Auto Union Typ D (1939)

Tradition mit Charakter

Auto Union Typ D, Kurvenfahrt, Frontansicht Foto: Stefan Warter, Matt Howell 6 Bilder

Beim Grand Prix de Monaco Historique zündet Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg eine 485 PS starke Zeitmaschine aus Zwickau.

Davon träumt jedes autobegeisterte Kind: einmal im Leben im Renntempo über die abgesperrten Straßen von Monaco fahren. Denn die Zufahrt auf den 3,34 Kilometer lange Leitplankenkanal ist äußerst streng reglementiert. Eigentlich braucht man die nötigen Fahrergene und meist auch das nötige Kleingeld für einen Fahrerplatz in den Eliteklassen des Motorsports bis hin zur Formel 1. Oder das Herz schlägt für einen Rennklassiker, der von der strengen Kommission des monegassischen Automobilclubs zum nur alle zwei Jahre ausgetragenen Grand Prix Historique zugelassen wird.

Ulrich Hackenberg hat das Glück, dass er als Entwicklungsvorstand bei der Marke mit den vier Ringen arbeitet, die in den 30er-Jahren Grand-Prix-Wagen einsetzte. Neben den rund 200 Startern, die ihre historischen Renner aus sechs Jahrzehnten noch echtem Wettbewerbsstress aussetzen, steuert der Audi-Entwicklungschef einen Tag vor seinem 64. Geburtstag die Preziose aus der historischen Sammlung der Auto Union GmbH in einem Demonstrationslauf über die Strecke.

7 Rennen und rund 50.000 Besucher

Mit ihm geht der ehemalige Formel-1-Pilot und fünffache Le-Mans-Sieger Jacky Ickx in einem Auto Union Typ C auf die Strecke im Fürstentum. Ickx kennt jeden Zentimeter des schmalen Bands zwischen den Stahlplanken mit minimalen Auslaufzonen. Mit scheinbar traumwandlerischer Sicherheit zirkelt er den Mittelmotor-Monoposto mit dem 520 PS starken V16-Aggregat im Rücken über die legendäre Rennstrecke. Hackenberg folgt mit Respektabstand. Unter dem Jethelm kann man bei ihm jedoch ein zufriedenes Grinsen erkennen. "Die Fahrt hat sehr viel Spaß gemacht", plaudert er nach der Fahrt in der Boxengasse. "Einmal ist mir beim Anbremsen ein Rad stehen geblieben. Das hat man dann auch riechen können." Jacky Ickx kommt auf Hackenberg zu: "Du hast es geschafft", sagt er mehrfach und schickt hinterher: "Es ist eine sehr eigenwillige Strecke." Die wenigen Runden, die Hackenberg fahren kann, reichen nicht zum Kennen- lernen.

Wie tückisch die Piste im Renntempo ist, merken die Fahrer wie auch die rund 50.000 Besucher des Wochenendes bei den insgesamt sieben Rennen. Mehrere historische Monoposti werden bei Unfällen erheblich beschädigt. Der kompromisslose Wettbewerbseinsatz birgt Gefahren, denen fast ausschließlich private Besitzer ihre wertvollen Klassiker aussetzen. Hersteller wie Audi, aber auch zum Beispiel Mercedes oder Renault lassen ihre Grand-Prix-Wagen und Formel-1-Autos nur noch für Demofahrten von der Kette. Zu groß wäre der Verlust bei Unfallschäden – wie auch die Gefahr für die Fahrer.

Wie schmerzlich der Verlust von historischen Autos sein kann, hat die Auto Union nach dem Zweiten Weltkriegs zu spüren bekommen. Alle noch existierenden Rennwagen wurden von der russischen Besatzungsmacht mit unbekanntem Ziel aus Zwickau abtransportiert. Es blieb kein vollständiges Auto erhalten: Audi muss heute für Einsätze größtenteils auf originalgetreue Nachbauten zurückgreifen. "Ich setze mich persönlich dafür ein, dass wir unsere Tradition pflegen", betont Hackenberg. Die Häuserschluchten von Monaco sind dafür ein idealer Ort: Nirgends klingen die in Sachsen gebauten Rennmotoren schöner. Dass der Typ D nie in Monaco fuhr, ist nur ein kleiner Schönheitsfehler.

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