Bologna Motor Show 2008

Messe-Übersicht: Arm, aber sexy

Messegirls Bologna Foto: Bologna Motor Show

Die Bologna Motor Show (5.-14.12.) leidet an akutem Premieren-Mangel. Doch dieses Manko macht sie mit dem Eros Chromazotti wieder wett. Und ein paar interessante Neuheiten gibt es auch in diesem Jahr.

In Genf, Paris oder Detroit werden alle Novitäten abgefrühstückt, Bologna wirft man nur die Brocken hin. So war das schon immer, doch die Italiener machen das Beste daraus. Statt großer Weltpremieren und spektakulärer Ankündigungen gibt es nett gemachte Stände, viele Testfahrten für Besucher und natürlich jede Menge hübscher Damen mit knapp kalkulierter Bekleidung. Dem Publikum gefällt’s: Im vergangenen Jahr strömten nach Angaben der Messeleitung mehr als 1,1 Millionen Besucher zur Bologna Motor Show. Da konnte die IAA mit knapp einer Million Besucher nicht mithalten.

Absatzeinbußen schlagen aufs Gemüt

Normalerweise ist im norditalienischen Auto-Tempel jede stinknormale Modellpflege eine Mega-Show mit Tanzeinlagen wert, und eine neue Ausstattungsoption wird wenigstens mit Chianti begossen. Doch in diesem Jahr geht es auf vielen Ständen verhaltener zu. Bei der Fiat-Pressekonferenz hatten sich die stiernackigen Security-Leute ganz umsonst in feinen Zwirn gepresst – es gab keine knipsenden Reporter- und Publikumsmassen, die man hätte zurückhalten müssen. Kein Pressesprecher konnte sich um die Branchenkrise herum reden. Zweistellige Absatzeinbußen schlagen der italienischen Autoseele aufs Gemüt.

Ein erotisches Sahnehäubchen eines trockenen Kuchens


Fiat und Co. geben auf ihrer Heimatmesse ein ziemlich trauriges Bild ab, denn Neuheiten muss man bei ihnen mit der Lupe suchen. Immerhin: Ferrari hält die Trikolore hoch und präsentiert den Scuderia Spider 16M. Die auf 499 Exemplare limitierte Sonderserie soll schon komplett ausverkauft sein. Der Supersportler ist 80 Kilogramm leichter als der normale F430 Spider und erzielt ein Leistungsgewicht von 2,6 Kilogramm pro PS. 510 Pferdestärken fallen über den Asphalt her. Auf der Ferrari-Rennstrecke in Fiorano schoss der 16M in 3,7 Sekunden auf 100 Km/h. Gestoppt wird der Vorwärtsdrang erst bei 315 Sachen. Die rosso-roten Bella Macchinas sind allerdings nur die erotischen Sahnehäubchen eines trockenen Kuchens, denn in Italien bestimmen sparsame Kleinwagen das Straßenbild.

Viele Autofahrer haben schon auf alternative Kraftstoffe umgesattelt. Mehr als 1,8 Millionen Autos mit Autogas- oder Erdgasantrieb sind laut einer Meldung der Messeleitung in Italien unterwegs, Tendenz steigend. Gasautos ab Werk oder als Nachrüstlösung spielen traditionell eine große Rolle in Bologna. In diesem Jahr stehlen die Deutschen aber allen anderen die Show. Opel stellt den Zafira 1.6 CNG Turbo vor, der dank 150 PS Erdgas-Fahrspaß verspricht. VW präsentiert mit dem Golf BiFuel und dem Passat TSI EcoFuel gleich zwei neue Gasmobile.

Die Treibstoffkosten halbieren sich

Der Autogas-Golf wird von einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 98 PS im Gasbetrieb befeuert und verbraucht laut Werksangabe durchschnittlich 9,2 Liter LPG auf 100 Kilometer. Dem Passat EcoFuel hilft ein 150 PS starker Turbomotor auf die ökologischen Sprünge. Sobald die Erdgastanks zur Neige gehen, steht ein 31 Liter großer Benzintank zur Verfügung. Wenn die Werksangaben stimmen, reduzieren sich im Erdgasbetrieb die Treibstoffkosten pro 100 Kilometer im Vergleich zum normalen TSI (160 PS) ungefähr um die Hälfte.

Neben seinen Sparautos hat Volkswagen außerdem den neuen Golf Plus sowie als Ausblick den Scirocco Studie R im Gepäck – schließlich müsse es neben „Razionalità“ auch ein bisschen „Emozione“ geben, meint VW-Designdirektor Flavio Manzoni. Mit 270 PS, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, Gewindefahrwerk und Vier-Kolben-Bremssätteln soll der Scirocco auch bei Nicht-Rennfahrern das Nordschleifen-Gen wecken.

Mazda setzt auf sportliche Optik und zeigt mit der fünftürigen Version des Mazda 3 eines der ansehnlichsten Kompaktautos der Messe. Der Japaner mit dem eleganten Hinterteil ist auch mit dem neu entwickelten 2,2-Liter-Turbodiesel aus dem Mazda 6 zu haben. Bei Toyota drehen sich die leicht gelifteten RAV4 und Aygo auf dem Präsentierteller. Peugeot zeigt den ebenfalls ein wenig aufgefrischten Aygo-Bruder 107. Bei Renault kann man im Kangoo Be Bop Probe sitzen. Das 3,8 Meter kurze Freizeitmobil mit wandlungsfähigem Dach und Innenraum bietet in der Viersitzer-Konfiguration zwar kaum Gepäckraum, aber selbst für Erwachsene reichlich Lebensraum auf allen Plätzen.

Indische und chinesische Autobauer als feste Größe

Eine feste Größe in Bologna sind indische und chinesische Autobauer. Tata stellt ein Elektroauto vor. Basis ist der Kleinwagen Indica, dem man auch auf Italiens Straßen hin und wieder begegnet. Der Indica EV erreicht mit seinem 40 Kilowatt starken Elektromotor 120 Km/h und kommt laut Tata 200 Kilometer weit. Der indische Geländewagen-Spezialist Mahindra fährt mit dem Thar Concept vor, einer urigen Jeep-Kopie. Ein chinesisch-italienisches Joint-Venture findet man bei DR: Die italienische Firma verkauft auf Basis chinesischer Geländewagen den DR5 und DR3. Unter der Haube gibt es optional einen 120 PS starken Dieselmotor von Fiat. Zum ersten Mal kann das Publikum außerdem den City-Flitzer DR1 in Augenschein nehmen. Mit einem 83 PS starken 1,3-Liter Motor und Autogas-Option schafft der Zwerg 156 Km/h. Der DR1 soll ungefähr 9.000 Euro kosten.

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