Rallye Wales 2017

Evans siegt, Ogier feiert Titel

Sebastien Ogier - Rallye Wales 2017 Foto: M-Sport

Elfyn Evans hat die Rallye Wales gewonnen. Der Premierensieg des Lokalmatadors wurde aber durch den vorzeitigen Titelgewinn von Seabstien Ogier etwas in den Schatten gestellt.

Schnell wird bei der Rallye Wales klar, dass sich Elfyn Evans nur selbst schlagen kann. Der Mann aus Dolgellau im County Gwynedd ist auf den seifigen Forstwegen groß geworden, kennt jedes Schlammloch auswendig. Zweitens entwickelt sein Team M-Sport seit 20 Jahren seine Autos im Greystoke Forest am Lake District, wo die Waldwege exakt so schmierig sind wie in Wales. Seit Malcolm Wilsons Team Ford-Modelle für die Rallye-WM fit macht, haben seine Autos besonders auf extrem rutschigem Geläuf immer ausgezeichnet funktioniert.

Drittens fährt Evans als einziger nominierter Fahrer in der Marken-WM auf DMack-Reifen. Die Gummis des kleinen britischen Herstellers, der bis vor einem Jahr noch im Billiglohnland China produzieren ließ, wurden lange belächelt. In Zeiten der Einheitsbereifung fuhr die WM-Elite von 2008 bis 2010 Pirelli, danach bis heute Michelin. Seit wieder Konkurrenz erlaubt ist, haben die Briten viel gelernt, und zudem mit einem Pirelli-Ingenieur genau die Erfahrung eingekauft, die ihnen fehlte. Der neue extra-weiche Schotterreifen sorgte für beste Traktion auf nasskaltem Boden.

Konkurrenz schlägt sich selbst

Elfyn Evans - Rallye Wales 2017 Foto: Red Bull
Premierensieg auf heimischem Boden. Elfyn Evans hatte in Wales Grund zu feiern.

Evans profitiert auch davon, dass ein Großteil der Gegner mit sich selbst beschäftigt ist. Seinem DMack-Vorgänger Ott Tänak fehlt mit den Michelins nicht nur Grip, sondern auch das richtige Gefühl für Top-Zeiten. Der Este wird am Ende Sechster und Letzter einer Gruppe von fünf Piloten, die sich am letzten Morgen noch um Rang zwei schlagen. Obwohl am Ende einen Platz besser, kann sich Jari-Matti Latvala kein bisschen freuen. Der Finne hat in Wales schon zwei Mal gewonnen und galt als einer der Top-Favoriten, doch die Toyota kommen samt und sonders mit den rutschigen Bedingungen nicht klar.

Auch Citroën gehört zu den Verlierern. Kris Meeke ist mal wieder stinkig, und mit dem auf Schotter ohnehin mit Vorsicht zu genießenden C3 wird er beim Heimspiel nur Siebter. Auch ohne einen kleinen Patzer mit abgewürgtem Motor hätte er mit den vorderen Rängen nichts zu tun. Seinem irischen Teamkollegen Craig Breen ergeht es noch übler. Erst bremst ihn ein Reifenschaden, dann steckt er in einem Graben fest. Das Resultat ist Rang 15.

Letzte Neuville-Attacke ohne Erfolg

Bei Hyundai versucht man Neuville mit neuer Aerodynamik und mehr Power nochmal Schub für den WM-Kampf zu geben. Doch schon am Donnerstag kassiert der Belgier zum Auftakt eine Zehnsekunden-Zeitstrafe. Der Zug ganz nach vorn ist früh abgefahren. Immerhin kämpft sich Neuville im Finale noch auf Platz zwei vor, den er nervenstark um 7,9 Sekunden gegen Rivale Sébastien Ogier verteidigt.

Neuville fährt auch in der abschließenden Powerstage Bestzeit und holt mit den fünf Extrazählern heraus, was geht. Ogier bekennt, einfach zu vorsichtig zu fahren, um ganz vorn zu sein, beweist aber wieder mal seine Extraklasse am Samstagabend. Im dichtesten Nebel hievt er sich von Platz vier auf Rang zwei, dabei ist vorn links die Bremsscheibe gebrochen.

Der Titelverteidiger kann Neuville nicht stoppen, hält aber Rang drei und ist damit auf WM-Kurs. Den vorzeitigen Titel könnte ihm noch Mikkelsen streitig machen, der mit zwei Bestzeiten am Sonntagmorgen alles versucht, doch Ogier bleibt um 4,6 Sekunden vor dem Norweger. Der Franzose hätte aus Hyundai-Sicht in der Powerstage ohne Extrapunkte bleiben müssen, doch Ogier erhält Schützenhilfe. Der bis dahin WM-Zweitplatzierte Ott Tänak geht auf den letzten 300 Metern absichtlich vom Gas, um dem Teamkollegen nicht gefährlich zu werden.

M-Sport kann doppelt jubeln

Teamchef Malcolm Wilson springt trotzdem nach der Zieldurchfahrt schreiend auf. Tänaks sechster Rang reicht schon zum endgültigen Gewinn der Marken-WM, der ersten für M-Sport und Ford seit 10 Jahren. Kaum sitzt Wilson wieder, darf er erneut jubeln. Als Ogier Rang 3 ins Ziel bringt, hat die Truppe aus Dovenby Hall auch die Fahrer-Krone eingeheimst. Sowohl Wilson als auch Ogier steht das Wasser in den Augen. „Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagt der nun fünfmalige Champion, bevor er seiner Frau Andrea Kaiser in die Arme fällt.

Dann geht Evans auf die letzte Prüfung, umschifft alle Strohballen, verschenkt diverse Zehntel hier und da und ist nur Achtschnellster. Aber am Ende schafft er das, was seinem einst pfeilschnellen Vater Gwyndaf nie vergönnt war: als erster Waliser am Steuer einen Rallye-WM-Lauf zu gewinnen. Der Jubel fällt entsprechend groß aus. Evans Junior hisst strahlend am Heck seines Fiesta die grünweiße Flagge mit dem roten Drachen.

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