"Auto der Woche"

Fiat X 1/9, der Keil-Roadster von Bertone

Fiat X 1/9 Foto: Fiat 25 Bilder

Mittelmotor, Heckantrieb und ein Design von Bertone. Klingt lecker, verführersich, begehrenswert. Dahinter steckt aber nicht etwa ein teurer Sportwagen, sondern der 75 PS-Roadster Fiat X 1/9.

Anfang der 70er Jahre drohte dem Fiat 850 Spider in den USA das Aus. Die US-Behörden erhöhten die Crashtest-Anforderungen dermaßen, dass ein komplett neues Cabrio für den lukrativen Übersee-Markt entwickelt werden musste. Doch Designer Bertone machte aus der Not eine Tugend und zauberte 1972 den Fiat X 1/9 aus dem Hut: einen Mittelmotor-Sportler als Sicherheitscabriolet mit Targa-Dach, massivem Überrollbügel und modischen Klappscheinwerfern, jedoch mit einem Großserienmotor aus der Fiat 128er-Familie.

Fiat X 1/9 ausgesprochen spritzig und temperamentvoll

Der 1,3-Liter-OHC-Motor aus dem Fiat 128 Coupé wurde leicht modifiziert und lieferte somit bei 75 PS etwas bessere Fahrleistungen. Der quer vor der Hinterachse eingebaute Vierzylinder trieb den Fiat X 1/9 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Dabei wog der 3,90 Meter kurze Roadster mit 880 kg für damalige Verhältnisse recht viel, was der stabileren Bauweise im Hinblick auf den amerikanischen Markt geschuldet war. Trotzdem war auto motor und sport seinerzeit von der Fahrleistung begeistert: "Der X 1/9 zeigt sich bei Probefahrten ausgesprochen spritzig und temperamentvoll, wobei er mühelos Drehzahlen bis zu 7500 U/min realisiert".

Ab 1978 durfte der Fiat X 1/9 ein paar Kohlen nachlegen. Es kam der stärkere 1,5-Liter-OHC-Motor mit Fünf-Gang-Schaltung aus dem Ritmo zum Einsatz. Die Einführung des Abgaskatalysators Anfang der 80er Jahre drückte die Motorleistung dann aber wieder von 86 auf 76 PS. Der Fahrspaß kam jedoch bei keinem der Motoren zu kurz: "Der flache Zweisitzer meistert Kurven aller Art mit Bravour, wobei er sehr hohe Geschwindigkeiten bei absolut neutralem Fahrverhalten erreicht", bilanzierte auto motor und sport damals im Test.

Fiat X 1/9 wird zu Bertone X 1/9 

Ein weiterer Pluspunkt des Fiat X 1/9 war sein Preis: Mit 16.840 Mark kostete er zwar mehr als ein vergleichbarer VW Scirocco, war aber dennoch günstiger als ein Matra Bagheera und genau so teuer wie ein Alfasud sprint. Im Vergleichstest von 1979 titelte auto motor und sport über die vier Sportwagen: "Es gibt sie nicht allein für 70.000 Mark und mehr, sondern auch für weniger als 20.000 Mark: schöne und schnelle Autos, bei denen die Designer das Zweckmäßige dem Verspielten unterordnen."

In Europa wurde der X 1/9 dennoch nicht zum Renner. Rund 70 Prozent der X 1/9-Produktion gingen in die USA. Weil sich jedoch Anfang der 80er Jahre der Vertrieb in die USA nicht mehr lukrativ genug umsetzen ließ, zog sich Fiat vom US-Markt zurück und somit stand der Fiat X 1/9 vor dem Aus.

Die Rettung kam durch Bertone, die Fiat dazu drängten den X 1/9 weiter bauen zu dürfen, den Vertrieb aber in eigene Hände und unter das eigene Markendach nahmen. Ab Anfang der 80er Jahre rollte der Mittelmotor-Sportler deshalb als Bertone X 1/9 zu den Kunden. Deutlich besser ausgestattet (Lederausstattung, Klimaanlage, elektrische Fensterheber) sollte er die Absatzzahlen wieder ankurbeln. Zum 10-jährigen Jubiläum 1982 wurde das Sondermodell "IN" aufgelegt. Direkt darauf folgte eine zweifarbige Edition "VS". Ab 1985 kam der Roadster in Europa sogar als einer der ersten Autos überhaupt mit geregeltem Dreiwegekatalysator auf den Markt. Doch bereits drei Jahre später war endgültig Schluss. Nach einem weiteren Sondermodell, dem Rechtslenker "Gran Finale", wurde die Produktion nach 150.000 verkauften Exemplaren im Jahr 1988 eingestellt.

Und, auf den Geschmack gekommen? Nach Angaben von Classic-Car-Tax werden gepflegte Exemplare des Fiat X 1/9 heute bereits mit rund 8.600 Euro gehandelt. Eher mäßige Modelle werden bereits ab 2.100 Euro angeboten. Für den X 1/9 Five Speed (Baujahr 1978 bis 1982) verhalten sich die Preise sehr ähnlich, wohingegen ein gepflegter Bertone X 1/9 Kat erst ab rund 9.000 Euro zu bekommen.  

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