Rallye Finnland 2014 (Tag 3)

Riesenspannung in Finnland

Jari-Matti Latvala - Rallye Finnland 2014 - WRC - VW Polo R WRC Foto: xpb 39 Bilder

Ein Bremsdefekt kostete Jari-Matti Latvala fast den schon sicher geglaubten Heimsieg. Der Vorsprung des VW-Piloten auf seinen Teamkollegen Sébastien Ogier schmolz auf wenige Sekunden.

Es war einer der seltenen Fälle, wo sich sämtliche Zeugenaussagen deckten: "Da war ein Riesenloch hinter einer Kuppe, mitten auf der Straße, und ich kam mit 170 angerauscht", sagte Kris Meeke im Etappenziel am Samstagabend (2.8.). Der Citroën-Fahrer kam mit einem verbogenen Unterbodenschutz glimpflich davon. Gleiches gilt für VW-Fahrer Sébastien Ogier, dessen Kühler zwar stark verbogen war, aber kein Wasser verlor.

Bremsleitung reißt an Latvalas VW Polo R WRC

Der Unglücksrabe hieß Jari-Matti Latvala. Bis auf über 30 Sekunden hatte er seinen Vorsprung auf Vorjahressieger Ogier ausgebaut, die Rallye schien schon entschieden. Doch der Einschlag in das aufgerissene Bankett in Jukojärvi riss eine Bremsleitung ab. Latvala musste die rechte Vorderradbremse vom Kreislauf abtrennen. Elf Sekunden kostete das Malheur in Ruhimäki, aber Latvala musste drei weitere Prüfungen durchhalten, bevor er das Etappenziel erreichte. "In jeder Linkskurve ist das Heck ausgebrochen, wir hatten ein paar üble Momente", sagte der Lokalheld im Ziel, in das er gerade einmal 3,7 Sekunden Vorsprung gerettet hatte.

Obwohl ihm durch das Missgeschick fast die gesamte geleistete Arbeit des Wochenendes geraubt hatte, präsentierte sich Latvala aufgeräumt am Service in Jyväskylä: "Ich denke jetzt nicht mehr an die Weltmeisterschaft, ich denke nur noch an den Sieg." Von mehreren tausend Fans erntete der tapfere Nordmann Szenenaupplaus.

Auch der Verfolger zollte Respekt: "Ich habe keinen Grund zum Jublen. Jari-Matti war das ganze Wochenende sehr stark und heute schneller als ich", sagte Sébastien Ogier, kündigte aber eine weitere Attacke an: "Wenn du mit weniger als vier Sekunden zurückliegst, musst du etwas versuchen."

Citroën-Pilot Östberg aus dem Rennen gezogen

Durch das Drama an der Spitze gingen die restlichen Ereignisse des Tages fast unter. Mads Östberg knallte mit seinem Citroën nach einem langen Sprung auf einen dicken Fels und vermutete einen Reifenschaden. Der Erleichterung, dass alle Reifen heil waren folgte die Ernüchterung. Der Aufprall war so stark, dass der Überrollkäfig verbogen war. Die Technischen Kommissare zogen den Norweger aus dem Verkehr.

Landsmann Andreas Mikkelsen bot eine starke Vorstellung, hatte Östberg vor dessen Ausfall schon niedergerungen und belegt mit 1:20 Minuten Rückstand Rang vier. Nach hinten hat der VW-Junior knapp eine Minute Luft, denn Mikko Hirvonen knackste sich nach dem Mittagsservice eine Radaufhängung am M-Sport-Fiest an und konnte froh sein, sich als Fünfter ins Etappenziel zu retten. Dahinter verteidigt Haydon Paddon Rang sieben als bester Hyundai-Fahrer, der noch eine knappe halbe Minute auf seinen finnischen Teamkollegen Juho Hänninen hat.

Bei knapp vier Sekunden auf ausstehenden 37 Kilometern am Sonntag muss Weltmeister Sébastien Ogier auf den zwei Durchgängen von Ruuhimäki und Myhenpää eine Zehntelsekunde pro Kilometer aufholen. "Ich will nicht alles riskieren", sagt der Franzose. Stallorder wird es keine geben. "Die zwei machen das schon", sagt Sportchef Jost Capito. Sowohl Ogier als auch Latvala suchen die Entscheidung auf den 23 Kilometern von Myhenpää. Beide sagen, es sei die schönste Prüfung der Rallye. Der einzige, der die Schönheit unbeschwert genießen kann ist der drittplatzierte Kris Meeke: "Ich habe den Logenplatz", sagt der Nordire.

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