Baggersee zu verbringen anstatt auf anstehende Klausuren zu pauken.

Suzuki X90 wurde 1995 vorgestellt

Später haben sich die Wege getrennt, keine Ahnung warum. Aber heute wollen wir an die guten alten Zeiten anknüpfen. Mal raus ins Grüne fahren und den Tag genießen.
„Michele muss mit“!, unterstreicht Djam als ich sie abhole. Sie hat sich schon immer gut durchsetzen können, und der Tag soll nicht daran scheitern, dass wir ein 1,48 Meter langes Plastikkrokodil im Zweisitzer-Vitara X90 nicht transportiert bekommen. Meine damalige Busenfreundin war noch nie ein Crack in Sachen Auto. Aber der Suzuki weckt sogar ihre Aufmerksamkeit sofort. „Äh, was ist das denn?“, fragt sie staunend und ist damit sicherlich nicht allein.

Ja, er ist ein schräger Gefährte, der im Jahr 1995 auf der 56. IAA vorgestellte Suzuki X90. Zwei Sitze, das knubbelige Heck trägt einen unübersehbaren Heckspoiler, und der Stauraum darunter bietet gerade mal Platz für unser Badesee-Equipment. „Da passt Michele nicht rein!“, stimmen wir überein. Ablassen kommt nicht in Frage, die Puste sparen wir uns lieber für den Tag. Ein Glück, die beiden T-Roof-Targa-Dächer rechts und links vom Mittelholm sind mit einer lässigen Hebelbewegung aus der Führung genommen. An dem grauen Plastik-Instrumentenbrett mit zwei Airbag-Deckeln haben wir uns schnell sattgesehen.

Reihenvierer des Suzuki X90 ist ein Kreischer

Während Djam die Aussicht genießt und gleichermaßen damit beschäftigt ist ihr Kunstoff-Tier zu sichern, versuche ich den Boliden möglichst zügig auf Tempo zu bringen. Der 1,6-Liter Reihenvierzylinder des Suzuki X90 ist ein echter Kreischer. Gute zwanzig Sekunden benötigen wir, bis das angedachte Reisetempo von 120 km/h erreicht ist. Lange Haare fliegen durch den offenen Innenraum. „Ha´d Bürste bei?“, verstehe ich Djam vom Beifahrersitz durch Michele hindurchrufen. „Wasss?“. Die Hand hinter dem grünen Kollegen winkt ab. Scheint wohl egal zu sein.

Der Tacho reicht bis 160 km/h. Schafft der Suzuki X90 das auch? Ich schalte hoch, den Vierten, den Fünften. Ja, er schafft es. Und sogar noch mehr. Die Nadel neigt sich ins Leere. Mit dem Probieren soll es dann auch genug der Hatz gewesen sein. Nach 200 Kilometern geradeaus biegen wir hinter München in idyllische Sträßchen ein. Bei so vielen Seen wird auch sicherlich ein ruhiges Plätzchen für uns dabei sein. Eines, an dem man den Wagen parken kann, denn auf Sachen schleppen – da sind wir uns einig – haben wir keine Lust.

Auf Wunsch werden alle vier Räder angetrieben

Der Isar-Strand ist zu voll, der Starnbergersee zu privatisiert. Wir beschließen, unsere Ansprüche herunterzuschrauben. Ein Feldweg, der uns die Durchfahrt gestattet, kommt da genau gelegen. Djam hält Ausschau, ich führe das Kraftfahrzeug. Und zwar im 4L-Modus. Der Suzuki X90 bietet neben dem Hinterradantrieb auch Schaltpositionen für leichtes und schweres Gelände. Um den gewünschten Vierrad-Antrieb zu aktivieren, müssen wir allerdings anhalten.

Mit dem Zuschalten der Vorderachse krabbelt der Suzuki X90 wie eine Wühlmaus durchs Geröll. Jeder Stein auf dem Weg lässt unsere Hüften vom Gestühl hopsen. Könnte Michele lachen, würde er es ebenso lautstark tun wie wir. Es gibt keinen See am Ende des Weges. Aber Aussicht. Picknick-Pause? Aber immer. Banänchen? Unbedingt! Bananen haben schon damals zur geliebten Kost gehört. Neben ihrem gesunden Gehalt an Kalium, Calcium, Magnesium und Vitamin C bieten diese Früchtchen auch diesen lustigen, provokativen Anblick beim Verzehr.„ Weiß du noch, damals am Baggersee, als die Typen alle so verwirrt geschaut haben?“ blödeln wir auf einer einsamen Wiese vor uns hin.

