Rallye-Gemeinde sauer auf Ford

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Ford will eine Umkremplung des technischen Rallye-Reglements. Weil der Wackelkandidat aus England aus der Reihe tanzt, sind die anderen Werksteams sauer.

Der Sieg von Petter Solberg in Sardinien geriet fast zur Nebensache. Stattdessen redete sich der Rallye-Zirkus über einen Vorschlag von Max Mosley die Köpfe heiß. Der FIA-Präsident schlägt vor, ab 2006 die bisherigen World Rally Cars (WRC) zu verbieten und durch vermeintlich deutlich billigere Saugmotor-Autos mit einem Standard-Allradantrieb zu verwenden. "Super 2000" heißt der Arbeitstitel für die neue Formel.

Losgetreten hatte die die Lawine Ford-Sportchef Jost Capito. Der wandte sich an die Sportbehörde, weil seiner Konzernleitung die Rallye-WM zu teuer ist. Da Ford ohnehin einen neuen Focus für den Tourenwagensport entwickelt, träumt Capito von einem Rallye-Reglement, bei dem sich von Karosse bis Motorblock identische Teile verwenden lassen.

Jost Capito: "Super 2000 bringt mehr Teilnehmer"

"Das jetzige WRC-Reglement ist für Ford und auch für potenzielle Neueinsteiger zu teuer und technisch zu schwer beherrschbar. Mit dem Super 2000-Reglement könnten auch Privatteams in die Rallye-WM einsteigen, was wieder mehr Teilnehmer bringen würde", sagt Capito. Bisher liebäugelt allenfalls der eventuelle Neuzugang Suzuki mit der Super 2000-Idee.

Die anderen Werke sind sauer. Skoda will 2005 einen überarbeiteteten Fabia WRC homologieren, Citroen arbeitet an einem neuen C4 WRC. Peugeot hat bereits Riesensummen für die Entwicklung des 307 WRC ausgegeben, die allesamt reif für das Museum wären, wenn sich Capito durchsetzt. Sowohl die beiden französischen Marken als auch Skoda und Mitsubishi drohen mit Ausstieg, falls die Super 2000 bei der nächsten FIA-Weltratssitzung verabschiedet wird.

Subaru-Teamchef David Lapworth versteht weder Mosleys noch Capitos Gebahren: "Vor ein paar Wochen hatten wir eine gemeinsame Sitzung, bei der einmütig beschlossen wurde, das WRC-Reglement mit einem detaillierten Kostensenkungsplan fortzuführen. Dann macht Mosley diese Kehrtwende. Da können wir uns alle Sitzungen sparen."

Ford tanzte aus der Reihe

Laut Aussage eines FIA-Sprechers stimmte bei der besagten Sitzung der Rallye-Kommission auch Ford dem WRC-Plan zu, eine Woche später habe Sportchef Capito plötzlich mit Ausstieg aus Kostengründen gedroht. Das wiederum brachte den FIA-Präsidenten auf den Plan. Bis zum Ende der laufenden Woche haben die Hersteller Zeit, sich zu Mosleys Vorschlag zu äußern. Am kommenden Mittwoch (13.10.) wird das Rallye-Reglement für 2006 beschlossen.

WM-Vermarkter David Richards war besonders angefressen: "Ford macht hier genau das Gleiche wie in der Formel 1. Erst fordern sie weitreichende Änderungen (In der Formel 1 Achtzylinder-Motoren). Wenn dann die Regeln in ihrem Sinne geändert werden, steigen sie einfach aus." Sportchef Capito lassen die Vorwürfe kalt: "Es ist nicht unsere Aufgabe, das Reglement zu machen. Außerdem ist der Motorsport nicht das Kerngeschäft eines Herstellers."

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