Wenn die Null eine Eins ist - Beifahrerlehrgang

Foto: Kai Klauder 23 Bilder

Langsam fährt der Alfa auf die Lichtschranke zu, der Fahrer gibt Vollgas und der Co-Pilot beginnt zu zählen - rückwärts, von zehn auf null. Gerade hat er den Beifahrerlehrgang beim vierfachen deutschen Rallyemeister Peter Göbel besucht.

Viel hat er erfahren - über den richtigen Umgang mit Roadbook, Wertungsprüfung und Stoppuhr - doch jetzt ist er dran. Hier auf dem Sachsenring. Unter realen Bedingungen, nicht im großen Saal bei der Präsentation der kleinen Feinheiten der historischen Gleichmässigkeitsrennen.

Zurück auf die Rennstrecke: der Beifahrer hängt aus dem Türrahmen und schaut gespannt auf das Vorderrad. Er muss genau dann den Auslöser der Stoppuhr drücken, wenn das Rad den Luftschlauch berührt. Ab jetzt läuft die Zeit. 15 Sekunden, keine Hundertstel weniger soll es dauern, bis der zweite Luftschlauch die unbestechliche Zeitmessung des Mitveranstalters  Plusrallye beendet. Und jetzt ist es vorbei, gespannt guckt das Team auf die Digitalanzeige - und reißt die Arme hoch. 14,98 Sekunden stehen auf dem Zeitmesser - nur zwei Hundertstel Abweichung, das ist schon richtig gut. Und der Fahrer strahlt.

Bei der Sachsen Classic zählt Konstanz

Die Sachsen-Classic ist eine Gleichmäßigkeits-Rallye, bei der nicht das Tempo das Entscheidende ist, sondern möglichst zeitgenaues Fahren. Bei den Wertungsprüfungen müssen die Teams eine bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Zeit zurücklegen. Wer dieser Zeit am nächsten kommt oder sie erreicht, sammelt nur wenige oder gar keine Strafpunkte.

Es hört sich vielleicht nicht schwierig an, die Zeit möglichst genau zu treffen, aber hier kommt es auf Erfahrung und Gefühl an. Im Training wird das Gespür für Sekunden und Hundertstel geschult, so dass die talentiertesten Teams gegen Ende des Trainings auf eine Abweichung von nur wenigen Hundersteln Sekunden kommen.

Die häufigsten Fehler

Jan Wildelau, Einweiser von Plusrallye  beschreibt die häufigsten Fehler: "Bei Neulingen liegt die Zeitabweichung oft am falschen Zählen. Denn in der angespannten Rennsituation ist das gar nicht so einfach - vor allem nicht rückwärts - da ist die Null oftmals eine Eins."

Die Profis empfehlen eine möglichst schnelle Einfahrt in die Wertungsprüfung. Und auch während des hektischen Renngeschehens sollte man Ruhe bewahren und möglichst konstant fahren. Das Wichtigste überhaupt bleibt allerdings der korrekte Countdown.

Den Teams bleibt noch eine ganze Nacht zum Üben, bevor am 16. August die Etappe "80 Jahre Sachsenring" gestartet wird. Auf dem Platz der Völkerfreundschaft in Zwickau gehen die 186 Teams ab 12:01 Uhr auf die Strecke - bestimmt sekundengenau.

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