Alfa Romeo 8C Competizione

Il Trovatore

Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Er war der Liebling auf Automessen und in Fachzeitschriften. Er wurde so sehnsüchtig erwartet wie ein neuer Pavarotti. Nun ist er da und übertrifft sogar alle Erwartungen: Der Alfa Romeo 8C Competizione. Ein moderner, betörender 450-PS-Sportwagen ohne Star-Allüren.

Otto bedeutet in Italien etwas anderes als in Deutschland. Hier zu Lande denkt man vor allem an einen rüstigen Komiker, der zuletzt mit zwei Sieben-Zwerge-Filmen Furore machte. Jenseits der Alpen verspricht dagegen „otto“ – die Zahl acht – zumindest versierten Automobilisten den Himmel auf Erden, wenn damit die Anzahl der Zylinder benannt wird: die 8C-Modelle von Alfa Romeo aus den dreißiger Jahren, der Fiat 8V von 1952 oder der Lancia Thema 8.32 -auf italienisch „otto trentadue“, was ziemlich kompetent und sogar etwas dramatisch klingt.

Endlich ein funktionsfähiges Kaufobjekt

Den jüngsten Otto steuert nun in bester Tradition wieder Alfa Romeo bei: das kompakte Sportcoupé 8C Competizione. Endlich! Sein lang ersehnter Auftritt als solide gemachtes, voll funktionsfähiges Kaufobjekt ließ exakt vier Jahre auf sich warten, nachdem die Designstudie im Herbst 2003 erstmals im Rampenlicht der Frankfurter IAA stand. Und sie hat sich seither – Alfa Romeo sei allergrößter Dank – kaum verändert. Der 8C wuchs nur um zehn Zentimeter in die Länge, um neun in die Höhe und erhielt fünf Zentimeter mehr Radstand. Geblieben sind dadurch die überzeugende, funktionale Schlichtheit der Karosserie, ihre maßvollen Retro-Zitate und ganz besonders die freche Kürze durch die knappen Überhänge an Wagenheck und -front.

Der Alfa Romeo 8C (sprich „otto tschieh“) Competizione ist mit 4,38 Meter Länge sogar fünf Zentimeter kürzer als ein aktueller Porsche 911 – trotzdem gelang es den italienischen Technikern, die gesamte V8-Antriebstechnik zwischen den Achsen unterzubringen. Und die ist nicht von Pappe. Der von 4,2 auf 4,7 Liter vergrößerte, 450 PS starke Maserati- Motor kauert hinter der Vorderachse, das Transaxle-Getriebe sitzt zusammen mit den Passagieren vor der Hinterachse, sodass eine Gewichtsbalance von 49:51 Prozent die Traktion eines Traktors verspricht.

Seh- und Fühlspaß

Die Karosserie besteht komplett aus Kohlefaser und ist mit einem verwindungssteifen Stahlchassis kombiniert. Das Startgewicht des 8C liegt bei 1.585 Kilogramm und damit nur etwa 100 Kilogramm über dem eines 911 Carrera mit Sechszylindermotor. Doch vor dem Fahrspaß kommt der Seh- und Fühlspaß: herrlich einfach zu bedienende, massiv aus Alu geformte Dreh- und Kippschalter, die in den drei runden Drucktasten des sequenziellen Sechsganggetriebes in der Mittelkonsole gipfeln.

Sie wenden sich hingebungsvoll dem Fahrer zu und bitten um Hautkontakt – für die Rückwärtsfahrt (R), für die Fahrt mit automatischem Gangwechsel (A) oder im Sportmodus (S), der die Schaltzeiten verkürzt, die Gasannahme des Motors sensibilisiert und das Klappensystem des Auspuffs großzügiger regelt.

Perfekt konturierte, mit geflochtenem Leder bezogene Kohlefaser-Schalensitze und dahinter zwei maßgenau eingepasste Schedoni-Reisekoffer machen deutlich, dass der schöne Italiener auch für lange Strecken taugt. Das war bei seinem Vorbild von 1969 mit nur zwei Liter großem, aber 230 PS starkem V8-Motor nicht unbedingt der Fall.

Auto motor und sport-Testfahrer Manfred Jantke, der einen der 18 gebauten Tipo 33 Stradale fahren durfte, schrieb damals: „Im Tipo 33 kann man zwar die hungrigen Blicke der jüngeren weiblichen Passanten verstehen, aber kaum die der männlichen. Denn Tipo 33-Fahren im Straßenverkehr macht weiß Gott keinen Spaß. Die Federung ist vollkommen durch Straßenlage ersetzt, das Fahrgeräusch besteht aus einem gellenden Ansauggeräusch, und bei Sonnenschein erwärmt sich das Cockpit bis auf Saunatemperatur.“

Frischer und kompakter Sportler

Das ist heutzutage anders. Die hungrigen Blicke sind geblieben, doch sie stammen von gestandenen männlichen Motorjournalisten, die auf der Teststrecke von Balocco freundlichst um eine Probefahrt im knuffigen Alfa-Coupé bitten, sogar zum wiederholten Male. Im Stehen mit laufendem Motor bildet das hochtourige V8-Grummeln aus der Auspuffanlage einen beinahe irritierenden Kontrast zur kompakten, frisch und frech wirkenden Karosserie.

Der 8C scheint zu sagen: „Drive me if you can“, ist aber in Wirklichkeit ein wohlerzogener Spitzensportler – mehr Tennis-Crack als Rugby-Stürmer. Ist der Sportmodus aktiviert, überträgt das Getriebe die Schaltbefehle, die der Fahrer an den Lenkrad-Paddel aus kühlem Aluminium ausgibt, in heißen 80 Millisekunden auf den Asphalt. Man muss mit dem Tippen blitzschnell reagieren, denn der hubraumstarke V8 dreht bis 7.500/min mit der Gier eines hungrigen Tigers, dessen Brüllen er gekonnt kopiert. Kurze, jetzt wieder im Bariton klingende Gasstöße begleiten das Runterschalten.

Auf 500 Exemplare limitiert

In Kurven will der Alfa mit etwas Nachdruck gezwungen werden, die er jedoch – dank des kraftvollen Schubs an der Hinterachse -, elegant und pfeilschnell umrundet. Obwohl der 8C ohne elektronisch regelbare Dämpfer auskommt, besitzt er gegenüber dem legendären Tipo 33 Stradale eine durchaus reisetaugliche Chassis-Grundabstimmung. Hinzu kommt ein nicht ganz leises, jedoch wohl komponierte Fahrgeräusch. Und eine Klimaanlage bekämpft wirkungsvoll die Überhitzung im geräumigen Cockpit.

Einer genussvollen Reise von Padua nach Palermo stünde also nichts im Wege – wenn der schnelle Wagen noch zu haben wäre: Alle 500 geplanten Einheiten sind schon verkauft, und nur 81 Coupés kommen nach Deutschland. Die USA erhalten 84 Exemplare, die 2009 ausgeliefert werden, wenn die Marke Alfa Romeo wieder auf den US-Markt zurückkehrt und erneut zur Reifeprüfung antritt. Der 8C Competizione hat sie bereits glänzend bestanden.

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