Ott Tänak - Rallye Deutschland 2019 Red Bull

Neuer WRC-Kalender 2020

Rallye Deutschland abgesagt

Die Deutschland Rallye musste wie erwartet abgesagt werden. Die behördlichen Auflagen haben eine Durchführung der Veranstaltung einfach nicht zugelassen. Die Rallye Sardinien soll dagegen stattfinden, bekam aber einen neuen Termin.

Der Rallyesport hat wie kaum eine andere Disziplin unter der aktuellen Corona-Pandemie zu leiden. Die Events werden bekanntlich auf öffentlichen Wegen ausgetragen. Weil für die Pisten ein großes Areal abgesichert wird, ist ein wirksamer Infektionsschutz deutlich schwieriger zu garantieren als zum Beispiel bei Rundstrecken-Rennen.

Entsprechend groß sind die Einschnitte im Kalender. Während andere Serien den Rennbetrieb schon längst wieder aufgenommen haben, befindet sich die Rallye-WM noch immer in der Corona-Winterschlaf. Erst Anfang September soll die Saison mit der Rallye Estland nach knapp einem halben Jahr Pause wieder starten.

Mitte Oktober stand eigentlich auch die Rallye Deutschland auf dem Plan. Doch wie die Verantwortlichen nun mitteilten, musste die Veranstaltung ersatzlos gestrichen werden. Die erforderlichen Genehmigungen konnten trotz aller Bemühungen nicht erhalten werden. Alle Ticketkäufer erhalten den Kaufpreis automatisch zurückerstattet.

auto motor und sport hat mit ADAC-Sportchef Thomas Voss über die Hintergründe gesprochen:

Wie sah das letzte Konzept aus, dessen Durchführung nun scheiterte?

Voss: Das mit dem WM-Promoter und der FIA abgestimmte Konzept sah eine reduzierte WM-Rallye ohne die Beteiligung von Zuschauern rein auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder vor.

Was sind die Gründe für die Absage der Rallye Deutschland 2020?

Voss: Eine behördliche Genehmigung ist nur im engen Rahmen der örtlichen Verwaltungsvorschriften sowie der gesetzlichen Voraussetzungen der Bundesländer in Bezug auf Covid-19 möglich. Es wurden intensive Gespräche mit verschiedenen Behörden im Saarland, wo gegenwärtig nicht mehr als 900 Personen an einer Veranstaltung teilnehmen dürfen, und Rheinland-Pfalz geführt. Auch die Kommandantur des Truppenübungsplatzes wies ausdrücklich auf die aktuelle Risikosituation und die daraus resultierenden gesetzlichen Bestimmungen hin und konnte keine Veranstaltungen mit mehr als 350 Personen auf der Anlage unterstützen. Der Umfang des Militärareals liegt bei rund 80 Kilometern und ist nicht vollständig eingezäunt. Als Veranstalter kann man nicht dafür Sorge tragen, das Gelände so abzusperren, dass man den behördlichen Auflagen vollumfänglich gerecht wird, und sich Zuschauer nicht unbefugt und ohne die Möglichkeit einer Kontaktverfolgung Zugang verschaffen. Unter diesen Voraussetzungen lässt sich leider kein WM-Lauf durchführen. Wir haben alle zur Verfügung stehenden Optionen geprüft.

Sebastien Ogier - Rallye Deutschland 2019
Red Bull
Auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder konnte die sichere Unterbringung der Fans nicht gewährleistet werden.

Sie verhandelten mit FIA und Vermarkter um Preisnachlässe. Haben nicht auch wirtschaftliche Gründe zum Aus geführt?

Voss: Wenn man eine Veranstaltung ohne Beteiligung von Zuschauern durchführen muss, widerspricht dies grundsätzlich dem Geschäftsmodell des Veranstalters. Aber im Sinne des Motorsports waren wir bereit, dies auf uns zu nehmen. Der ADAC steht hinter dem Motorsport und unterstützt ihn auch in schwierigen Zeiten. Natürlich haben wir sowohl mit dem WM-Promoter als auch mit der FIA über ein finanzielles Entgegenkommen gesprochen und möchten uns nochmals beim WM-Promoter für seine Hilfe sehr herzlich bedanken. Die Absage erfolgte aber nicht aus finanziellen Gründen. In den vergangenen Monaten haben wir uns intensiv darum bemüht, die Rallye durchzuführen und gehen davon aus, dass auch der WM-Promoter und die FIA unsere intensiven Bemühungen zur Kenntnis genommen haben und zu schätzen wissen.

Wird sich der ADAC trotz oder womöglich wegen der diesjährigen Absage um einen WM-Lauf in 2021 bewerben?

Voss: Die FIA hat im vergangenen Jahr ein Rotationsprinzip für die Rallye-WM eingeführt, nach der die ADAC Rallye Deutschland im Jahr 2021 pausiert. Wir prüfen aktuell, ob wir uns angesichts der deutlich geänderten Rahmenbedingungen um die Austragung eines WM-Laufes 2021 bewerben. Hierbei spielt auch die Entwicklung rund um Covid-19 eine Rolle.

Gibt es ein Konzept für die Zukunft eines WM-Laufes?

Voss: Planmäßig ist Deutschland mit einem WM-Lauf erst 2022 wieder an der Reihe. Es gibt aktuell verschiedene Konzepte, aber erst benötigen wir intern ein grundsätzliches Votum für die Zukunft der ADAC Rallye Deutschland. Für diese Entscheidung haben wir aber noch etwas Zeit.

Wird der ADAC nun zum Beispiel mit einem EM-Lauf versuchen, eine internationale FIA-Meisterschaft nach Deutschland zu holen?

Voss: Zuerst prüfen wir die Möglichkeit, im kommenden Jahr einen WM-Lauf auszutragen

Rallye Sardinien vorverlegt

Neben der Streichung der Deutschland-Rallye gaben die WRC-Bosse auch bekannt, dass die Rallye Sardinien ein neues Datum bekommt. Um einen Überschneidung mit dem Formel-1-Grand-Prix in Imola zu vermeiden, wurde die Rallye auf der Mittelmeer-Insel vom letzten Oktober-Wochenende auf Mitte Oktober (8.-11. Okt.) nach vorne verlegt. Außerdem erhoffen sich die Organisatoren vom neuen Termin besseres Wetter.

Neben den bereits erwähnten Events in Estland und Sardinien stehen aktuell mit der Türkei (18.-20. Sep.) und Belgien (19.-22. Nov.) nur noch zwei weitere Rallyes im Kalender. Die komplette Saison umfasst somit lediglich sieben WM-Läufe.

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