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Rallye Monza 2020: Ogier neuer Weltmeister

Rallye Monza 2020 Ogier neuer Weltmeister

Sechs Wochen lebte Rallye-Britannien in der freudigen Erwartung auf einen dritten Weltmeister. Doch der heißt am Ende nicht Elfyn Evans, sondern wieder einmal Sébastien Ogier und Julien Ingrassia.

Elfyn Evans hätte nach Colin McRae und Richard Burns den dritten Titel für Britannien holen können. Es wurde nichts draus. So ist es der 17. Fahrer-WM-Titel für Frankreich und der siebte für Sébastien Ogier. Die Weltmeisterschaft entscheidet sich auf der vorletzten Samstagsprüfung.

Dort wird Evans in seinem Toyota vom frisch gefallenen Schnee eiskalt erwischt und segelt in einer Rechtskurve rückwärts die Böschung runter. Der Weg ist damit bereitet für Ogier, der bei der Rallye Monza zum Sieg fährt und sich den Titel zurückholt, den ihm im Vorjahr Ott Tänak entrissen hatte. Seine sieben Titel gewann der Franzose mit VW, Ford M-Sport und jetzt mit Toyota.

Ogier konnte sich bei Scott Martin bedanken, nicht selbst ins Verderben gestürzt zu sein. Die Warnung von Evans’ Beifahrer rettete ihn. Der Franzose, der mit einem Rückstand von 14 Punkten zum Saisonfinale nach Italien gereist war, warf sofort den Anker und rutschte dennoch bedrohlich auf den Abgrund zu, bis die Vorderräder endlich doch der Lenkung folgten.

Hyundai Markenweltmeister

Ganz britischer Sportsmann, entschuldigte sich Evans am Abend bei seinem Arbeitgeber Toyota für den Verlust der Marken-Punkte, aber selbst der neue Champion Ogier gestand: "Da kannst du nichts machen. Das war wie auf Eis. Sie haben mich schon runtergebremst, und ich bin gerade so durchgekommen."

Der scheidende Teamchef Tommi Mäkinen fand zunächst "keine Worte", sprach dann aber doch gequält: "Sie hatten das so gut unter Kontrolle." Tatsächlich meinte der keineswegs als Aufschneider bekannte Evans am Abend: "Ich war eigentlich vorsichtig und dachte, ich kann sogar ein bisschen schneller fahren. Aber an der Stelle gab es einen Belagwechsel, und kombiniert mit dem frischen Schnee war es wie auf Glas."

Nach Evans Missgeschick ist die Luft im Saisonfinale raus. Die Abstände zwischen dem führenden Ogier und den zeitweise arg vorsichtig agierenden Hyundai-Männern Ott Tänak und Dani Sordo sind für das Restprogramm von vier weiteren Micky-Maus-Prüfungen in Monza zu groß. Der frisch entthronte Weltmeister aus Estland und der Edel-Joker aus Spanien tauschen am Sonntag drei Mal ihre Podiums-Positionen, ohne dass es ihnen ernsthaft auffällt.

Hyundai rettet mit den Rängen 2 und 3 die Titelverteidigung ins Ziel. Die Koreaner sind wieder Markenweltmeister. Selbst für die Gewinner ist es nach der kürzesten und doch irgendwie längsten WM-Saison aller Zeiten eher ein erleichtertes Durchatmen als ein Jubeltag. "Ich wollte hier nicht wie wild rumspringen. Wir leben in einer Zeit, in der überall auf der Welt Menschen leiden", sagte Ogier nach der eher verhaltenen Siegerehrung.

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