Vorschau Rallye Deutschland

Wer außer Loeb?

Foto: McKlein 36 Bilder

Zum dritten Mal trifft sich der WM-Tross in Trier (19. bis 22.8.), um auf den Weinberg-Sträßchen der Mosel, den Landstraßen des Saarlandes und den Panzerwegen auf dem Truppenübungsgelände Baumholder im Hunsrück den vielseitigsten Asphalt-Piloten zu ermitteln.

Seit drei Jahren ist Citroën in der ältesten Stadt Deutschlands ungeschlagen. Tabellenführer Sébastien Loeb ist im Xsara WRC auch in diesem Jahr der Top-Favorit. Allerdings geht der Elsässer mit Demut an die Aufgabe heran. Bei Tests zerhämmerte er ein Auto an einem Hinkelstein, schmerzende Rippen erinnern ihn bis heute daran.

Große Töne spuckt nach dem Finnland-Sieg die PSA-Konzernschwester Peugeot. "Wir wollen in Deutschland gewinnen", sagt Marcus Grönholm, dem in seiner Erfolgsstatistik noch immer ein Asphalt-Sieg fehlt. 2003 musste sich der Finne in Trier um 3,5 Sekunden gegenüber Loeb geschlagen geben. Der Grund des neuen Peugeot-Selbstbewusstsein ist das endlich zur Rallye-Reife gebrachte Fünfgang-Getriebe, das schnellere Gangwechsel erlaubt und mehr Alternativen bietet als die bisherige Viergang-Variante. Als zweiter Fahrer für die Marken-WM tritt für Peugeot der Franzose Cedric Robert an, der auf Asphalt für eine Überraschung gut ist.

Reifenpoker

Auf dem Papier müsste der Favorit Ford heißen. Der Focus WRC mit seinem tiefen Schwerpunkt und hohem Abtrieb ist das perfekte Auto für die schnellen Deutschland-Prüfungen. Kein Fahrer fuhr 2003 so viele Bestzeiten wie Ford-Ass Märtin. Doch Ford backt bisher kleine Brötchen. Bei den Testfahrten in Baumholder zerstörte Francois Duval gleich zwei Autos. Nur ein Tag blieb, um die richtige Abstimmung und passende Reifen auszusortieren.

Bei keinem WM-Lauf ist die Wahl der Pneus solch ein Vabanque-Spiel wie in Deutschland. Wegen der unterschiedlichen Beläge und Prüfungscharakteristik ist ohnehin ein schwierig zu findender Kompromiss gefragt. Dazu kommt, dass die Fahrer bereits vor dem Service ihre Reifenwahl treffen müssen. Die Gummis müssen teilweise über vier Prüfungen halten. Ein Schauer zur falschen Zeit an falscher Stelle kann jede Siegeshoffnungen von der Straße spülen.

Im Vorjahr sorgten unregelmäßige Regenfälle für Reifenpoker und gute Unterhaltung. Auch in diesem Sommer verspricht die Vorhersage bisher unbeständiges Wetter. Auf Regen hofft vor allem Weltmeister Petter Solberg. Auf nassem Asphalt ist Subaru mit den Pirelli-Reifen siegfähig. Für den Titelverteidiger wäre ein Kantersieg im Loeb-Territorium fast die letzte Chance, den Zweikampf noch offen zu halten.

Die deutsche Fraktion

Um Achtungserfolge kämpfen Skoda und Mitsubishi. Die Tschechen hoffen, dass Lokalmatador Armin Schwarz in die Punkteränge fährt, bei Mitsubishi will man wertvolle Daten sammeln, bevor sich das Team wegen technischer und finanzieller Probleme zeitweilig aus der WM zurückzieht.

Klarer Favorit ist Mitsubishi nach vier Siegen in der Produktionswagen-WM, die rund um Trier ihren fünften von sieben Läufen austrägt. Der Deutsche Sebastian Vollak versucht sich im OMV-Team gegenüber Tabellenführer Jani Paasonen gut in Szene zu setzen. Für eine Überraschung gut ist Hermann Gassner. Der deutsche Meister steuert ebenfalls einen Mitsubishi Evo VII. Mit der nagelneuen achten Evolutionsstufe des Lancer sorgt der Schwabe Sandro Wallenwein in Trier für eine Premiere.

Weitere deutsche Starter sind der Asien-Pazifik-Meister Armin Kremer (Toyota Corolla WRC), Anthony Warmbold (Ford Focus WRC) und Seven Haaf, der in der Super 1600-Kategorie den ersten Sieg eines Citroën C2 feiern möchte.

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