Fahrerbewertung, Stefan Cerchez Dino Eisele

Ansichtssache Fahrerbewertung im Internet

Ein legitimes Mittel?

Seit Jahresbeginn ermöglicht ein Internet-Portal unkompliziert die Bewertung anderer Autofahrer. Kennzeichen eingeben, Button drücken, fertig. Stefan Cerchez weist auf die Risiken und Nebenwirkungen dieser modernen Form des Prangers hin.

Ein knappes Überholmanöver, das Drängeln auf der Autobahn, eine missachtete Vorfahrt – Gründe, sich über andere Autofahrer aufzuregen, gibt es jeden Tag und bei fast jeder Fahrt. Bislang mit zwei Möglichkeiten für die Betroffenen: den Ärger per Zeichensprache sowie passenden Licht- und Tonsignalen kundtun oder tief durchatmen, bis drei zählen und weiterfahren.

Nun bietet uns das Internet eine neue Option der Frustbewältigung. Auf der Seite fahrerbewertung.de können Nutzer seit Kurzem online über andere Autofahrer urteilen: Kennzeichen eingeben, Button drücken (positiv, neutral, negativ), fertig. Wer möchte, kann auch weiter ins Detail gehen und den Grund der Bewertung spezifizieren: "hält keinen Sicherheitsabstand", "parkt verkehrswidrig" oder ganz pauschal "ist ein Raser" lauten nur einige der Anschuldigungen, die sich dem eingegebenen Kfz-Kennzeichen zuordnen lassen.

Der Wut jetzt online freien Lauf lassen

Auf diese Möglichkeit dürften viele Autofahrer nur gewartet haben. Denn anstatt sich mehr oder weniger still vor sich hin zu ärgern, können sie ihrer Wut – ob berechtigt oder nicht – jetzt online freien Lauf lassen. Entweder noch an Ort und Stelle per Handy- oder Tablet-App oder zu Hause, im Schutz der Privatsphäre der eigenen vier Wände. 

Natürlich ist diese Variante besser, als sich noch in der Situation zu einer unüberlegten Nötigung oder verbalen Entgleisung hinreißen zu lassen.

Dennoch birgt die Möglichkeit der Online-Petzerei Gefahren – selbst wenn die Betreiber der Seite darauf hinweisen, dass auch positiv bewertet werden kann ("fährt umsichtig", "bedankt sich freundlich").

Das Internet vergisst nichts

Zunächst mangelt es an Kontrolle: Die Eingaben können weder auf Plausibilität noch auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Prinzipiell sind frei erfundene Bewertungen zu einem realen Kennzeichen problemlos publizierbar . Auch die Anonymität der Autofahrer ist nicht gewährleistet. Mit ein wenig Recherche-Glück könnten auch Laien den Halternamen herausbekommen – zum Beispiel über Forenprofile mit Kennzeichen und Klarnamen.

Und schließlich vergisst das Internet nichts. Ist ein Kennzeichen von Online-Denunzianten einmal "verbrannt", können sich falsche Anschuldigungen endlos weiterverbreiten, auch wenn das Nummernschild mittlerweile einem anderen Halter zugeordnet ist. Keine schöne Vorstellung.

Daher sollten wir uns nicht gegenseitig im Internet verpetzen, sondern lieber an unseren guten Manieren hinter dem Lenkrad arbeiten. Denn keiner von uns fährt immer ohne Fehl und Tadel, aber jeder freut sich über ein Lächeln, einen freundlichen Gruß – oder die Vorfahrt an der Engstelle.

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