Audi RS6 Avant

Überflieger

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Der Hangar-7 in Salzburg ist die attraktive Heimstätte der Flying Bulls von Red Bull. Er ist der ideale Rahmen für die Präsentation eines fahrenden Bullen – den neuen Audi RS6 Avant mit 580 PS.

Wie ein Fremdkörper sieht der Audi RS6 Avant gar nicht aus unter der hohen Kuppel, zwischen all den Red Bull-Flugmaschinen und einigen blau-gelb-rot-silber lackierten Rennwagen, die sich die 65.000 Kubikmeter Raum unter den 1.754 Glastafeln des Hangar-7 in Salzburg teilen. Am ehesten noch fällt er auf – und auch ziemlich aus dem höchst coolen Rahmen der Umgebung – durch seine schlichte, aber wirkungsvolle Farbgebung. Jenes exklusiv für den RS6 verwendete, krachende Sepangblau mit Metallic-Perleffekt.

Diese Lackierung sticht besonders hervor, wenn der jüngste und zugleich kräftigste Avant in unmittelbarer Nähe eines der betagten Prachtstücke der Flying Bulls-Squadron steht, dem auf Zivileinsatz umgetrimmten Mitchell B-25 J-Bomber. Jene in Alu-Hochglanz silbrig schimmernde, voll flugfähige Fatamorgana – die einstige Air Force-Lackierung des 1945 gebauten, nie im Krieg eingesetzten Flugzeugs wurde völlig entfernt – wirkt keineswegs so alt, wie sie ist. Im Gegenteil: Der Retro-Look von rundum verglasten Bug- und Heckkanzeln fasziniert ebenso wie die Nietenreihen der Beplankung.

Anfeuern verboten

Dazu die Dimensionen: über 20 Meter Spannweite, über 16 Meter lang. Als Krönung die beiden 14-Zylinder-Wright-Cyclone-Doppelstern-Motoren. Gern hätten wir das Anspringen der je 1.700 PS starken Treibsätze mit über 42 Litern Hubraum gehört – aber im riesigen Schalenbau des Hangar-7 darf kein Motor laufen. Ja, nicht einmal die 580 PS des V10-Triebwerks im RS6 durften wir anfeuern, um den sportlichen Reisewagen in attraktive Fotopositionen zu rangieren: Handarbeit und Schieberei waren angesagt. Es war ein Kräfte zehrendes Vergnügen, weil die Lenkung nicht von der Servotronic unterstützt wurde und die großen 20-Zoll- Felgen samt fetten 275/35 R 20-Reifen ordentlich Haftung aufbauten.

Sehr irdisch, ja fast zum reinen Nützling degradiert wirkt der stärkste Serien-Audi aller Zeiten in Gesellschaft der zierlichen Alpha Jets. Von denen sind bis zu drei Stück im 100 Meter langen, 60 Meter breiten Hangar-7 stationiert. Es ist der Heimathorst der fliegenden Schätze des Red Bull-Staffel-Kommandeurs Dietrich Mateschitz. Die Jets sind in Europa die einzigen Maschinen ihrer Art, die abgerüstet, voll einsatzfähig und zivil zugelassen sind – Träume nicht nur für den Flying Bull-Chefpiloten Sigi Angerer.

RS6 überzeugt durch Perfektion

Die flinken Alphas, deren militärische Versionen noch heute bei einigen afrikanischen Luftwaffen im Einsatz stehen, waren weltweit geschätzt – nicht allein wegen ihrer ästhetisch und aerodynamisch höchst gelungenen Formgebung: Ausgezeichnete Flugeigenschaften, höchste Zuverlässigkeit und ein präzises Befolgen der Steuerbefehle zeichnen die mit zwei Strahltriebwerken von je 1.470 Kilo Schub versehenen Maschinen aus. Ideal auch für die Schulung.

Die gleiche Perfektion entdecken wir im Audi RS6 Avant: Für optimale fahrdynamische Eigenschaften sorgen bei ihm die Elastokinematik der Vierlenker-Vorderachse und der Trapezlenker-Hinterachse. Für die Zuverlässigkeit des gesamten Konzepts, das seit dem RS2 von 1993 existiert, garantieren die vier Ringe. Für das präzise Befolgen der Steuerbefehle sind unter anderem die neuen Kennlinien der geschwindigkeitsabhängigen Lenkung und die Dynamic Ride Control zuständig. Diese kontrolliert die Nick- und Wankbewegungen um die Längs- und Querachse des Wagens.