„Ich hab immer noch keine Ahnung von Autos“, gesteht mir Djam. Wir beschließen eine kurze Führung durch den Maschinen-Raum zu machen. Doch das Öffnen der Motorhaube stellt auch mich vor Rätsel. Nicht im Fahrer-Fußraum rechts, nicht unter dem Instrumentenbrett und auch nicht an der Front – nein die Motorhaubenentriegelung sitzt ganz oben im Handschuhfach.

Komfort ist anders

Der Anblick des Suzuki X90-Antriebs könnte weniger aufregend kaum sein. Reihenvierzylinder, 16 V, Multipoint-Einspritzung und ein geregelter Kat. Nichts Spannendes dran am mit 132 Newtonmeter und 97 PS ausgestatteten Aggregat. „Wollen wir dann los?“, regt Djam zum Schließen der Motorhaube an. Gesagt getan, die Suche nach Wasser geht weiter.

„Liegt ganz gut in der Kurve, gell?“, grinse ich während der Hatz durchs Grüne. „Warum gibt es hier eigentlich keinen Haltebügel?“ lautet die Antwort. Das Fahrwerk des Suzuki X90 ist nicht auf Komfort abgestimmt, jede kleine Welle überträgt sich auf die Wirbelsäule der Insassen. Dennoch, die Aufgabe, den Vitara möglichst agil zu bewegen, macht eine Menge Spaß.

„Da! Da! Da!“, kreischt Djam im Tal plötzlich, als ob sie einen Sandstrand inklusive Baywatch-Hero David Hasselhoff sehen würde. Wir fahren mit unserem Suzuki X90 hin, zum Tümpel. Nicht gerade das, was wir uns unter Baggersee vorgestellt hatten. „Meinst du wenn wir Michele zu Wasser lassen, vertreibt er die Algen?“, witzel ich herum. „Spinnst du eigentlich? Das Wasser ist viel zu dreckig“, schmettert sie verbal zurück und unterstreicht ihre Aussage mit einem Handtuch-Hieb. Nicht mit mir!

Wir kloppen uns auf dem feuchten Boden, bis wir vor Lachen und Schnaufen total aus der Puste sind. Djams Blick fällt auf den Suzuki X90. „So schlecht finde ich den ja gar nicht. Die Farbe ist doch ganz hübsch?“ gesteht sie ihre Zuneigung. Die Produktionszeit von 1996 bis 1997 spricht für sich. Die Verkaufszahlen mit knapp 3.000 Stück ebenso. Viele Fans hatte der 3,71 Meter Kurze damals nicht.

Viel Platz gibt es nicht im Suzuki X90

Neben der skurrilen Optik und dem sehr ruppigen Fahrwerk dürfte das vor allem am mageren Platzangebot des Suzuki X90 gelegen haben. Selbiges Problem haben Besitzer heute immer noch. Entweder man ist alleinstehend oder hat noch ein Stauraum bietendes Zweitgefährt im Stall. „Und was machen wir jetzt?“ fällt die Frage auf den durchweichten Acker. Hm, wie wäre es mit unserer alten Stammkneipe zu Hause?

Gute Idee. Kroko-Kollege Michele passt nach dem Luft-Ablassen locker in den Kofferraum des Suzuki X90 – nachdem die beiden Dachhälften wieder am Auto eingeklipst sind. Total verfilzt machen wir uns auf den Heimweg. „Ich fand den Tag sehr schön. So etwas sollten wir öfter machen“, resümiere ich. „Ganz genau. Und wenn du mal so ein Auto günstig angeboten bekommst, gib Bescheid“, kommt es zurück. Djam ist eben immer für eine Überraschung gut. Damals wie heute.

Technische Daten

Suzuki Vitara X-90
Grundpreis 15.446 €
Außenmaße 3710 x 1695 x 1555 mm
Kofferraumvolumen 237 l
Hubraum / Motor 1590 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 71 kW / 97 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
Verbrauch 7,9 l/100 km
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