Rallye Finnland 2014 (Tag 4)

Latvala gewinnt Finnland-Krimi

Jari-Matti Latvala - Rallye Finnland 2014 - WRC - VW Polo R WRC Foto: xpb 39 Bilder

Einen Thriller bis zum letzten Kilometer lieferten sich die VW-Werksfahrer Jari-Matti Latvala und Sébastien Ogier in den Wäldern Finnlands. Am Ende hatte der Lokalheld haarscharf die Nase vorn.

Drei Tage oder 360 Kilometer lang hatten sich die beiden VW-Piloten auf den 26 Prüfungen um jede Sekunde geschlagen, am Ende entschieden 3,6 Sekunden. Vom ersten Kilometer an hatte Finnlands Hoffnung Jari-Matti Latvala geführt und seinen Vorsprung kontinuierlich Sekunde um Sekunde ausgebaut, bis er am Samstagnachmittag mit rund einer halben Minute wie der sichere Sieger aussah und wegen einer defekten Vorderradbremse fast alles wieder verloren hatte.

Latvala gewinnt trotz Problemen

Mit einer Bestzeit in Ruuhimäki war Latvala in die letzten drei Prüfungen des Sonntags gestartet, erhöhte sein knappes Konto auf fünf Sekunden. Ogier holte sich auf den langen 23 Kilometern von Myhenpää 1,3 Sekunden zurück, angesichts von nur noch sieben ausstehenden Kilometern im zweiten Ruuhimäki Durchgang zu wenig. Dabei musste sich Latvala abermals mit Problemen herumschlagen, wegen eines Elektrikproblems konnte er die Ansagen seines Copiloten Miikka Anttila nur auf einem Ohr hören.

Ogier holte sich die letzte Bestzeit und die drei Extrapunkte, aber Latvala ließ sich trotz aller Wiedrigkeiten die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Nur eine Zehntelsekunde hinter dem Weltmeister kreuzte der Mann aus Suomi die Linie und schenkte Finnland den versprochenen Sieg. Es war der knappste Sieg in der Geschichte des finnischen WM-Laufes und zusammen mit dem Duell zwischen Sébastien Loeb und Marcus Grönholm 2003 in Deutschland der siebtknappste Sieg in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft.

"Ich bin so froh und erleichtert, ich könnte heulen", sagte der Sieger im Ziel. "Ich habe noch nie so lange und hart für einen Sieg gearbeitet. Ich wollte zeigen, dass die Finnen hier immer noch eine Macht sind, und ich bin sehr glücklich, dass ich das beweisen konnte."

Kris Meeke als Best of the Rest

Der Unterlegene trug es mit Fassung. Sébastien Ogier hat immer noch 44 Punkte Vorsprung in der Tabelle. "Ich gratuliere Jari-Matti. Er hat den Sieg verdient, und vielleicht ist es gar nicht schlecht, hier Zweiter zu werden. So sind die Finnen heute Abend auf der Party nicht sauer auf mich."

Alle anderen hatten mit dem Sieg in Finnland von Anfang an nichts zu tun. Best of the Rest im Feld war Kris Meeke, der als einziger dem Tempo der Spitze halbwegs folgen konnte. Der Nordire ließ es allerdings am letzten Tag deutlich ruhiger angehen. Schließlich war er an gleicher Stelle im vorigen Jahr auf der letzten Prüfung noch in den Wald geflogen.

Mit Respektabstand belegte Andreas Mikkelsen im dritten Werks-Polo den vierten Rang. Erst dann kam der frühere Finnland-Sieger und Lokalmatador Mikko Hirvonen im Ford Fiesta des M-Sport-Teams ins Ziel. Der zweitbeste Finne war am ganzen Wochenende nicht in Form, zudem verhinderte am Samstag eine gebrochene Radaufhängung jede Chance auf zumindest den vierten Rang. Ziemlich defensiv ging Elfyn Evans im zweiten M-Sport-Ford bei seinem WRC-Debüt in Finnland zu Werke. Immerhin blieb der Waliser fehlerlos und sammelte als Siebter wieder einmal Punkte.

Robert Kubica nur 35.

Juho Hänninen war anfangs der schnellste Hyundai-Pilot, aber ein Graben-Ausflug samt halber Rolle kostete den dritten Finnen eine Topplatzierung. Weil Team-Junior Hayden Paddon sich am Sonntag mit einem Problem an der Servolenkung plagte, erbte Hänninen immerhin Platz sechs und ist damit bester Hyundai-Fahrer, nachdem Teamleader Thierry Neuville schon am Freitag mit beschädigtem Überrollkäfig aufgeben musste. Paddon fiel durch sein Problem auf Platz acht zurück. Von hinten drohte keine Gefahr. Henning Solberg, als bester Privatfahrer im Ford Fiesta hatte durch fünf Reifenschäden zu viel Zeit verloren. Solberg ist der einzige WRC-Fahrer, der auf Pirelli-Gummis an den Start ging.

Nur auf Platz 35 kam Robert Kubica ins Ziel, nachdem er seinen Ford wie bei zuvor sechs von sieben Rallyes von der Strecke geworfen hatte. Aber das Auto des Polen war reparabel, und Kubica riss sich am Samstag und Sonntag am Riemen. Dabei hing er auf der letzten Prüfung schon wieder mit einem Rad im Graben. Dem Fernsehteam im Ziel entgegnete er allerdings cool: "Ich hatte alles unter Kontrolle."

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