Das klare Handikap des RS6 gegenüber einem Alpha Jet ist jedoch seine eingebremste Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Der Düsenjäger schafft mit 1.020 km/h beinahe Mach 1, die der Audi durch andere Tugenden aufwiegt: In solch einen zierlich-aggressiven Jet passen hinter den Piloten und dessen unendlich vielen Instrumenten nur noch ein zweiter Passagier und die beiden berühmten Zahnbürsten – der Avant brilliert hingegen mit vier ultrabequemen Sitzgelegenheiten sowie 1.660 Liter Gepäckraumvolumen.

Und: Während man bei überirdischen Fortbewegungsmitteln à la Alpha Jet pro Flugstunde mit fünf bis zehn Wartungsstunden rechnen muss, bescheidet sich der Audi Avant trotz seiner Gene aus dem Le Mans-Sportwagen R8 mit branchenüblichen Wartungsintervallen. Weltmeister im Bereich Wartung ist selbst unter der Vielzahl der im Hangar-7 untergebrachten, intensiv pflegebedürftigen Exponate der herrliche, in Tiefsee-Blau glänzende Corsair-Abfangjäger. Pro Flugstunde beansprucht die 2.100 PS starke Maschine mit ihrem riesigen Propeller nicht weniger als 40 Wartungsstunden.

RS6 gibt sich bescheiden

Mit hochgeklappten Flügeln – ihrer Grundstellung bei der Unterbringung in den Hangars und vor allem im Bauch von Flugzeugträgern – steht die F4 U-4 jetzt im Hangar-7 und träumt von einer völlig unkriegerischen Vergangenheit. Ende 1945 wurde dieser Jäger an die US-Navy ausgeliefert – einer von insgesamt 12.500 gebauten Exemplaren. Nach Zwischenstationen in Honduras und in den USA erwarb sie zunächst Red Bull-Chefpilot Sigi Angerer. Er kaufte sie von einem texanischen Millionär und brachte per Schiff und selbst fliegend zur Zulassung nach Österreich. Dort ist nun das Prachtstück mit gewaltigem 18-Zylinder-Doppelsternmotor und üppigen 46 Litern Hubraum zu Hause.

Neben diesem komplexen, höchst sophistischen Motoren-Kunstwerk in der Flugzeugnase nimmt sich der V10 des Audi RS6, bei dem unter der aufgeklappten Alu-Motorhaube weder die raffinierte FSI-Direkteinspritzung noch die Biturbo-Aufladung zu erkennen sind, eher bescheiden, jedoch ziemlich hübsch aus. Gut, 580 PS und 650 Newtonmeter über den fast gesamten Drehzahlbereich bis 6.250/min sind nicht gerade ein Klacks – bei einem relativ moderaten Norm-Verbrauch von 14 Liter auf 100 Kilometer sowieso.

Kunst und Küche im Flugzeughangar

Die Corsair klotzt dagegen gnadenlos: Spritverbrauch von bis zu 1.200 Liter pro Stunde in den Startphasen, Motorölinhalt 95 Liter und dann das brachiale Gebrüll bei einem Start der Traummaschine. Wir fragten Andy, einen aus der 50-köpfigen Betreuer-Crew, welche die Flying Bulls aus Hangar-7 im danebenliegenden Wartungs-Hangar-8 hingebungsvoll am Leben halten, mit welcher Maschine er denn am liebsten ein paar Runden drehen würde? „Gebt mir euren Audi RS6“, sagte er, „und eine halbe Stunde freie Fahrt auf dem Salzburger Flughafen.“

Doch die riesige Halle bietet mehr als PS-strotzende Flugmaschinen mit faszinierender, seit Jahrzehnten ausgestorbener Kolossaltechnik. Der Hangar-7 ist auch ein Kulturzentrum, in dem Kunstausstellungen und Konzerte stattfinden. Im Restaurant Ikarus wechseln sich monatlich internationale Spitzenköche ab. Patronatsherr und Kulinarik-Guru Eckart Witzigmann lässt hier nichts anbrennen. Zusammen mit Gastronomieleiter Manuel Lechner sorgt er für ein gleichbleibend hohes Niveau. Hangar-7 bedeutet also: Schauen, staunen und genießen.

Wer wann kocht und mehr Fakten zu den Flugzeugen unter hangar-7.com.

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